Gigantische Mosaikwand unter den Trajansthermen in Rom entdeckt
Neue Funde unter Roms Trajansthermen: Ein älterer Prachtbau mit Mosaiken und Marmor lag jahrhundertelang unter der riesigen Thermenanlage.
Das monumentale Wandmosaik unter den Trajansthermen gehörte zu einem älteren Gebäudekomplex aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Die freigelegten Bildfelder zeigen Architektur- und Stadtmotive; weitere Bereiche der Dekoration werden derzeit noch untersucht.
Foto: picture alliance/dpa | Robert Messer
Unter den Trajansthermen in Rom sind neue Teile eines fast 2000 Jahre alten Vorgängerbaus freigelegt worden. Archäologen stießen auf eine weitere Zone eines monumentalen Wandmosaiks, Reste großer Marmorplatten und eine 2,20 m hohe Nische. Der reich ausgestattete Raum existierte schon, bevor Kaiser Trajan darüber eine der größten Thermenanlagen Roms errichten ließ.
Die Trajansthermen auf dem Colle Oppio wurden im Jahr 109 n. Chr. eröffnet. Rund 60.000 m² groß war die Anlage, die Apollodor von Damaskus für Kaiser Trajan entworfen haben soll. Gebaut wurde allerdings nicht auf freiem Gelände. Unter der neuen Therme lagen bereits ältere Bauwerke, darunter Räume aus dem Umfeld der Domus Aurea Kaiser Neros. Beim Bau der Thermen wurden solche Strukturen überbaut und teilweise in die neue Anlage integriert.
Wie ausgefeilt die Heizungs-, Wasser- und Bautechnik römischer Thermen war, zeigt ein eigener Beitrag auf ingenieur.de. Bei den Trajansthermen kommt nun eine weitere Facette hinzu: Die heute unterirdischen Räume machen sichtbar, wie Rom schon vor fast 2000 Jahren auf älterer Bausubstanz weiterbaute.
Ein Mosaik setzt sich weiter nach unten fort
Der aktuelle Anlass ist der Abschluss von Restaurierungs- und Grabungsarbeiten an der südwestlichen Exedra und der darunterliegenden Galerie. Die römische Denkmalbehörde stellte die Ergebnisse am 8. September 2026 vor.
Bekannt waren dort bereits zwei außergewöhnliche Dekorationen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.: das Fresko „Città Dipinta“ und das sogenannte „Grande Mosaico“. Beide sind älter als die Trajansthermen.
Die „Città Dipinta“ nimmt etwa 10 m² ein und zeigt aus der Vogelperspektive eine von Mauern und Türmen umgebene Stadt. Das große Mosaik schmückte dagegen die Wand eines großzügigen Saals, an den ein Nymphäum anschloss.
Trajansthermen: Was liegt eigentlich übereinander?
- 1. Jahrhundert n. Chr.: Auf dem späteren Thermengelände stehen bereits ältere Gebäude mit aufwendiger Wanddekoration.
- 109 n. Chr.: Kaiser Trajan lässt darüber eine der größten Thermenanlagen Roms errichten.
- Erhalten geblieben: Fresken, ein monumentales Wandmosaik, Reste von Marmorverkleidungen und eine rund 2,20 m hohe Nische.
- Raumhöhe: Die reich ausgestatteten Wände des älteren Gebäudes dürften ursprünglich etwa 12 m hoch gewesen sein.
- 2026: Neue Teile des Mosaiks werden freigelegt, die unterirdischen Bereiche restauriert und für einen begrenzten Besucherbetrieb vorbereitet.
Die jüngsten Grabungen zeigen nun, dass die Mosaikdekoration weiter nach unten reicht als bislang bekannt. Freigelegt wurde eine zusätzliche Zone mit einer Küsten- oder Hafenstadt. Zu sehen sind Gebäude, die vermutlich am Meer standen und an die in der römischen Kunst bekannten Darstellungen von „Meeresvillen“ erinnern.
Noch tiefer kamen Reste einer Wandverkleidung aus großen Marmorplatten zum Vorschein. In der Mitte der Wand fanden die Archäologen außerdem eine rund 2,20 m hohe, ebenfalls mit Marmor ausgestattete Nische.
Der Raum war rund 12 m hoch
Die neuen Funde helfen dabei, die ursprünglichen Dimensionen des Raums besser zu rekonstruieren. Bislang sind etwa 5 m Höhe der mit Mosaiken geschmückten Wand freigelegt. Aus den neuen Befunden schließen die Fachleute, dass die reich dekorierten Wände ursprünglich ungefähr 12 m hoch gewesen sein dürften.
Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Wandmosaiken dieser Größenordnung deutlich seltener sind als die bekannten römischen Bodenmosaike. Die Dekoration ist in mehrere Register gegliedert und bildet unter anderem eine monumentale Architekturkulisse mit Figuren nach.
Welche konkrete Stadt die Darstellungen zeigen, ist bislang nicht geklärt. Auch sollte man Fresko und Mosaik nicht vermischen: Die „Città Dipinta“ zeigt eine befestigte Stadt, während die neu entdeckte Zone des Mosaiks eine maritime Szenerie wiedergibt.

Ein älteres Gebäude verschwand unter der Therme
Das eigentlich Spannende aus bauhistorischer Sicht ist die Lage der Räume. Das Gebäude mit seinen aufwendigen Wanddekorationen entstand in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. – also Jahrzehnte vor den Trajansthermen. Als Trajan seine gewaltige Badeanlage errichten ließ, wurde die ältere Bebauung teilweise überbaut und in den neuen Komplex einbezogen.
Diese Schichtung hat Teile der älteren Ausstattung erhalten. Was damals aus dem Stadtbild verschwand, liegt heute unter der Thermenanlage.
Die genaue Funktion des Vorgängerbaus ist allerdings noch nicht abschließend geklärt. Deshalb wäre es zu weitgehend, ihn einfach der Domus Aurea zuzuschlagen. Sicher ist lediglich, dass die Trajansthermen ältere Strukturen einschlossen, darunter nach Angaben der Denkmalbehörde auch Räume der Palastanlage von Kaiser Nero.
Fachleute testeten das Gewölbe mit Lasten
Bevor Besucher in die restaurierten Bereiche dürfen, ging es nicht nur um Mosaike und Wandmalereien. Auch die Konstruktion wurde untersucht. An der etwa 30 m breiten Exedra führten Fachleute Untersuchungen zur strukturellen und seismischen Verwundbarkeit durch. Dazu gehörten auch Belastungsversuche am Gewölbe der darunterliegenden Galerie.
Solche Untersuchungen sollen zeigen, wie sich das historische Mauerwerk unter Belastung verhält und ob zusätzliche Sicherungsmaßnahmen nötig sind. Gerade bei einem Bauwerk, das künftig wieder regelmäßig von Menschen betreten wird, reicht der Blick auf sichtbare Schäden allein nicht aus.
Für Besucher wurde zudem eine neue Passerelle über dem Bereich des großen Mosaiks eingebaut. Weitere Arbeiten betrafen Wege, Beleuchtung und die Erschließung zwischen oberer Exedra und unterirdischer Galerie.

Auch Bleirohre der antiken Wasserversorgung sind erhalten
In einem angrenzenden dreieckigen Raum befinden sich außerdem sogenannte fistulae: Bleirohre aus dem antiken Wasserversorgungssystem der Thermen. Sie erinnern daran, welche technischen Dimensionen solche Anlagen besaßen. Römische Großthermen benötigten nicht nur riesige Mengen Wasser, sondern auch Leitungen, Becken, Abflüsse und komplexe Heizsysteme.
Genau diese Technik steht im Mittelpunkt des bereits erwähnten ingenieur.de-Beitrags über römische Thermen als Technikwunder der Antike.
Warum zunächst nur 15 Menschen hinein dürfen
Mit der Restaurierung beginnt zugleich ein vorsichtiger Testbetrieb. Ab dem 12. September sollen die unterirdische Galerie und die Exedra zunächst nur an ausgewählten Tagen und in kleinen Gruppen geöffnet werden. Pro Führung sind maximal 15 Personen vorgesehen.
Der Grund liegt nicht allein in den engen Räumen. Schon eine kleine Besuchergruppe kann in einem unterirdischen Bereich Temperatur und Luftfeuchtigkeit verändern. Die Denkmalbehörde will deshalb zunächst beobachten, welchen Einfluss der Publikumsverkehr auf Fresko und Mosaik hat.
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