Sucht bekämpfen 21.08.2023, 12:02 Uhr

Gentherapie gegen Alkoholismus: Neue Studie zeigt ermutigende Ergebnisse

Unter Suchterkrankungen ist Alkoholismus eines der hinterhältigsten und gefährlichsten Probleme. Was wäre, wenn eine einzige Injektion dazu führen könnte, dass dieses Problem nahezu verschwindet? Ein Team von US-amerikanischen Forschenden hat eine Gentherapie an Affen mit ausgeprägten Alkoholgewohnheiten getestet. Mit vielversprechenden Ergebnissen.

Neuer Ansatz im Kampf gegen Alkoholismus: Gentherapie zeigt vielversprechende Ergebnisse bei Affen. Foto: PantherMedia / ronstik

Neuer Ansatz im Kampf gegen Alkoholismus: Gentherapie zeigt vielversprechende Ergebnisse bei Affen.

Foto: PantherMedia / ronstik

Forschende unter der Leitung von Kathleen Grant von der Oregon Health & Science University (OHSU) haben kürzlich herausgefunden, dass eine Gentherapie, die eigentlich für die Behandlung von Parkinson entwickelt wurde, eine signifikante Verringerung des Alkoholkonsums bei starken Trinkern bewirken kann. Das könnte eine Hoffnung für Alkoholsüchtige werden.

Obwohl die Studie bisher nur an Rhesusaffen durchgeführt wurde, sind die von den Forschern erzielten Ergebnisse äußerst überzeugend.

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Im Fachmagazin Nature Medicine wurden die Ergebnisse der Forschung veröffentlicht. Es wurde festgestellt, dass der Einsatz eines spezifischen Typs von Molekülen dazu führt, dass der Belohnungsweg im Gehirn zurückgesetzt wird. Allerdings erfordert dieser Eingriff eine Operation am Gehirn und könnte daher vorwiegend in extremen Fällen von Alkoholkonsumstörung im klinischen Umfeld Anwendung finden.

Alkoholkonsum ging um mehr als 90 Prozent zurück

Um die Forschung durchzuführen, haben Experten und Expertinnen von der Ohio State University und dem Oregon National Primate Research Center acht Rhesusaffen an eine Lösung mit vier Prozent Alkohol gewöhnt. Diese Tiere tranken täglich eine Menge Alkohol, die bei einem Menschen etwa acht bis zehn Drinks entsprechen würde. Nach mehreren Monaten intensiver Abhängigkeit unterzogen die Forschenden alle Tiere einem chirurgischen Eingriff am Gehirn.

Vier der Affen erhielten eine Gentherapie, die an einer spezifischen Stelle im Mittelhirn platziert wurde. Das Ziel ist, die Produktion von Dopamin zu erhöhen, da die Konzentration dieses Botenstoffs bei schweren Alkoholabhängigen verringert ist.

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Die anderen vier Affen wurden als Kontrollgruppe verwendet und erhielten an derselben Stelle lediglich eine sterile Salzlösung, berichtet die NZZ.

Langanhaltende Wirkung nachgewiesen

Bei vier Affen, die den Eingriff durchlaufen hatten, stellten die Forscher fest, dass ihr Konsum im Vergleich zu einer Kontrollgruppe um mehr als 90 Prozent zurückging.

„Das war unglaublich effektiv“, kommentierte Mit-Autorin der Studie Kathleen Grant, Ph.D., Professorin und Leiterin der Abteilung für Neurowissenschaften am Oregon Primate National Research Center der OHSU die erzielten Ergebnisse. „Die Affen, die mit diesem Gen behandelt wurden, begannen dauerhaft, Dopamin überzuproduzieren, und sie verringerten ihren Konsum erheblich“, sagte Grant.

Der Konsum sei fast auf null zurückgegangen. Monatelang wählten diese Tiere Wasser und vermieden es vollständig, Alkohol zu trinken. „Sie reduzierten ihren Konsum so stark, dass wir keinen Blutalkoholspiegel aufzeichneten“, so die Forscherin weiter.

Die Forscher sind besonders erfreut darüber, dass die einmalige Gentherapie eine langanhaltende Wirkung gezeigt hat. Die behandelten Rhesusaffen behielten über die gesamte einjährige Dauer der Studie ihr moderates Trinkverhalten bei. Während dieser Zeit haben die Forschenden mehrmals das Trinkangebot für die Tiere verändert. So konnten die Affen eine Zeit lang dann frei zwischen Alkohol und Wasser wählen. Diese Vorgehensweise spiegelt das Trinkverhalten vieler Alkoholabhängiger wider: Nach einer Phase der durch Therapie bedingten Abstinenz kommt es zu einem Rückfall in die Krankheit.

Verbesserte Funktion von Neuronen im Gehirn

Außerdem haben die Forschenden eine verbesserte Funktion von Neuronen im Gehirn gemessen, die Dopamin synthetisieren.

„Dopamin ist an der Verstärkung von Verhalten beteiligt und daran, dass Menschen bestimmte Dinge angenehm finden“, erklärte Grant. „Akuter Alkoholkonsum kann die Dopaminproduktion steigern. Wenn jedoch chronisch getrunken wird, passt sich das Gehirn so an, dass die Freisetzung von Dopamin abnimmt. Daher empfinden Menschen, die abhängig von Alkohol sind, beim Trinken nicht wirklich mehr Freude. Es scheint, als trinken sie mehr, weil sie das Bedürfnis haben, einen berauschten Zustand aufrechtzuerhalten.“

Wie ZDF berichtete, leiden etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland unter Alkoholabhängigkeit. Viele Menschen erkennen dies jedoch erst, wenn es bereits zu spät ist.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Redakteurin beim VDI-Verlag. Nach einem Journalistik-Studium an der TU-Dortmund und Volontariat ist sie seit mehreren Jahren als Social Media Managerin, Redakteurin und Buchautorin unterwegs.  Sie schreibt über Karriere und Technik.

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