Schlafmohn wird überflüssig 25.05.2015, 07:33 Uhr

Genveränderte Bierhefe macht aus Zucker Morphium

Fluch oder Segen? Gentechnisch veränderte Bierhefe kann tatsächlich aus Zucker die Grundsubstanz für Morphium herstellen. Das haben US-Forscher herausgefunden. Die Produktion im Labor ohne Schlafmohn ist damit in greifbare Nähe gerückt.

Bislang ist Schlafmohn der Lieferant von Reticulin – die Grundsubstanz des Morphiums. US-Forscher haben einen Weg gefunden, diese Aufgabe von Bierhefe erledigen zu lassen.

Bislang ist Schlafmohn der Lieferant von Reticulin – die Grundsubstanz des Morphiums. US-Forscher haben einen Weg gefunden, diese Aufgabe von Bierhefe erledigen zu lassen.

Foto: Zucchi Uwe/dpa

Noch werden Schmerzmittel wie Morphin, Codein und Co. aus dem Saft des Schlafmohns gewonnen. Hunderttausende Tonnen Schlafmohn werden jährlich verarbeitet. Doch jetzt haben Forscher der University of California in Berkeley erstmals Reticulin – die Grundsubstanz für das Morphin – aus gentechnisch veränderter Bierhefe gewonnen. Dazu fügten sie der Hefe Enzyme aus der Zuckerrübe bei.

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Massenproduktion im Labor rückt in greifbare Nähe

Dieser Schritt zum Reticulin ist entscheidend, denn von da an sind die molekularen Schritte zur Herstellung von Codein und Morphium nur noch Formsache. Die Massenproduktion im Labor rückt daher in greifbare Nähe. „Mit unserer Studie sind nun alle Schritte beschrieben, und es geht nur noch darum, sie zusammenzubringen und die Produktion aufzustocken“, sagt Biologe John Dueber von der Universität von Kalifornien in Berkeley.

Genmodifizierte Hefepilze produzieren in einem Versuch von Wissenschaftlern in Berkeley, USA, ein gelbes Enzym. Mit der Hefe könnte theoretisch Jedermann Opiate ohne viel Aufwand in der heimischen Küche brauen.

Genmodifizierte Hefepilze produzieren in einem Versuch von Wissenschaftlern in Berkeley, USA, ein gelbes Enzym. Mit der Hefe könnte theoretisch Jedermann Opiate ohne viel Aufwand in der heimischen Küche brauen.

Quelle: William DeLoache/UC Berkeley/dpa

Zwar gestehen die Forscher ein, dass die Wirkstoffausbeute bislang noch sehr gering ist. Doch schon in wenigen Jahren soll das Verfahren marktreif sein.

Hefestämme dürfen Drogenproduzenten nicht in die Hände fallen

Doch die Forscher warnen auch vor einer illegalen Produktion. Im Prinzip könnte jeder mit Zugang zu diesem Hefestamm und grundlegenden Kenntnissen der Fermentation die morphinproduzierende Hefe zuhause züchten. Daher fordern Kritiker, die neuen Hefestämme zu überwachen und sie nur Forschern zur Verfügung zu stellen, die über eine entsprechende Lizenz verfügen.

Weltweit konsumieren derzeit 16 Millionen Menschen Opiate wie Morphium illegal. Der Schlafmohn wird größtenteils in Afghanistan, Mexiko, Laos und Myanmar angebaut. Die neue Herstellungstechnik könnte zu fallenden Preisen führen und Menschen den Zugang zur Droge erleichtern, befürchten Kritiker.

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