Erneuerbare Energien 12.08.2019, 07:00 Uhr

Mehr Strom aus der Sonne – mit textilen Solarzellen

Solarstrom trägt in Deutschland bislang kaum zum Energiemix bei. Das liegt möglicherweise auch an bislang ungeeigneten Flächen. Textile Solarzellen könnten weitere Areale erschließen. Jetzt haben Forscher Prototypen vorgestellt.

Textile Solarzelle

Protoypen textiler Solarzellen im Labor.

Foto: Fraunhofer IKTS

In Deutschland haben Photovoltaik-Anlagen 2018 rund 46,3 Terawattstunden an Strom produziert, berichtet der Bundesverband Solarwirtschaft in aktuellen Statistiken. Dadurch wurden mehr als 28 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart. Es gibt allerdings noch Luft nach oben. Strom aus der Sonne macht, gemessen am deutschen Bruttostromverbrauch, gerade einmal 8,0% aus. Die Gründe sind vielfältig, es liegt nicht nur am fehlenden Platz. Manche Flächen eignen sich nicht für die starren, derzeit marktüblichen Solarzellen.

Forscher am Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) Dresden zeigen jetzt, wie man weitere Örtlichkeiten zur Energiegewinnung nutzen könnte. Sie haben textile Solarzellen auf Basis von Glasfasergewebe entwickelt.

Herstellung ohne Glas oder Silicium 

Ihr Verfahren orientiert sich an industriellen Prozessen, unterscheidet sich grundlegend von bekannten Verfahren zur Herstellung starrer Solarzellen. Denn die Forscher arbeiten nicht mit Glas oder Silizium. Als Basis dient vielmehr Gewebe. „Über verschiedene Beschichtungsverfahren können wir Solarzellen direkt auf technischen Textilien herstellen“, sagt Lars Rebenklau vom Fraunhofer IKTS. Doch die Umsetzung stellte sein Team erst einmal vor einigen Fragen.

Zum Hintergrund: In der Textilindustrie sind fünf bis sechs Meter Stoffbreite und Stofflängen von tausend Metern normal. Neue Verfahren haben sich an den riesigen Dimensionen zu orientieren. Das Gewebe selbst muss Temperaturen von 200 Grad Celsius überstehen – so heiß wird es beim Beschichtungsvorgang. Schließlich sollten die Hightech-Schichten im Produktionsprozess direkt auf Textilien erzeugt werden. Auch der Brandschutz und letztlich der Herstellungspreis sind wichtige Kriterien für textile Solarzellen.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d/) Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung Umweltplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Excelitas Deutschland GmbH-Firmenlogo
Qualitätsingenieur (w/m/d) Produktentwicklung Excelitas Deutschland GmbH
Feldkirchen Zum Job 
Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Bauprojekte Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur mit Projektverantwortung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Experte / Expertin Bauwesen (w/m/d) in der Abteilung Gebäudemanagement / Verwaltung Mainz SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH-Firmenlogo
Elektroingenieur (m/w/d) Produktindustrialisierung J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH
ai6 SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
Entwickler Mechanik / Konstruktion (m/w/d) ai6 SOLUTIONS GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Key Account Manager Sicherheit und Verteidigung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Technischer Angestellter (m/w/d) Nachhaltigkeitsmanagement im Bereich Hochbau KLEBL GmbH
Neumarkt Zum Job 
Schöpflin Stiftung-Firmenlogo
Head of Operations (m/w/d) Schöpflin Stiftung
Lörrach Zum Job 
Humboldt-Universität zu Berlin Abteilung Haushalt und Personal Referat Personalwirtschaft III C 6-Firmenlogo
Ingenieur*in Nachrichtentechnik (m/w/d) Humboldt-Universität zu Berlin Abteilung Haushalt und Personal Referat Personalwirtschaft III C 6
Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr-Firmenlogo
Bauingenieur - Sachgebietsleitung Kreisstraßenmanagement (w/m/d) Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr
Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig-Firmenlogo
Ingenieur/-in / Naturwissenschaftler/-in (m/w/d) für den Einsatz im Bereich Medizintechnik/-Produkte Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig
Braunschweig Zum Job 
Aerologic GmbH-Firmenlogo
Engineer Aircraft Reliability & Maintenance Program (m/f/x) Aerologic GmbH
Schkeuditz Zum Job 
Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH-Firmenlogo
Kalkulator Tiefbau (m/w/d) für den Bereich Wasser/Abwasser Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH
Halle (Saale) Zum Job 
Seppeler Holding & Verwaltungs GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Verfahrenstechniker / Ingenieur Verfahrenstechnik (m/w/d) Seppeler Holding & Verwaltungs GmbH & Co. KG
Rietberg Zum Job 
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*in oder Physiker*in (d/m/w) GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Darmstadt Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau Die Autobahn GmbH des Bundes
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*innen (d/m/w) GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Darmstadt Zum Job 

Lernen von der Textilindustrie  

Um diese Herausforderungen zu meistern, arbeitet ein Konsortium mit Partnern aus Forschung und Anwendung eng zusammen. Neben dem Fraunhofer IKTS waren das Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS, das Sächsische Textilforschungsinstitut sowie die Firmen erfal GmbH & Co. KG, PONGS Technical Textiles GmbH, Paul Rauschert GmbH & Co. KG und GILLES PLANEN GmbH mit im Boot.

Um effizient textile Solarzellen zu produzieren, muss man sich an etablierten Technologien der Druck- und Textilbranche orientieren. Schnell stand fest, dass Glasfasergewebe alle Rahmenbedingungen erfüllen. Rebenklau beschreibt textile Oberflächen jedoch als riesige Gebirge. Deshalb trugen Forscher im ersten Schritt eine dünne Schicht auf, um „Berge“ und „Täler“ einzuebnen. Das funktionierte per Transferdruck recht gut – ein Verfahren, mit dem normalerweise Gummischichten in den Trägerstoff eingedampft werden. Dann folgten Elektroden aus leitfähigem Polymer und die photovoltaisch wirksame Schicht. Als technische Lösung eignet sich das Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Schon länger werden elektronische Bauteile auf einer Bahn aus flexiblem Kunststoff- oder Metallfolien gedruckt. Zuletzt brachten die Forscher eine Schutzschicht auf, damit ihre textile Zelle auch Witterungseinflüsse übersteht.

Keine Konkurrenz zu starren Solarzellen

Rebenklau und seine Kollegen haben schon zahlreiche Ideen für ihre neue Form der Stromgewinnung. Man könnte die robusten Gewebe zur Bespannung von LKWs verwenden, um den Energieverbrauch zu verringern oder um Anhänger autark mit Strom zu versorgen. Neben diesen Spezialanwendungen haben die Forscher noch größere Visionen. Sie hoffen, Gebäudefronten als bislang ungenutzte Flächen mit ihrem Material zu bespannen, um den Prozentsatz an Solarstrom in Deutschland zu erhöhen.

„Wir konnten zeigen, dass unsere textile Solarzelle an sich funktioniert“, so Rebenklau. „Ihre Effizienz liegt momentan bei 0,1 bis 0,3%.“ Für kommerzielle Anwendungen soll der Wert auf mindestens 5,0% zu steigern. Bekanntlich erreichen marktübliche Siliziumzellen derzeit 10 bis 20%. Die Fraunhofer-Forscher sehen ihre Entwicklung jedoch nicht als Konkurrenz. Vielmehr wollen sie bisher ungeeignete Flächen auch für die Energieerzeugung erschließen. Hinzu kommt, das noch Daten über die Stabilität und die Lebensdauer fehlen. Bis zur Serienreife wird noch etwas Zeit vergehen. Läuft alles nach Plan, könnten textile Solarzellen in 5 Jahren auf den Markt kommen, hoffen die Forscher. Dann hätten sie das Ziel ihres Projekts PhotoTex, neue Impulse für die Textilindustrie in Deutschland zu schaffen, erreicht. PhotoTex gehört zum Programm „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Mehr zum Thema Solarenergie

Ein Beitrag von:

  • Michael van den Heuvel

    Michael van den Heuvel hat Chemie studiert. Unter anderem arbeitet er für Medscape, DocCheck, für die Universität München und für pharmazeutische Fachmagazine. Seit 2017 ist er selbstständiger Journalist und Gesellschafter von Content Qualitäten. Seine Themen: Chemie/physikalische Chemie, Energie, Umwelt, KI, Medizin/Medizintechnik.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.