Schnappschüsse aus dem Inneren 05.12.2023, 07:00 Uhr

Wichtige Grundlage: Perovskit-Kristalle erstmals im Detail beobachtet

Forschenden ist es gelungen, ein besseres Verständnis für die Bewegung der Elektronen und die Schwingungen des Kristallgitters in Perovskit-Nanokristallen zu erlangen. Das soll künftig dabei helfen, das Material mit besonderen optischen Eigenschaften herzustellen.

Elektronen auf Kristallgitter von Perovskit-Nanokristallen

Angeregte Elektronen, wie in der Bildmitte zu sehen, können das schiefe Kristallgitter von Perovskit-Nanokristallen geradebiegen.

Foto: Nuri Yasdani / ETH Zürich

Das Material Perovskite ist in jüngster Vergangenheit verstärkt in das Blickfeld geraten. Vor allem die sogenannten Halid-Perovskite. Dabei handelt es sich um Minerale, die unter anderem in Solarzellen oder auch bei Quantentechnologien zum Einsatz kommen. Um sie besonders sinnvoll nutzen zu können, wäre es allerdings von Vorteil, man würde die optischen Eigenschaften dieser Minerale genauer analysieren und damit besser verstehen. Das funktioniert, wie bei vielen anderen Materialien auch, natürlich am besten, wenn man hineinschauen könnte. Im Fall von Perovskite ist das nun einem internationalen Forscherteam gelungen. Konkret konnten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen erstmals die Bewegungen der Atome in Nanokristallen untersuchen – mit einer zeitlichen Auflösung von wenigen Milliardstel Sekunden.

KI sagt Qualität von Perowskit-Solarzellen voraus

Perovskite sind Minerale und gleichen in ihrer Kristallstruktur dem Original Perovskit Calciumtitanat (CaTiO3). „Halid-Perovskite sind toll für viele Anwendungen in der Opto-Elektronik“, sagt Nuri Yazdani, „aber es ist in gewisser Weise verblüffend, dass diese Materialklasse solche hervorragenden optischen und elektronischen Eigenschaften haben kann.“ Nuri Yazdani und Vanessa Wood von der ETH Zürich leiten das Forscherteam gemeinsam mit Aaron Lindenberg von Stanford sowie weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Empa.

Einblick ins Innenleben von Perovskit-Nanokristallen

„Oftmals kann man die mittlere Position jedes Atoms in einem Kristall als starr betrachten, aber das ist nicht mehr möglich, wenn die optische Anregung eines Elektrons zu einer ausgedehnten Reorganisierung des Kristallgitters führt“, sagt Yazdani vom Institut für Elektrotechnik. Aufgrund dieser Ausgangssituation stellten sich die Forschenden die Frage: Wie ändern angeregte Elektronen in Perovskiten die Form des Kristallgitters? Um der Antwort näher zu kommen, wollten die Forschenden Einblick in das Innenleben eines Perovkits werfen. Dafür setzten sie eine ultraschnelle Elektronenbeugungs-Strahllinie ein, die es am Stanford National Accelerator Laboratory (SLAC) gibt. Diese spezielle Strahllinie stellt nur wenige hundert Femtosekunden andauernde Elektronenimpulse her. Eine Femtosekunde entspricht dem Millionstel einer Millionstel Sekunde.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Projektleitung Großprojekte Wasserwerke (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 
Sweco GmbH-Firmenlogo
Teamleitung Verkehr & Wasser (w/m/x) Sweco GmbH
Hannover Zum Job 
Stadtwerke Strausberg GmbH-Firmenlogo
Techniker Stromnetz - Netzkoordination & Digitalisierung (m/w/d) Stadtwerke Strausberg GmbH
Strausberg Zum Job 
Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter (m/w/d) im Stahlbau Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG
Karlsruhe Zum Job 
Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Lehrkraft (m/w/d) Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen Zum Job 
Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Lehrkraft (m/w/d) Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Hagen Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Straßenplanung und Straßenentwurf - Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
HIC Consulting GmbH-Firmenlogo
Senior Projektleiter / Ingenieur Fernwärme (m/w/d) HIC Consulting GmbH
Hamburg, Linau Zum Job 
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
Sachverständige/-r (m/w/d) Explosionsschutz TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH
Frankfurt am Main-Höchst Zum Job 
VDZ Service GmbH-Firmenlogo
Auditor (m/w/d) für die Validierung von Umweltmerkmalen und für die Produktzertifizierung VDZ Service GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Experte (w/m/d) Vertrags- und Nachtragsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
Fachhochschule Münster-Firmenlogo
Professur für "Antriebssysteme im Maschinenbau" (w/m/d) Fachhochschule Münster
Steinfurt Zum Job 
Pero AG-Firmenlogo
Sales Engineer (m/w/d) Pero AG
Königsbrunn, remote Zum Job 
Firmengruppe Max Bögl-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Planung Ingenieurbau Firmengruppe Max Bögl
Sengenthal Zum Job 
EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Anlagenbau / Umwelttechnik EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH
Viersen Zum Job 
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH-Firmenlogo
Senior Projektleiter TGA (m/w/d) Schwerpunkt Versorgungs-/Elektrotechnik INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH
Celle, Wolfsburg, Salzgitter Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Elektrotechnik als Projektleiter EMSR (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 

Die Elektronen treffen auf die Perovskit-Kristalle, die lediglich zehn Nanometer groß sind. Das Ergebnis: Die gebeugten Elektronen sammeln sich auf einem Schirm. Dabei überlagern sie sich entweder konstruktiv oder destruktiv. Das kommt auf die Position der Atome sowie der Beugungsrichtung an. Es ist vergleichbar mit einem Licht, das einen Doppelschlitz passiert hat. Die Überlagerung entsteht deshalb, weil Elektronen sich wie Wellen bewegen. Auf diese Art und Weise lassen sich Veränderungen in der Kristallstruktur messen, ganz gleich wie klein sie auch sein mögen.

Schnappschuss von Perovskit-Nanokristallen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstellten sogar einen Schnappschuss von der Kristallstruktur – und zwar während und nach der Absorbierung eines Photons. Diese Möglichkeit bietet die Strahllinie am SLAC als Besonderheit dadurch, dass man den Laser einerseits bei der Aussendung der Photonen verwendet und andererseits auch bei der Auslösung des Elektronenpulses. Dadurch ließ sich die relative Ankunftszeit der Photonen und der Elektronen an den Nanokristallen feststellen. Schließlich änderte sich die Strecke der Photonen. Die Schnappschüsse gaben den Forschenden nun Aufschluss über die Verformung des Kristallgitters und wie diese sich zeitlich entwickelt.

Das Ergebnis entsprach nicht den vorher getroffenen Annahmen der Forschenden. Sie waren nämlich davon ausgegangen, dass sich durch die Verformung des Kristallgitters die Symmetrie reduzieren würde. Doch genau das Gegenteil war der Fall: Die Symmetrie vergrößerte sich. Im Detail passierte Folgendes: Die angeregten Elektronen bogen die im Ursprung krumme Kristallstruktur des Perovskits wieder gerade. „Ein Verständnis des Ursprungs der Elektronen-Phononen-Kopplung wird es in Zukunft leichter machen, Perovskite mit bestimmten auf einzelne Anwendungen zugeschnittenen optischen Eigenschaften herzustellen“, erläutert Yazdani. In TV-Geräten zum Beispiel könnten sie diese Kopplung und so die spektrale Linienbreite des ausgesendeten Lichts senken. Die anziehende Wechselwirkung zwischen Elektronen ähnelt einem anderen Mechanismus – dem, der verlustfreien Stromfluss in Supraleitern ermöglicht. Es sei auch denkbar, diese Methode zur Verbesserung des Elektronentransports einzusetzen. Und das könne die Herstellung von Perovskit-basierten Solarzellen deutlich verbessern.

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.