Solar Lofts in Utah 26.09.2019, 10:12 Uhr

Neue US-Siedlung nutzt ausschließlich Solarstrom

Das Konzept stammt vom deutschen Hersteller Sonnen. Alle privaten Pufferbatterien für überschüssige Energie werden dabei miteinander vernetzt. Sie liefern Strom, wenn Mangel herrscht, und werden geladen, wenn zu viel Strom ins Netz fließt. Solche virtuellen Kraftwerke gibt es auch in Europa.

Wohnhäuser mit Solarenergie davor Autos

Wohnhäuser mit Solarenergie.

Foto: Sonnen

Bewohner der neuen Siedlung „Solar Lofts“ in der Nähe von Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah nutzen ausschließlich Solarenergie. Mit dem daraus gewonnenen Strom kühlen und kochen sie, erwärmen Wasser und nicht ganz so häufig heizen sie damit auch. Der gesamte Strom kommt von den Dächern der Komplexe, die für 600 Wohneinheiten ausgelegt sind. Jede Wohnung bekommt zusätzlich eine Pufferbatterie. Diese werden zu einem virtuellen Kraftwerk vernetzt, das der örtliche Stromversorger Rocky Mountain Power nutzen kann, um Schwankungen im Netz auszugleichen oder Lasten zu verteilen. Der Versorger kann beispielsweise entscheiden, dass Batterien geladen werden statt den Strom ins Netz einzuspeisen, wenn ein Engpass abzusehen ist, etwa durch wetterbedingten fehlenden Sonnenschein. Vorteil eines solchen virtuellen Kraftwerks: Es kann, wie jede Pufferbatterie, blitzschnell auf Stromschwankungen reagieren.

Solarmodule liefern zusammen 5 Megawatt

Das Konzept hat das Unternehmen Sonnen aus Wildpoldsried im Landkreis Oberallgäu entwickelt, das auch die Batterien liefert. Sonnen ist seit März 2019 eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Shell und gehört zur Geschäftseinheit Shell New Energies. Die Batterien haben eine Kapazität von insgesamt 12,6 Megawattstunden. Die Leistung der Zellen auf den Dächern liegt bei insgesamt 5 Megawatt. „Mit dieser Wohnsiedlung zeigen wir, dass eine intelligente Energiewende auch in den Städten möglich ist“, sagt Sonnen-Chef Christoph Ostermann.

Niedrige Stromkosten, keine Ausfälle

Die ersten Mieter sind bereits eingezogen. Sie profitieren von niedrigeren Stromkosten, verglichen mit denen, die der örtliche Versorger erhebt. Sie sind auch gegen die in den USA gar nicht so seltenen Stromausfälle geschützt. Außerdem dürfen sie, so weit vorhanden, ihre Elektroautos ein Jahr lang kostenlos aufladen. Das Projekt soll einen Beitrag zur Verbesserung der Luft im Raum Salt Lake City leisten, deren Qualität vor allem auf Grund des Straßenverkehrs verbesserungsbedürftig ist. Die letzten Wohnungen sollen 2020 bezogen werden.

Solarsiedlung von oben

Die Siedlung von oben.

Foto: Sonnen

Küche Solarwohnung weiße Einrichtung

Innenansicht einer Sonnen Solarwohnung.

Foto: Sonnen

Wohnhäuser mit Solarenergie davor Autos

Wohnhäuser mit Solarenergie.

Foto: Sonnen

In Arizona sind es sogar 3000 Häuser

Gleich 3000 neue Häuser stattet Sonnen in der Gemeinde Prescott Valley im US-Bundesstatt Arizona mit Batterien aus und vernetzt sie zu einem virtuellen Kraftwerk. Es hat eine Kapazität von 23 Megawattstunden und eine Leistung von 11,6 Megawatt. Das Projekt wird derzeit realisiert. „Dass wir im Heimatmarkt von Tesla dieses Projekt realisieren konnten, zeigt, dass wir technologisch im Bereich Energie an Tesla in den USA vorbeiziehen“, freut sich Philipp Schröder, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing von Sonnen. Tesla stattet nicht nur seine Autos mit Batterien aus. Seit einiger Zeit liefert das Unternehmen auch Pufferakkus für Solarstromanlagen.

Virtuelle Kraftwerke auch in Europa

Auch in Europa hat Sonnen virtuelle Kraftwerke installiert. Alle Pufferbatterien sind miteinander vernetzt. In Europa weisen sie eine Leistung von insgesamt 300 Megawatt auf. Ein Teil davon ist sogar in den Regelenergiemarkt eingebunden. Diese vernetzten Batterien müssen automatisch und sekundenschnell bestimmte Mengen an Strom aus dem Netz nehmen, wenn dort Überschuss herrscht, und einspeisen, wenn Mangel droht. Rein rechnerisch könnten die gut 30.000 Sonnen-Batterien in Europa 120.000 Haushalte eine Stunde lang mit Strom versorgen.

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Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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