450 m Großrohre und neue Filter: Dresden baut Wasserwerk Hosterwitz aus
Im Wasserwerk Hosterwitz entstehen eine neue Filterhalle und 450 m Großrohre. So bereitet Dresden künftig mehr Elbwasser auf.
Rohbau der neuen Flusswasserfilterhalle im Wasserwerk Hosterwitz mit Betonbecken, Schalungen, Gerüsten und Baukränen.
Foto: Echterhoff
Rohre bis DN 1000, acht neue Schächte und eine zweite große Filterhalle: Im Osten Dresdens wird das Wasserwerk Hosterwitz erweitert. Die Arbeiten finden auf einem Gelände statt, auf dem seit mehr als einem Jahrhundert Wasser aufbereitet wird. Neue Leitungen treffen dort auf bestehende Rohre, alte Fundamente und technische Anlagen. Ab Mitte 2027 soll die neue Filterhalle in Betrieb gehen.
Das Wasserwerk Hosterwitz liegt unmittelbar an der Elbe. Es wurde am 11. Dezember 1908 eröffnet und seitdem mehrfach erweitert und umgebaut. Heute nutzt die Anlage vor allem Grundwasser und Uferfiltrat aus dem Elbtal. Bei Bedarf kann zusätzlich Elbwasser voraufbereitet und zur künstlichen Grundwasseranreicherung genutzt werden.
Die Kapazität des gesamten Wasserwerks gibt SachsenEnergie mit bis zu 72.000 m³ Trinkwasser pro Tag an. Nun kommt eine weitere Aufbereitungsanlage hinzu.
Inhaltsverzeichnis
- 31.000 m³ zusätzliche Filterkapazität pro Tag
- Was passiert mit dem Elbwasser in der Filterhalle?
- Das Wasser verschwindet wieder im Boden
- 450 m neue Rohrleitungen
- Bauen zwischen alten Leitungen und Fundamenten
- Warum die Großrohre innen mit Tonerdezement ausgekleidet werden
- Die neue Halle wird keine exakte Kopie
- Parallel entsteht ein eigenes Wassersystem für Dresdens Chipindustrie
31.000 m³ zusätzliche Filterkapazität pro Tag
Direkt neben der bestehenden Flusswasserfilterhalle entsteht derzeit ein weitgehend baugleiches Gebäude. Mit dem Neubau erweitert SachsenEnergie die Filterkapazität am Standort um zusätzliche 31.000 m³ pro Tag. Wichtig zur Einordnung: Diese Ziffer beschreibt die reine Leistung der neuen Halle und lässt sich nicht direkt auf die Gesamtkapazität des Wasserwerks aufrechnen, da hier unterschiedliche Stufen der Aufbereitung betrachtet werden.
Da die Kapazitäten der bisherigen Filterhalle für die anstehenden Erweiterungen nicht mehr ausreichen, erhält sie nun einen „Zwilling“ – so beschrieb SachsenEnergie-Vorstand Frank Brinkmann das Projekt bei der Grundsteinlegung.
Der Startschuss für den Tiefbau fiel im September 2024 mit dem Aushub der Baugrube. Der Rohbau wurde bis Mitte 2026 weitgehend fertiggestellt. Im Anschluss folgen die elektrotechnische und verfahrenstechnische Ausrüstung sowie die schrittweise Inbetriebnahme. Verläuft alles nach Plan, geht die neue Filterhalle Mitte 2027 ans Netz.
Was passiert mit dem Elbwasser in der Filterhalle?
Die neue Halle ist Teil der Voraufbereitung. Aus dem Elbwasser wird dort noch kein fertiges Trinkwasser. Zunächst wird dem Flusswasser ein Flockungsmittel zugesetzt. Kleine Schwebstoffe verbinden sich dadurch zu größeren Flocken. Ein Teil davon kann anschließend in Sedimentationsbecken absinken und entfernt werden. Danach folgt die eigentliche Filtration.
Die Filter bestehen aus großen Betontrogen. Nach Angaben von SachsenEnergie sind sie jeweils rund 15 m lang, 4 m breit und 6 m hoch. Im Inneren liegen Schichten aus Sand und Hydroanthrazit. Das Wasser strömt von oben durch das Material, weitere Trübstoffe bleiben darin zurück.
Die Voraufbereitung folgt damit vereinfacht drei Schritten:
Flockung → Sedimentation → Filtration
Damit ist die Aufbereitung aber noch nicht abgeschlossen.
Das Wasser verschwindet wieder im Boden
Eine Besonderheit von Hosterwitz ist die Verbindung technischer Aufbereitung mit natürlichen Prozessen. Voraufbereitetes Elbwasser kann über Infiltrationsanlagen in den Untergrund versickern. Bei der Bodenpassage wird es weiter gereinigt. Das Wasserwerk fördert anschließend Grundwasser und Uferfiltrat und bereitet dieses weiter zu Trinkwasser auf. SachsenEnergie nennt für Hosterwitz deshalb Grundwasser, Uferfiltrat und bei Bedarf aufbereitetes Elbwasser als Rohwasserquellen.
Ein ähnliches Grundproblem gibt es auch an anderer Stelle: Wie lässt sich zusätzliche Trinkwasserreserve schaffen, wenn die bisherigen Quellen nicht mehr ausreichen? An der Kinzigtalsperre in Hessen soll deshalb eine bislang vor allem dem Hochwasserschutz dienende Talsperre künftig zusätzlich Rohwasser für die Trinkwasserversorgung liefern. ingenieur.de hat über den geplanten Umbau berichtet.
450 m neue Rohrleitungen
Für die neue Filterhalle müssen auch die Leitungen auf dem Wasserwerksgelände erweitert werden. Rund 450 m neue Rohrleitungen aus duktilem Gusseisen sind nach Angaben des beteiligten Bauunternehmens Echterhoff vorgesehen. Die Nennweiten betragen DN 800 und DN 1000. Die größten Leitungen liegen damit in einer Größenordnung von rund einem Meter.
Hinzu kommen acht Umbindepunkte zu vorhandenen Leitungen und acht Betonschächte DN 2000 für die Spülabwasserleitungen. Allein für den Rohrleitungsbau sollen rund 4500 m³ Boden bewegt werden. Die neuen Rohre transportieren nicht nur Wasser zur Filterhalle. Auch Spül- und Prozesswasser, das bei der Reinigung der Filter anfällt, muss abgeführt werden.
Bauen zwischen alten Leitungen und Fundamenten
Auf einer freien Fläche wären 450 Meter Rohrleitung vergleichsweise überschaubar. Im Wasserwerk Hosterwitz sieht die Realität allerdings völlig anders aus: Im Untergrund trifft das Bauteam auf eine historisch gewachsene Infrastruktur mit zahllosen Altleitungen, alten Fundamentresten und bestehenden technischen Anlagen.
Jeder Rohrgraben und jede Baugrube muss deshalb mit höchster Präzision in das Bestandssystem eingepasst werden – teils klassisch geböscht, teils mit Trägerbohlwänden gesichert.
Besonders anspruchsvoll sind die Einbindungen in die bestehenden Hauptleitungen. Ein zentraler Meilenstein konnte hierbei Anfang 2026 erfolgreich abgeschlossen werden: Zwischen Januar und März wurden die neuen Leitungsabschnitte an die mächtigen Hauptleitungen DN 800 und DN 1000 angebunden.
Zum Einsatz kamen dabei passgenau vormontierte Flanschformstücke, die über Vorschweißflansche direkt in das bestehende Netz integriert wurden. Eine zusätzliche Herausforderung während der gesamten Phase war die verlässliche Wasserhaltung in den Baugruben – und das unter extremem Zeitdruck, da der Wiederinbetriebnahmetermin des Wasserwerks Ende März punktgenau eingehalten werden musste.

Warum die Großrohre innen mit Tonerdezement ausgekleidet werden
Bei den neuen Leitungen spielt nicht nur der Durchmesser eine Rolle. Auch die Innenfläche muss zur Wasserchemie passen. Zum Einsatz kommen duktile Gussrohre mit einer Auskleidung aus Tonerdezement. Echterhoff begründet die Materialwahl mit der hohen Calcitlösekapazität des Rohwassers. Vereinfacht beschreibt dieser Wert, wie stark Wasser Calciumcarbonat lösen kann.
Zementmörtelauskleidungen dienen bei Guss- und Stahlrohren als innerer Schutz. Welche Zementart eingesetzt wird, hängt unter anderem von der Wasserbeschaffenheit ab. Entsprechende Anforderungen behandelt auch das technische Regelwerk des DVGW. In Hosterwitz fiel die Wahl deshalb auf Tonerdezement.
Die neue Halle wird keine exakte Kopie
Der Neubau orientiert sich grundsätzlich an der bestehenden Flusswasserfilterhalle. Einige Unterschiede gibt es dennoch. Unter der Filterebene entstehen zusätzliche Behälter, die bei der alten Anlage fehlen. Auf dem Flachdach soll außerdem eine Photovoltaikanlage installiert werden. Sie soll einen Teil des Strombedarfs der Anlage decken.
Auch an anderen Stellen wird das Wasserwerk modernisiert. So wurden unter anderem Rohrgitterkaskaden vor der Reinwasserfilterhalle ergänzt. Dort wird über Gasaustausch die Beschaffenheit des Wassers beeinflusst. Hosterwitz wird damit nicht durch ein einziges Großprojekt erneuert. Mehrere Anlagenteile werden schrittweise erweitert und modernisiert.
Parallel entsteht ein eigenes Wassersystem für Dresdens Chipindustrie
Der Ausbau in Hosterwitz ist von einem zweiten großen Dresdner Wasserprojekt zu unterscheiden. Für die wachsende Halbleiterindustrie im Norden der Stadt entsteht ein separates Industriewassersystem. Ein neues Flusswasserwerk soll ab 2030 in Spitzenzeiten bis zu 67.000 m³ Industriewasser pro Tag liefern. Dadurch sollen große Industriekunden künftig weniger Trinkwasser benötigen.
Quellen
- SachsenEnergie: Wasserwerk Hosterwitz
- SachsenEnergie: Neue Flusswasserfilterhalle im Wasserwerk Hosterwitz
- Echterhoff Bau GmbH: Pressemitteilung „Neue Flusswasserfilterhalle im Wasserwerk Hosterwitz“
- DVGW: Technische Informationen zu Zementmörtelauskleidungen
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