Einplatinencomputer 13.08.2019, 15:24 Uhr

Raspberry Pi: Kleiner Alleskönner geht in die vierte Runde

Kleine Einplatinencomputer wie der Raspberry Pi finden viele Anwendungen: Heimserver, Smart-Home-Steuerung oder sogar Roboter-Controller. Nun will der Hersteller des Marktführers eine weitere Domäne der Heimelektronik erobern.

Rasperry Pi vor weißer Tastatur

Der Raspberry Pi 4 will nicht nur Bastler begeistern, sondern auch als Desktop-PC dienen.

Foto: The Raspberry Pi Foundation

So manch ein Elektrobastler mag leuchtende Augen bekommen haben, als die Raspberry Pi Foundation ihr neuestes Produkt vorgestellt hat: das Modell 4B. Denn die Ingenieure haben nicht einfach nur die Kernkompetenzen des Einplatinencomputers verfeinert, sondern ihm gänzlich neue Funktionen verliehen. So bedient der Raspberry Pi 4 nicht nur Kenner, die nach einer einfachen Lösung für Smart Home oder Retro-Konsolenspiele auf dem Fernseher ohne Analogeingang suchen. Plötzlich soll der kleine Alleskönner auch Desktop-PC sein.

Zweimal 4K-Auflösung und 60 Bilder pro Sekunde im Kreditkartenformat – Raspberry Pi 4B verspricht viel

Das neue Modell der britischen Mikrocomputerkonstrukteure bringt jedenfalls einiges an zusätzlicher Leistung im Vergleich zum Vorgänger Raspberry Pi 3B+ mit. Herzstück ist ein ARM-Prozessor des Typs Broadcom Cortex A-72, der mit einer Taktung von 1,5 Gigahertz arbeitet. Neu ist, dass der Einplatinencomputer mit Optionen erscheint: Wahlweise liefert die Foundation ihn mit 1 Gigabyte, 2 Gigabyte oder 4 Gigabyte Arbeitsspeicher (Typ LPDDR4 SDRAM) aus. Das schlägt sich auch in der Preisspanne von 35 Euro bis 55 Euro nieder.

Der Leistungszuwachs macht sich bemerkbar: Erste Benchmarks (Linpack) zeigen, dass die dreifache bis vierfache CPU-Rechenkraft im Vergleich zum Vorgänger zur Verfügung steht. Dieses Ergebnis ist jedoch ein isolierter Messwert und spiegelt sich nur bedingt in der Praxis wieder. Die Geschwindigkeit bei Webanwendungen konnte aber immerhin etwa verdoppelt werden. Die neue Schnittstelle USB 3.0 ermöglicht wesentlich höhere Datendurchsätze als noch USB 2.0, das im Raspberry Pi 3B+ verbaut war. Ähnlich verhält es sich beim Ethernet-Durchsatz: Der liegt nahezu am Limit des versprochenen Gigabit pro Sekunde.

Neu ist ebenfalls, dass das (nicht mitgelieferte) Netzteil sich von Micro-USB verabschiedet hat und nun den aktuellen USB-C-Standard verwendet. Vergleichsweise überraschend ist der Wechsel von Standard-HDMI als Video-Output zu 2 Micro-HDMI-Ports, die beide Auflösungen von 4K (3840 × 2160 Pixel) bei einer Frequenz von 60 Bildern pro Sekunde unterstützen wollen. Für eine kreditkartengroße Platine ist das eine selbstbewusste Ansage.

Der kleine Raspberry Pi 4B will mit den Großen spielen

Der traditionell an Bastler vermarktete Minirechner will damit eine gänzlich neue Kundengruppe erobern: Nutzer, die einen günstigen Desktop-PC suchen. Während ein konventionell erstellter Rechner für Büroanwendungen schwerlich unter 400 Euro zu bekommen ist, will der Raspberry Pi 4B den gleichen Zweck zu einem zweistelligen Betrag erfüllen. Und die Auswahl der Betriebssystems fällt bei der Himbeere üppig aus: Einsteiger erhalten mit Noobs (New Out of Box Software) ein Paket mit gängigen OS. Darunter finden sich etwa das auf Debian (Unix) basierende Raspbian und Linux-Distributionen wie LibreElec. Sogar Windows 10 IoT Core, das eine stark abgespeckte Variante von Microsofts OS darstellt, ist mit an Bord.

Im Wärmetest musste die Community aber feststellen, dass die Leistung im Taschenformat mit einem erheblichen Nachteil einhergeht: Die Wärmeentwicklung ist hoch, denn der Raspberry Pi 4B verfügt über keine dedizierte Kühlung. Bis zu 80 Grad Celsius kann der kleine Rechner warm werden. Es wird daher empfohlen, eine aktive oder zumindest passive Kühlung zusätzlich zu verbauen. Allerdings kann die räumlich mit anderem Zubehör kollidieren.

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Raspberry Pi 4B bleibt die Referenz für Elektrobastler

Ganz gleich, ob die Mission Desktop-Ersatz erfolgreich sein wird: Die Kerngruppe der Raspberry-Kunden ist tendenziell IT-affin und braucht keinen weiteren Schreibtischrechner. Was sie aber stattdessen braucht, sind stromsparende Lösungen für die digitalen „Problemchen“ im Haus. Die riesige Community der Himbeere findet dauernd neue Anwendungsszenarien für den kleinen Rechner. Die reichen von der heimischen Cloud über Karmapunktezähler für das beliebte Onlineforum Reddit bis hin zu digitalen Mausefallen mit App-Draht aufs Smartphone. Auch sehr beliebt: Steuerung der Smart-Home-Beleuchtung, Multimedia-Steuerung und Hosting-Lösungen.

Der Raspberry Pi ist keinesfalls das einzige Produkt seiner Kategorie – es gibt eine Vielzahl anderer Einplatinencomputer, die ihre eigenen Vor- und Nachteile mitbringen. Was den Raspberry Pi aber von Banana Pi, Cubieboard oder Pandaboard unterscheidet, ist die schiere Größe seiner Community. Besonders für den Neuling ist die Expertise der alteingesessenen Nutzer wertvoll, denn das senkt die Einstiegsschwelle. Und mit einem der zahlreichen Tutorials kann fix losgehen – egal, ob es eine Überwachungskamera für zu Hause sein soll, ein Eigenbau-Smartphone oder ein Spiegel, der das Wetter und den Terminkalender einblendet.

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