Bizarre Szene in Gigafactory 13.08.2021, 15:48 Uhr

Elon Musk bekommt Lachanfall, als Armin Laschet ihm eine Frage stellt

CDU-Chef und Kanzlerkandidat Armin Laschet stellte Tesla-Chef Elon Musk eine Frage über die Zukunft von Autos. Der Dialog endete in einer wirklich bizarren Szene.

Tesla-Chef Elon Musk musste beim Gespräch mit CDU-Chef Armin Laschet herzhaft lachen. Foto/Archivbild: Tesla

Tesla-Chef Elon Musk musste beim Gespräch mit CDU-Chef Armin Laschet herzhaft lachen. Foto/Archivbild: Tesla

Klingt wie der Anfang eines Witzes – und endet auch so: Treffen sich Armin Laschet und Elon Musk in Grünheide. Sagt der Laschet: “What is the future of cars? Hydrogen or electric…” Die Reaktion des Tesla-Chefs und die anschließenden Erklärungsversuche des CDU-Chefs und Unions-Kanzlerkandidaten sorgen in sozialen Medien für Amüsement. 

Anlass des Treffens war ein Besuch von Tesla-Chef Elon Musk der Baustelle der geplanten Giga-Factory in Grünheide in Brandenburg nahe Berlin: Ein – nicht unumstrittenes – Mega-Projekt, um das sich im Vorfeld viele Bundesländer gerissen hatten, als es um die Standortfrage ging. Für die brandenburgische tendenziell eher strukturschwache Region bedeutet die Fabrik Einnahmen und Arbeitsplätze, so die Hoffnung. Tesla steht für viele als Symbol für Innovation, Zukunft und Wirtschaftskraft – für Politiker kann ein solcher Ortstermin vor zahlreichen Pressevertretern eine Chance sein, erst recht wenn sie im Wahlkampfmodus sind. So wie CDU-Chef Armin Laschet, der gern Bundeskanzler werden möchte. 

Elon Musk lacht lauthals über Frage von Armin Laschet

Allerdings nutzte er die Chance nur bedingt. Die Frage aus dem Publikum, ob denn nun eher das Wasserstoffauto oder das Elektroauto die Zukunft seien, gab Laschet in eigenen Worten an Musk weiter. Allerdings bekam er nicht, wie wohl erhofft, eine sachliche Antwort. Vielmehr unterbrach ihn Musk: “Definitely electric, hydrogen is a waste of time, obviously” – Wasserstoff ist offensichtlich Zeitverschwendung, erklärte der Tesla-Chef und lachte lauthals. Bemerkenswert war Armin Laschets Reaktion, der ins Deutsche wechselte und in Richtung der Medienvertreter erklärte: “Da ist ein Wissenschaftsstreit, das ist ein wissenschaftlichen Streit.” Aber gibt es den bei dieser Frage tatsächlich?

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Haben Wasserstoffautos Zukunft?

Geht es nach Elon Musk, ist die Antwort: Nein. Denn laut ihm ist das “alles Zeitverschwendung”. Elektroautos und der Batterietechnik gehöre die Zukunft. Doch stimmt das wirklich?

Wasserstoff ist ebenfalls ein fester Bestandteil der Mobilität der Zukunft. Dennoch setzen nahezu alle großen Autohersteller bei Elektroautos auf die Batterie als Energiespeicher und das ausschließlich. Daimler etwa will sich in Zukunft auf die alleinige Produktion von E-Autos und auch Ford hat erst jüngst das Kölner Werk zum neuen europäischen Zentrum für E-Autos gemacht. Ein Vergleich zwischen derartigen elektrischen Fahrzeugen und einem Antrieb mit Wasserstoff zeigt die möglichen Gründe: Ein neues Elektroauto bringt circa 70 bis 80 Prozent einer Kilowattstunde Strom als Antriebsleistung auf die Straß. Die Wasserstoffvariante verbraucht hingegen doppelt bis dreimal so viel Strom für die gleiche Strecke. Das ist unrentabel und wird Käufer wenig überzeugen. 

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Hier greift unmittelbar der nächste Punkt: der Wirkungsgrad. Wasserstoff kommt nicht natürlich vor, sondern muss via Elektrolyse erzeugt werden. Mithilfe von elektrischem Strom wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Der erzeugte Wasserstoff wird im Anschluss in der Regel in speziellen Lkw-Tanks zu den Tankstellen transportiert. Vier bis sechs Autos können mit einem Tank in der Stunde befüllt werden. Zwischen zwei Tankvorgängen muss zudem eine gewisse Zeit vergehen, da der Zapfhahn vereisen kann. Das liegt an dem großen Druckunterschied, der beim Betanken von Wasserstoffautos entsteht. 

Alles in allem kommen zum schlechten Wirkungsgrad hohe Kosten für die Infrastruktur hinzu. Die Anschaffungs- und Wartungskosten sind für ein Wasserstoffauto auch nicht zu verachten. Der Aufbau beider Fahrzeugtypen ähnelt sich, allerdings weist ein Wasserstoffauto noch eine komplexe Brennstoffzelle und einen speziellen Tank auf. 

Elon Musk hat Eigeninteresse – Reaktion Laschets mittelmäßig souverän

Dennoch darf man die Antriebsart nicht leichtfertig abschreiben. Wasserstoff hat eine Zukunft wahrscheinlich nicht im Pkw, sondern eher in Zügen oder in Lkw. Diese brauchen aufgrund ihres hohen Gewichts sehr viel Energie auf langen Strecken. Auf diesen hat die Batterie bei der Elektromobilität noch ihre Schwächen.

Ein Wissenschaftsstreit, wie Armin Laschet sagt, ist das also nicht, denn die Faktenlage ist klar. Vielmehr geht es um eine Debatte zwischen verschiedenen Interessengruppen.

Armin Laschet ergänzt entsprechend in Grünheide: „Teile der Autoindustrie investieren bei der Lkw-Produktion in Wasserstoff, und ich finde, das muss technologieoffen möglich sein.“

Was sich durchsetze, das würden uns „die klügsten Wissenschaftler, Forscher, Tüftler, Erfinder uns zeigen“, so der CDU-Kanzlerkandidat. 

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Klar ist aber auch: Jemand wie Elon Musk hat wenig Interesse daran, die Vorzüge von Wasserstoffautos zu loben. Tesla setzt nun mal auf eine andere Technologie. Die Reaktion Laschets wiederum auf die Spitze des Tesla-Chefs wirkte indes auf viele nicht eben souverän. 

Laschet fordert schnellere Genehmigungsverfahren

In anderen Punkten waren sich Armin Laschet und Elon Musk durchaus einig. So forderte der CDU-Chef mit Blick auf Projekte wie die Giga-Factory schnellere Genehmigungsverfahren und eine Veränderung der Verbandsklagerechte.

„Es ist nicht akzeptabel, dass jemand, der nicht als Anwohner hier betroffen ist, sondern an der Nordsee oder den Bayerischen Alpen lebt, eine Klage einreichen kann, um solche Projekte zu stoppen. Da müssen wir was ändern“, so Laschet.

Tesla-Giga-Factory: Sorge um Trinkwasser

Musk sagte seinerseits, es sei problematisch, wenn jedes Jahr neue Vorschriften erlassen würden und sie ein Niveau erreichten, dass man gar nichts mehr unternehmen könne. Hintergrund sind Verzögerungen beim Start der Tesla-Fabrik aufgrund diverser Genehmigungsverfahren. Tesla will rund 500.000 Autos im Jahr am Standort bauen. Die Produktion sollte eigentlich schon im Juli beginnen, jetzt steht eher das Jahresende als Termin im Raum. Der Autobauer plant auch eine Batteriefabrik, was das Genehmigungsverfahren wiederum verzögert: Bislang baut das Unternehmen mit vorzeitigen Zulassungen.

Tesla sei mit der Milliarden-Investition ein enormes Risiko eingegangen, so Armin Laschet. „Wenn die Genehmigung nicht erfolgt, müssen die hier alles wieder zurückbauen.“ Er setze sich dafür ein, dass Unternehmen innovative Industrieanlagen bauen könnten, ohne ein so gewaltiges Risiko eingehen zu müssen.

Die neue Fabrik war unter anderem immer wieder in die Kritik geraten, weil ungeheure Mengen Wasser in der Giga-Factory verbraucht werden. Kritiker warnen vor Gefahren für das Trinkwasser in einer der trockensten Regionen Deutschlands. Elon Musk wiegelte diesbezüglich bislang stets ab.

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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