Stammzellenforschung 04.11.2014, 11:30 Uhr

Amputierte Glieder sollen nachwachsen können

Es klingt phantatistisch und soll doch real werden: Mit einem über 25 Jahre laufenden und mehr als 75 Millionen Euro teuren britisch-amerikanischen Forschungsprogramm werden jetzt die Möglichkeiten untersucht in nicht allzu ferner Zukunft, amputierte menschliche Körperglieder wie einen Arm oder ein Bein, nachwachsen zu lassen. 

Die britische Fußball-Legende Sir Bobby Charlton sammelt über das Hilfsprojekt „Find a better way“ Gelder für wegweisende Forschungsvorhaben ein. Sie sollen vor allem Kriegsverletzten zugute kommen. Charlton richtete dieses Projekt ein, nachdem er 2011 Minenfelder in Kambodscha besucht hatte.

Die britische Fußball-Legende Sir Bobby Charlton sammelt über das Hilfsprojekt „Find a better way“ Gelder für wegweisende Forschungsvorhaben ein. Sie sollen vor allem Kriegsverletzten zugute kommen. Charlton richtete dieses Projekt ein, nachdem er 2011 Minenfelder in Kambodscha besucht hatte.

Foto: Find a better way

Bei dem bereits angelaufenen Forschungsprojekt handelt es sich um eine Zusammenarbeit zwischen dem Londoner Imperial College und dem amerikanischen Georgia Institute of Technology. „Wir wollen in den nächsten 25 Jahren in der Lage sein, ein verlorenes menschliches Glied gänzlich regenerieren zu können“, erläuterte Professor Anthony Bull vom Imperial College in London gegenüber der BBC. „Wir glauben, das wir das in dem genannten Zeitraum erreichen können.“ Forscher der Londoner Universität sind der Meinung, sie könnten das biologische und mechanische Umfeld im Zusammenhang mit der Stammzellenforschung besser als bisher nutzen, um Gewebe zu reparieren und regenerieren.

Regenerationsfähigkeit des Menschen steigern

Die Regenerative Medizin, die auf die Selbstheilungskräfte des Körpers setzt, um Erkrankungen und Verletzungen zu behandeln, ist nicht neu. Sie wird bereits zur Behandlung von Brandwunden angewendet, hilft gebrochene Knochen schneller zu heilen und wird bei der  Herzklappenreparatur eingesetzt. Die Forschung auf diesem Gebiet bringt inzwischen bemerkenswerte medizinische Fortschritte mit der Aussicht auf verbesserte Diagnosemethoden und Krankheitsprävention sowie die Entwicklung neuer Behandlungsmögichkeiten von Krankheiten und Verletzungen. Das jetzt ins Leben gerufene Projekt soll die Forschung allerdings auf eine völlig neue Ebene heben. 

Ausbau vorhandener Technik

Bei der Regeneration eines Körperglieds werden verschiedene Stufen durchlaufen, die von einem Gelenk zum nächsten führen: Nach einer Knie-Amputation werden künstliche Gelenkgewebe wie Knochen und Knorpel gefüllt mit regenerativen Wirkstoffen im Knie gebildet, um mit anderen bereits vorhandenen Geweben zusammenzuwirken. Der Oberschenkelmuskel verbindet sich dann selbst mit dem neuen Gewebe, um so wieder normale Funktionen zu verrichten. Sobald das Körperglied wieder normal funktioniert, ist eine weitere Operation notwendig um den Knochen zu verlängern und das Hautgewebe zu füllen, was das Wachstum des Glieds ermöglichen soll. Allerdings ist immer noch eine Fußgelenk- und Fußprothese notwendig. Langfristig besteht die Hoffnung, dass auch letztere nachwachsen können.

Wichtiger Spendensammler: die britische Fußball-Legende Sir Bobby Charlton

Hinter dem ehrgeizigen Projekt steht die britische Fußball-Legende Sir Bobby Charlton. Charlton sammelt schon seit vielen Jahren Spenden und spendet selbst in vielfältiger Weise für gute Zwecke. „Ich werde oft um Spenden gebeten, und ich gebe auch viel, weil ich es für wichtig halte“, sagte jüngst der zum britischen Weltmeister-Team von 1966 gehörende Charlton.

In etwa 25 Jahren wollen britische und amerikanische Forscher auf Basis der Stammzellenforschung so weit sein, Gliedmaßen nach einer Amputation wieder nachwachsen lassen zu können. Prothesen wie diese wären dann überflüssig.

In etwa 25 Jahren wollen britische und amerikanische Forscher auf Basis der Stammzellenforschung so weit sein, Gliedmaßen nach einer Amputation wieder nachwachsen lassen zu können. Prothesen wie diese wären dann überflüssig.

Foto: dpa

Er ist ständig auf Achse und besucht von Kriegen zerstörte Länder oder auch Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen. Seine eigenen humanitären Pläne verwirklicht er inzwischen vornehmlich in dem Hilfsprojekt „Find a better way“ mit dem Gelder für wegweisende Forschungsvorhaben gesammelt werden sollen. Charlton richtete dieses Projekt ein nachdem er im Jahre 2011 Minenfelder in Kambodscha besucht hatte und erkannte, dass es heute mit Hilfe des technologischen Fortschritts bessere Wege gibt, um das Leben der Betroffenen zu verbessern.

Von Peter Odrich

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