Aminosäure spielt Hauptrolle 28.11.2023, 10:10 Uhr

Formel für ein längeres Leben gefunden?

Forschende aus den USA haben herausgefunden, dass sich die Lebenserwartung von Mäusen um bis zu einem Drittel erhöht, wenn eine bestimmte Aminosäure reduziert wird. Da stellt sich die spannende Frage, ob sich das auf den Menschen übertragen lässt.

Isoleucin

Mäuse, die weniger Isoleucin zu fressen bekommen haben, lebten länger und waren gesünder.

Foto: Panthermedia.net/designer491

Eine kürzlich an Mäusen durchgeführte Studie zeigt, dass die Reduzierung einer bestimmten essenziellen Aminosäure den Alterungsprozess verlangsamt und die Lebensdauer erhöht. Forschende der University of Wisconsin fragen sich nun, ob diese Erkenntnisse auch beim Menschen zu einer höheren Lebenserwartung und besseren Lebensqualität führen könnten. Die Forschungsergebnisse hat das Team in der Zeitschrift Cell Metabolism veröffentlicht.

Isoleucin lässt uns schneller altern

Isoleucin, eine der drei verzweigtkettigen Aminosäuren, ist für den Aufbau von Proteinen in unserem Körper unentbehrlich. Obwohl es lebensnotwendig ist, kann unser Körper es nicht selbst herstellen. Daher müssen wir Isoleucin aus Nahrungsquellen wie Eiern, Milchprodukten, Sojaprotein und Fleisch aufnehmen.

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Es hat sich jedoch gezeigt, dass ein Überschuss dieser Aminosäure den Alterungsprozess beschleunigen kann. Forschungsergebnisse, die auf Daten einer 2016-2017 durchgeführten Umfrage unter Einwohnern von Wisconsin basieren, deuten darauf hin, dass der Isoleucinspiegel in der Nahrung mit der Stoffwechselgesundheit korreliert. Menschen mit einem höheren BMI nehmen tendenziell mehr Isoleucin zu sich.

Ernährungsumstellung mit großer Wirkung?

„Verschiedene Bestandteile der Ernährung haben einen Wert und eine Wirkung, die über ihre Funktion als Kalorie hinausgeht, und wir haben uns mit einem Bestandteil beschäftigt, von dem viele Menschen möglicherweise zu viel essen“, sagt der Stoffwechselforscher Dudley Lamming von der University of Wisconsin, USA, der an beiden Studien beteiligt war.

Lamming weiter: „Es ist interessant und ermutigend zu glauben, dass eine Ernährungsumstellung immer noch einen so großen Unterschied in der Lebensspanne und in dem, was wir ‚gesundheitsfördernd‘ nennen, ausmachen kann, selbst wenn sie näher an der Lebensmitte beginnt.“ Es besteht somit auch im mittleren Alter die Hoffnung, dass durch eine Ernährungsumstellung mit weniger Isoleucin-Aufnahme, noch die Kurve zu kriegen.

So lief die Studie mit den Mäusen ab

Eine Gruppe genetisch verschiedener Mäuse wurde mit drei unterschiedlichen Diäten ernährt: eine Standarddiät mit allen zwanzig üblichen Aminosäuren (Kontrolldiät), eine Diät mit einer um zwei Drittel reduzierten Menge aller Aminosäuren und eine Diät, bei der lediglich die Aminosäure Isoleucin in gleicher Weise reduziert wurde.

Zu Studienbeginn waren die Mäuse etwa sechs Monate alt, ein Alter, das einem 30-jährigen Menschen entspricht. Sie hatten freien Zugang zu ihrer jeweiligen Nahrung und konnten beliebig viel davon fressen.

Mäuse auf Isoleucin-Diät leben länger und sind fitter

Die Beschränkung von Isoleucin in der Nahrung verlängerte die Lebensdauer von Mäusen und verbesserte ihre Gesundheit. Männliche Mäuse, deren Isoleucinzufuhr eingeschränkt wurde, lebten 33 Prozent länger als Kontrollmäuse ohne diese Einschränkung; bei weiblichen Mäusen betrug der Anstieg 7 Prozent. Außerdem schnitten diese Mäuse in 26 Gesundheitstests besser ab, darunter Muskelkraft, Ausdauer und Blutzuckerspiegel.

Vor allem bei den männlichen Mäusen wurden weniger Prostatavergrößerungen und weniger Krebsgeschwülste festgestellt. Erstaunlich zudem: Trotz der höheren Kalorienaufnahme bei der isoleucinarmen Diät nahmen die Mäuse nicht zu. Im Gegenteil: Sie verbrannten mehr Energie und blieben schlanker, obwohl sich ihr Aktivitätsniveau nicht veränderte.

Lassen sich die Ergebnisse auf Menschen übertragen?

Forscher vermuten, dass eine Einschränkung der Isoleucinzufuhr beim Menschen – sei es durch die Ernährung oder durch Medikamente – ähnliche Anti-Aging-Effekte haben könnte. Mit Sicherheit lässt sich dies jedoch erst nach Studien am Menschen sagen, wie sie bei Versuchen mit Mäusen üblich sind.

Die Umsetzung dieser Erkenntnisse ist jedoch komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Obwohl die Ernährung der Mäuse streng kontrolliert wurde, weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass die menschliche Ernährung eine sehr komplexe chemische Angelegenheit ist. Es könnte auch andere Nahrungsbestandteile geben, die zu den beobachteten Ergebnissen beitragen.

Gibt keine universelle Lösung für alle

Wer jetzt schon von einem längeren und gesünderen Leben träumt, indem er einfach weniger Isoleucin zu sich nimmt, dem sollte klar sein, dass dies nicht so einfach funktioniert. Eine generelle Reduzierung der Proteinzufuhr kann sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen negative Auswirkungen auf den Organismus haben. Die Realität ist daher wesentlich komplexer.

Die Einschränkung der Aminosäuren war ein durchgängiges Merkmal in den Studien. Das Forschungsteam räumt jedoch ein, dass eine feinere Abstimmung der Ernährung erforderlich sein könnte, um bei verschiedenen Mäusestämmen und Geschlechtern optimale Ergebnisse zu erzielen. Dies unterstreicht, dass es keine universelle Lösung für die Ernährung gibt, die für alle gleich gut funktioniert.

„Wir können nicht einfach alle auf eine isoleucinarme Ernährung umstellen“, sagt Lamming. „Aber wenn wir diese Vorteile auf eine einzige Aminosäure eingrenzen, kommen wir dem Verständnis der biologischen Prozesse näher und können vielleicht auch beim Menschen eingreifen, etwa mit einem Isoleucin-blockierenden Medikament.“

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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