Erdgasleitung in Nordfrankreich 21.08.2013, 17:39 Uhr

Tunnel und Gräben: Neue Verfahren im Pipeline-Bau

Beim Bau der Gas-Pipeline Haute de France II in Nordfrankreich setzen die Rohrleitungsbauer neue Verfahren beim Verlegen und Schweißen ein. Bei feuchter Witterung stehen die Arbeiten still, um die Böden zu schonen.

Im Rahmen des Pipeline-Projekts „Haute de France II“ verlegt das deutsche Unternehmen Streicher knapp 52 Kilometer Erdgasleitung in Nordfrankreich.

Im Rahmen des Pipeline-Projekts „Haute de France II“ verlegt das deutsche Unternehmen Streicher knapp 52 Kilometer Erdgasleitung in Nordfrankreich.

Foto: Streicher

Für den Bau von 51,7 Kilometer Erdgasleitung brauchen die Rohrleitungsbauer rund ein dreiviertel Jahr, wenn alles gut geht. Seit März dieses Jahres hat die Streicher Unternehmensgruppe mit Hauptsitz im bayerischen Deggendorf rund 230 Mitarbeiter im Einsatz, um in Frankreich einen Teil des Erdgastransportnetzes zu bauen.

Auftraggeber ist der Fernleitungsnetzbetreiber GRTgaz, der in der Picardie im Norden Frankreichs bis 2015 das Pipeline-Projekt Haute de France II in Betrieb nehmen will. Das neue Netz beginnt im französischen Dünnkirchen und läuft knapp 200 Kilometer Richtung Süden und soll die Kapazitäten der parallelen Pipeline Haute de France I aufstocken. Knapp 52 Kilometer davon in der Nähe von Amiens liegen nun in der Verantwortung der Streicher-Mitarbeiter.

Besonders produktives automatisches Schweißverfahren

Die Böden in der überwiegend flachen Landschaft sind locker bis felsig, zahlreiche Hindernisse wie Straßen, Fremdleitungen oder Flüsse müssen unterquert werden. Den Rohrleitungsbauern stehen je nach Art der Querung und Richtungsverlauf unterschiedliche Verfahren zur Verlegung der Pipeline zur Verfügung. Versperren keine Hindernisse den Weg, kann offen gebaut werden. Dazu wird der vor Ort verschweißte Rohrstrang, der bis zu zwei Kilometer lang sein kann, Stück für Stück in den Graben abgesenkt. „Der Stahl und die Nähte sind so elastisch, dass nichts brechen oder reißen kann“, erklärt Thomas Garcon, der die Abteilung Pipelinebau bei Streicher leitet.

Für die Schweißarbeiten vor Ort setzt das Unternehmen auf das automatische CRC-Evans-Schweißverfahren. „Das ist besonders produktiv, weil der Schweißautomat acht Schweißköpfe hat, von denen vier gleichzeitig arbeiten“, erklärt Garcon. Zuerst werde die sogenannte Wurzel der Naht im Innern des Rohres verschweißt, bevor die äußere Naht mehrlagig verschweißt wird. Die aktuellen Tagesspitzenleistungen lägen bei über 40 Schweißnähten pro Tag – von insgesamt etwa 3200 Vorbaunähten, die für die knapp 52 Kilometer lange Pipeline nötig sind.

Neun Seitenbaumraupen senken die Pipeline in den Rohrgraben ab. Bei Unterquerungen von Straßen oder Flüssen werden auch grabenlose Verfahren wie das Microtunneling oder Direct Pipe angewandt.

Neun Seitenbaumraupen senken die Pipeline in den Rohrgraben ab. Bei Unterquerungen von Straßen oder Flüssen werden auch grabenlose Verfahren wie das Microtunneling oder Direct Pipe angewandt.

Foto: Streicher

Muss die Pipeline aufgrund von Hindernissen unterirdisch verlegt werden, kommen drei grabenlose Baumethoden in Betracht. Beim Horizontalspühlbohrverfahren (Horizontal Directional Drilling, HDD) wird ein unterirdischer Kanal gebohrt, in den dann Rohre eingezogen werden können. Eine Weiterentwicklung ist das Microtunneling-Verfahren, das als geschlossener Kreislauf arbeitet. Der Bohrkopf löst den Boden, der direkt dahinter  in den Brecherraum befördert und von dort abtransportiert wird, während der Rohrstrang mit hydraulischen Zylindern nach vorne geschoben wird.

In einem Arbeitsschritt das Bohrloch erstellen und die Rohrleitung verlegen

Für den Fluss Somme, den die Pipeline in der Picardie unterqueren muss, wählt Thomas Garcon das sogenannte Direct Pipe Verfahren, eine Kombination aus der Horizontalbohrtechnik und dem Microtunneling. Mit der neuen Technologie kann in nur einem Arbeitsschritt das Bohrloch erstellt und die vorgefertigte Rohrleitung von über 1500 Metern Länge grabenlos installiert werden. Steigungen und Gefälle sowie präzise Kurvenverläufe stellen kein Problem dar.

Ein Problem ganz anderer Art könnte allerdings in den nächsten Monaten auf Thomas Garcon und seine Mitarbeiter zukommen. Das Gebiet, durch das die Haute France II verläuft, gilt auch als die Kornkammer Frankreichs. Der Schutz der Anbauflächen und die Sicherung der nachhaltigen Bodenqualität setzt deshalb andere als rein wirtschaftliche Prioritäten. Bei schlechter Witterung und je nach Grad der Bodenfeuchte müssen die Bauarbeiten gestoppt werden. „Wenn wir bei nassem Boden mit unseren schweren Maschinen an der Trasse arbeiten, zerstören wir die Anbauflächen dort“, erklärt Thomas Garcon. „Die französische Landwirtschaftskammer Chambre d’Agriculture überwacht die Baumaßnahmen deshalb.“

Noch sieht es gut aus für die deutschen Rohrleitungsbauer in der Picardie. Bis November wollen sie mit ihrem Abschnitt fertig werden. Drei Schieberstationen, die die Pipeline in einzelne Abschnitte teilt, die zum Beispiel bei einer Leckage geschlossen werden können und eine Empfangsstation müssen außerdem gebaut werden. Für März 2014 ist die Inbetriebnahme der Erdgasleitung vorgesehen.

Von Gudrun von Schoenebeck

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