Nachhaltige Chemie 14.08.2019, 07:00 Uhr

Kohlendioxid der Luft für Synthesen nutzen

Um die Klimaziele zu erreichen, müssen an erster Stelle Emissionen verringert werden. Wissenschaftler schlagen außerdem vor, das Gas als Kohlenstoffquelle für Synthesen zu nutzen. Ihr Verfahren befindet sich auf dem Weg zur Anwendung.

Versuchsanlage

Versuchsanlage zur elektrochemischen Herstellung von Ethen aus Kohlendioxid und Wasser.

Foto: Fraunhofer IGB

Mit dem Übereinkommen von Paris haben sich 55 Nationen darauf verständigt, den globalen Temperaturanstieg auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen. Als Vergleichswert ziehen sie das vorindustrielle Temperaturniveau heran. Staaten versuchen, die CO2-Emission über unterschiedliche Wege zu verringern.

Das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB schlägt als Ergänzung – nicht als Alternative – vor, bei der Herstellung von Industriechemikalien oder Treibstoffen CO2 zu nutzen. Solche Verfahren sind von der Theorie her längst bekannt. Um effizient zu arbeiten, mussten Forscher jedoch bessere Katalysatoren entwickeln.

Suche nach den besten Katalysatoren

Ein Beispiel: Methanol, der vielseitig nutzbare Ausgangsstoff, entsteht chemisch aus Kohlendioxid und Wasserstoff. Dabei eignet sich CO2 aus der Luft als Kohlenstoffquelle. Laut einer Studie der DECHEMA könnte man pro Tonne Methanol bis zu 1,5 Tonnen des Treibhausgases einsparen, wann man auf fossile Rohstoffe verzichtet. Und Wasserstoff wäre über die Wasserelektrolyse mit Solarstrom zugänglich: ein weiterer Pluspunkt der Synthesestrategie.

Um Prozesse effizient zu führen, arbeiten Ingenieure mit Katalysatoren. Diese Mischungen bestehen aus Edelmetallen, Metalloxiden und keramischen Trägern. Speziell bei der Methanolsynthese hat sich Kupfer bewährt. Es liegt als wasserlösliches Salz vor und wird durch chemische Fällung auf die weitere Verwendung vorbereitet. „Um bei der Katalysatorsynthese im industriellen Maßstab Energie, Zeit und Ressourcen einzusparen, haben wir das Verfahren für den kontinuierlichen Betrieb optimiert“, so Lénárd Csepei vom Fraunhofer IGB. Sein Verfahren arbeitet mit sogenannten stark eutektischen Lösungsmitteln, also Salzmischungen mit niedrigem Schmelzpunkt. Sie sind nicht flüchtig, was sich als weiterer Vorteil im Vergleich zu klassischen Lösungsmitteln erweist.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
TechnoCompound GmbH-Firmenlogo
Produktionsingenieur:in (m/w/d) TechnoCompound GmbH
Bad Sobernheim Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Abteilungsleitung Kläranlage Prozessführung Abwasser (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Zum Job 
Klinikum Leverkusen Service GmbH-Firmenlogo
Mitarbeiter (m/w/d) für das Bauprojektmanagement Klinikum Leverkusen Service GmbH
Leverkusen Zum Job 
Messe Berlin GmbH-Firmenlogo
Teamleiter:in (m/w/d) Einkauf für Bau- und Planungsleistungen Messe Berlin GmbH
Ruhrbahn GmbH-Firmenlogo
Referent (w/m/d) Multiprojektmanagement Ruhrbahn GmbH
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Professur für Elektrotechnik und Sensorik (W2) Hochschule für angewandte Wissenschaften München
München Zum Job 
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
Wissenschaftliche:r Koordinator:in der Graduiertenschule HITEC im Bereich Energie- und Klimaforschung (w/m/d) Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
Staatliches Hochbauamt Schwäbisch Hall-Firmenlogo
Gebäude- / Versorgungstechnikingenieur / Maschinenbauingenieur / Projektmanager Bau (w/m/d) Staatliches Hochbauamt Schwäbisch Hall
Schwäbisch Hall, Tauberbischofsheim, Niederstetten Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Projektleitung Großprojekte Wasserwerke (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 
HIC Consulting GmbH-Firmenlogo
Senior Projektleiter / Ingenieur Fernwärme (m/w/d) HIC Consulting GmbH
Hamburg, Linau Zum Job 
VDZ Service GmbH-Firmenlogo
Auditor (m/w/d) für die Validierung von Umweltmerkmalen und für die Produktzertifizierung VDZ Service GmbH
Düsseldorf Zum Job 
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
Sachverständige/-r (m/w/d) Explosionsschutz TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH
Frankfurt am Main-Höchst Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Experte (w/m/d) Vertrags- und Nachtragsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Grundsätze / Qualitätssicherung KIB Die Autobahn GmbH des Bundes
Hamm, Münster, Gelsenkirchen Zum Job 
Fachhochschule Münster-Firmenlogo
Professur für "Antriebssysteme im Maschinenbau" (w/m/d) Fachhochschule Münster
Steinfurt Zum Job 
Pero AG-Firmenlogo
Sales Engineer (m/w/d) Pero AG
Königsbrunn, remote Zum Job 
Staatliches Bauamt Nürnberg-Firmenlogo
Projektleitung (m/w/d) mit Schwerpunkt Bauleitung Staatliches Bauamt Nürnberg
Nürnberg Zum Job 
RATISBONA-Firmenlogo
Tiefbauplaner / Bauingenieur für Tiefbau & Außenanlagen (m/w/d) RATISBONA
Regensburg Zum Job 

Tests auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit

Im nächsten Schritt entwickelten Csepei und seine Kollegen ein Reaktorsystem. Es besteht aus vier röhrenförmigen Reaktionsgefäßen, um verschiedenen Reaktionsbedingungen parallel zu testen. Dazu gehören neben Druck und Temperatur vor allem unterschiedliche Gemische der Ausgangsstoffe.

Das Besondere am Testsystem: Unterschiedliche Reaktionsbedingungen oder Katalysatoren lassen sich im Hochdurchsatz testen – und in Echtzeit verfolgen. „Einer der wichtigsten Faktoren ist die möglichst hohe Ausbeute an gewünschtem Produkt“, erklärt Csepei. „Nebenprodukte sollen möglichst nicht entstehen.“ Denn das Ziel der Forscher ist, Verfahren auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu optimieren. Jeder Reinigungsschritt kostet Zeit und Geld.

Von der Grundlagenforschung zur Anwendung

Bei Ethen (Ethylen), einer weiteren Industriechemikalie, stellen die Forscher sogar einen sogar einen vollautomatisierten Prototyp vor. Sie entwickelten eine elektrochemische Zelle mit poröser Gasdiffusionselektrode und einem Katalysator. Kohlendioxid strömt durch das System. Dabei werden Elektronen übertragen, sprich CO2 wird reduziert. „Mit dieser Anlage produzieren wir auf 130 Quadratzentimetern Elektrodenfläche und mit eigenen Katalysatoren Ethen aus Kohlendioxid und Wasser in einem einzigen Schritt“, berichtet Carsten Pietzka vom Fraunhofer IGB. Solche Ergebnisse seien bislang nur im Labormaßstab mit Elektrodenflächen von wenigen Quadratzentimetern erzielt worden.

Lesen Sie auch:

Ab 2020 wollen die Forscher ihr Verfahren unter industrienahen Bedingungen evaluieren. Die Fraunhofer-Elektrolyseplattform in Leuna biete ihnen geeignete Rahmenbedingungen für weitere Experimente. Ziel ist, aus Wasser und Kohlendioxid in großem Rahmen Synthesegas herzustellen. CO2 wird aus der Luft durch Adsorption gewonnen. Im nächsten Schritt lässt sich das Synthesegas zu Methanol umsetzen. Für ihr Projekt „SynLink“ erhalten die Wissenschaftler eine Förderung vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Die Wertschöpfung berücksichtigen

Bei allen Experimenten spielen ökonomische Aspekte eine große Rolle. Chemikalien, die aus Kohlendioxid der Luft entstehen, werden nur mit petrochemischen Erzeugnissen konkurrieren, falls das Verfahren effizient ist, und falls kostengünstiger Strom zur Verfügung steht. Katalysatoren verbessern die Ausbeute und verringern die Aktivierungsenergie chemischer Reaktionen.

Neben Luft als Quelle des Emissionsgases eignen sich auch Branchen mit großer Emission als Standort. Damit auch kleine Betriebe mit geringem CO2-Ausstoß, etwa Biogasanlagen oder Brauereien, profitieren, modifizierten die Ingenieure ihr Verfahren teilweise. Methanol wird nicht abgetrennt, sondern biotechnologisch weiter umgesetzt. Mikroorganismen wandeln das Molekül in Milchsäure, Isopren, Polyhydroxybuttersäure oder Terpene als wertvolle organische Zwischenprodukte. Sie kommen in der pharmazeutischen Industrie oder in der Kunststoffindustrie zum Einsatz.

Mehr zum Thema:

Ein Beitrag von:

  • Michael van den Heuvel

    Michael van den Heuvel hat Chemie studiert. Unter anderem arbeitet er für Medscape, DocCheck, für die Universität München und für pharmazeutische Fachmagazine. Seit 2017 ist er selbstständiger Journalist und Gesellschafter von Content Qualitäten. Seine Themen: Chemie/physikalische Chemie, Energie, Umwelt, KI, Medizin/Medizintechnik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.