Zwei Gramm leicht 10.03.2014, 15:54 Uhr

Mini-EKG unter der Haut überwacht dauerhaft die Herztätigkeit

Vier Millimeter dick und vier Zentimeter lang ist ein Gerät, das drei Jahre lang die Herztätigkeit überwachen kann. Damit lassen sich auch Krankheiten feststellen, die nur sporadisch auftreten. Jetzt haben Mediziner dieses kleinste EKG-Gerät der Welt den ersten Patienten in Deutschland eingepflanzt.

Derzeit werden in Deutschland die ersten Mini-EKG eingesetzt, die nur zwei Gramm wiegen und dauerhaft die Herztätigkeit überwachen.

Derzeit werden in Deutschland die ersten Mini-EKG eingesetzt, die nur zwei Gramm wiegen und dauerhaft die Herztätigkeit überwachen.

Foto: Medtronic

Vor zehn Jahren präsentierte das US-Unternehmen Medtronic das erste implantierbare EKG, also ein Gerät, das die Herztätigkeit kontinuierlich über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren aufzeichnet. Damals war es noch so groß wie eine Kinderfaust.

Derzeit werden in Deutschland die ersten Mini-EKG implantiert, die diese Bezeichnung wirklich verdienen. Sie sind vier Zentimeter lang, vier Millimeter dick und gerade mal zwei Gramm schwer. Vergangene Woche erhielt eine Frau im bayrischen Aichach ein solches EKG eingepflanzt, zuvor wurde die erste Operation dieser Art am Universitätskrankenhaus in Eppendorf durchgeführt.

Minigeräte sind leistungsfähiger als große Vorgängermodelle

Trotz ihrer Winzigkeit leisten die Geräte eher noch mehr als die größeren Vorgängermodelle. Das Gerät namens Reveal Linq zeichnet die Herzströme auf und sendet die Herzdaten drahtlos an einen Empfänger, der im Raum liegt oder sich am Patienten befindet. In Verbindung mit einem Mobilfunksender können die Messergebnisse ständig an eine Zentrale übermittelt werden, die bei Gefahr für den Patienten dessen Arzt alarmiert.

EKG-Messung im Labor: Jetzt gibt es ein 2 Gramm leichtes Mini-Gerät, das in den Körper eingepflanzt wird und laufend die Herzfrequenz misst und drahtlos übermittelt.

EKG-Messung im Labor: Jetzt gibt es ein 2 Gramm leichtes Mini-Gerät, das in den Körper eingepflanzt wird und laufend die Herzfrequenz misst und drahtlos übermittelt.

Quelle: m2m Germany

Reveal Linq wird unter örtlicher Betäubung innerhalb von wenigen Minuten unter die Haut im linken Brustbereich geschoben. Sichtbar ist es dann nur noch als kleine Ausbuchtung.

Patienten, deren Herz in unregelmäßigen Abständen rast, zu langsam schlägt oder gar aussetzt, kann man mit herkömmlichen Langzeit-EKG kaum helfen. Sie erfassen die Werte allenfalls wenige Wochen lang. Trotz aller Fortschritte sind diese Geräte, die die Herzströme auf der Haut erfassen, lästig. „Leider treten so genannte Arrhythmien oft nur unregelmäßig auf oder in großen zeitlichen Abständen. Eine Untersuchung mit einem Langzeit-EKG zeigt deshalb häufig keine Auffälligkeit an, eine gezielte Diagnose ist schwer“, sagte Christian Glöckner, Leitender Oberarzt der Abteilung für Innere Medizin an der Asklepios-Klinik Burglengenfeld, dem „Wochenblatt“ in Schwandorf. Glöckner gehört zu den ersten Ärzten in Deutschland, die das neueste implantierbare EKG einsetzen.

Bessere Heilungschancen durch Mini-EKG

Mit dem Gerät bekommen die Kardiologen Informationen darüber, welche Ursache beispielsweise Schwindelanfälle oder gar Ohnmachten haben. Wenn sich so das Herz als Urheber entlarven lässt, können die Ärzte gezielt Gegenmaßnahmen einleiten. Oft genügen schon Medikamente, um weitere Ereignisse dieser Art zu verhindern.

Reveal Linq besteht aus lauter nicht-magnetischen Werkstoffen, sodass sogar Magnetresonanzuntersuchungen problemlos möglich sind. Nach drei Jahren wird das Gerät entfernt und bei Bedarf durch ein neues ersetzt. Ein solcher Eingriff, den die Krankenkasse bezahlt, kostet knapp 3000 Euro.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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