Golden Gate Bridge: Milliardenumbau gegen das nächste große Beben
Golden Gate Bridge: Verstärkte Türme, 255 Querträger und 38 Dämpfer sollen schwere Erdbebenschäden begrenzen. Der Verkehr läuft während des Umbaus weiter.
Die Golden Gate Bridge wird für schwere Erdbeben nachgerüstet. Verstärkte Türme, ertüchtigte Fahrbahnträger und zusätzliche Dämpfungsgeräte sollen Schäden begrenzen – während der Verkehr weiterläuft.
Foto: Smarterpix / moodboard
Die Golden Gate Bridge bekommt stärkere Türme, ertüchtigte Fahrbahnträger und zusätzliche Dämpfungsgeräte. Die Arbeiten sollen schwere Erdbebenschäden begrenzen. Seit dem 5. Oktober gibt es dafür nächtliche Fahrstreifensperrungen – die Brücke bleibt in beiden Richtungen offen.
Nachts wird es enger auf der Golden Gate Bridge. Seit dem 5. Oktober 2026 sperrt der Betreiber werktags Fahrstreifen, damit die Bautrupps Arbeitsplattformen und Material unter die Fahrbahn ablassen können. Als übliches Zeitfenster nennt er etwa 21 bis 5 Uhr. Mindestens eine Spur je Richtung bleibt frei.
Die Sperrungen gehören zur letzten großen Phase der Erdbebennachrüstung. Der erste Bauvertrag läuft bereits seit Januar 2026. Nun entsteht unter der Straße der Zugang zu den Bauteilen, die verstärkt oder ausgetauscht werden sollen.
Die Dimensionen sind beträchtlich: Die 1937 eröffnete Hängebrücke überspannt zwischen ihren beiden Haupttürmen 1280 m. Wie anspruchsvoll schon ihr Bau war, beschreibt der historische Rückblick der VDI nachrichten auf die Golden Gate Bridge. Heute müssen die Ingenieurinnen und Ingenieure die bestehende Konstruktion verändern, während darüber der Verkehr weiterrollt.
Inhaltsverzeichnis
Warum eine flexible Brücke trotzdem Verstärkung braucht
Eine Hängebrücke muss beweglich sein. Ihre Fahrbahn hängt über senkrechte Hängerseile an den großen Tragkabeln. Sie kann sich unter Belastung verformen. Das Zusammenspiel von Tragkabeln, Türmen und Fahrbahnträgern erlaubt die großen Spannweiten dieser Bauweise.
Bei einem Erdbeben entsteht jedoch ein besonderes Problem: Türme, Fahrbahn und anschließende Brückenabschnitte bewegen sich nicht gleich. Wo sie miteinander verbunden sind, können hohe Kräfte auftreten. Beweglichkeit allein schützt deshalb nicht vor Schäden.
Die Nachrüstung kombiniert mehrere Maßnahmen. Einzelne Bauteile werden verstärkt, andere ersetzt. Dämpfungsgeräte sollen Belastungen begrenzen. Neue Fahrbahnübergänge geben den verbundenen Abschnitten mehr Spielraum für unterschiedliche Bewegungen. Die technischen Unterlagen des Betreibers sehen ausdrücklich alle drei Ansätze vor.
255 Querträger und 38 Dämpfungsgeräte
Zuerst kommen die beiden Haupttürme und die Seitenfelder an die Reihe. Nach Angaben des Betreibers sind sie weniger flexibel als das große Mittelfeld. An den Turmfüßen werden große Stahlplatten angebracht; weitere Verstärkungen betreffen die Fachwerke der Türme. Auch der südliche Turmpfeiler gehört zur abschließenden Nachrüstungsphase.
Unter der Fahrbahn sollen insgesamt 255 Querträger ertüchtigt werden. Hinzu kommen Arbeiten an den Verbänden, die das Tragwerk gegen seitliche Belastungen stabilisieren. Für die gesamte Schlussphase sind 38 Energiedissipationsgeräte vorgesehen.
Der etwas sperrige Begriff beschreibt ihre Aufgabe: Sie entziehen der Bewegung Energie und sollen dadurch die Belastung kritischer Bauteile reduzieren. Die Geräte wirken an Schnittstellen zwischen dem Fahrbahntragwerk, den Türmen und weiteren Stützen.
Eine ältere Versuchsdokumentation für das Projekt zeigt, wie das funktionieren kann. In dem damals untersuchten Gerät gleiten Edelstahlplatten über Zinnbronzeplatten. Die Reibung wandelt Bewegungsenergie in Wärme um. Sie soll die Kräfte auf das Fahrbahnfachwerk und die unterschiedlichen Bewegungen an dessen Anschlüssen begrenzen. Die Dokumentation stammt von 2016; sie beschreibt nicht automatisch die genaue Ausführung sämtlicher heute vorgesehenen Geräte.
Für den ersten Bauvertrag nennt eine Betreiberunterlage vom Juli 2026 insgesamt 28 Dämpfungsgeräte. Die übrigen gehören zum weiteren Projektumfang.
Die Übergänge müssen Bewegungen zulassen
An den Türmen und Pylonen werden außerdem Fahrbahnübergänge ersetzt. Die neuen Konstruktionen sollen Bewegungen längs zur Brücke, quer dazu und in vertikaler Richtung aufnehmen können.
Solche Übergänge müssen im Alltag eine befahrbare Verbindung herstellen. Bei einem schweren Beben brauchen die benachbarten Brückenabschnitte jedoch ausreichend Bewegungsraum. Dämpfung, verstärkte Bauteile und geeignete Übergänge müssen deshalb gemeinsam geplant werden.
Arbeiten unter der Fahrbahn
Die nächtlichen Sperrungen dienen zunächst dazu, die Baustelle erreichbar zu machen. Auf den gesperrten Fahrstreifen entsteht Platz, um Plattformen und Material unter die Straße abzulassen. Dort können die Beschäftigten an den darunterliegenden Stahlbauteilen arbeiten. Die Fahrbahn bleibt währenddessen als Verkehrsverbindung erhalten.
Der Zugang löst allerdings nur einen Teil der Aufgabe. Auch während des Umbaus muss das Tragwerk die auftretenden Lasten sicher aufnehmen. Die öffentlich ausgewerteten Unterlagen beschreiben die vorgesehenen Verstärkungen, erläutern aber nicht im Detail, wie jedes tragende Bauteil während seiner Bearbeitung entlastet oder vorübergehend abgestützt wird.
Das ausführende Unternehmen Halmar International war bereits seit 2024 in die Vorbereitung eingebunden. Der Betreiber bezog den späteren Bauauftragnehmer damit früh in die Planung der Umsetzung ein.
Ein Beben ohne Brückenschäden gab den Anstoß
Auslöser der umfassenden Nachrüstung war das Loma-Prieta-Erdbeben vom 17. Oktober 1989. Es hatte nach heutiger USGS-Angabe eine Momentmagnitude von 6,9. An der Golden Gate Bridge wurden damals keine Schäden beobachtet. Das Epizentrum lag rund 100 km weiter südlich.
Der Betreiber ließ anschließend untersuchen, wie die Brücke auf ein starkes Beben in ihrer Nähe reagieren würde. Die Ergebnisse zeigten erhebliche Risiken. Daraufhin wurden zunächst besonders gefährdete Abschnitte der Zufahrten und weitere Bauwerke ertüchtigt.
Nach Bewertung des Betreibers haben diese früheren Maßnahmen die damals untersuchte Einsturzgefahr beseitigt. Bis zum Abschluss der gesamten Nachrüstung bleiben jedoch erhebliche Schäden am Hängebrückenteil möglich. Damit könnte auch eine längere Unterbrechung der Verkehrsverbindung drohen.
Die laufenden Arbeiten sollen diese Verwundbarkeit verringern. Ein universelles Sicherheitsversprechen für jedes denkbare Erdbeben ist damit nicht verbunden.
Historisches Erscheinungsbild, neue Konstruktion
Beim Umbau spielt auch das Erscheinungsbild der Brücke eine Rolle. Frühere Nachrüstungen zeigen, wie sich stärkere Bauteile in die historische Konstruktion einfügen lassen.
Ursprüngliche Gitterstäbe bestanden aus vielen kleinen, miteinander vernieteten Stahlteilen. Als einige ersetzt werden mussten, verwendete man größere Stahlstücke mit lasergeschnittenen Öffnungen. Die neuen Bauteile sollten tragfähiger sein und zugleich den alten ähneln.
Welche Teile verstärkt oder ersetzt werden müssen, wird mit Berechnungen und Versuchen untersucht. An der University of California in Berkeley wurde dafür etwa eine große Nachbildung eines ursprünglichen Gitterstabs belastet. Die Versuchsergebnisse halfen, die rechnerisch angesetzte Tragfähigkeit zu überprüfen.
Die Schlussphase soll bis 2036 dauern
Der Betreiber setzt für die abschließende Phase 3B den Zeitraum von 2026 bis 2036 an. Die Arbeiten sind auf zwei aufeinanderfolgende Bauverträge verteilt. Nach den Türmen und Seitenfeldern folgt das große Mittelfeld.
Der erste Bauvertrag wurde ursprünglich für rund 864 Mio. US-Dollar vergeben. Eine Finanzunterlage vom September 2025 beziffert die geschätzten Baukosten des gesamten abschließenden Hängebrückenprojekts auf 1,848 Mrd. US-Dollar. Die früheren Nachrüstungsphasen sind darin nicht vollständig enthalten.
Die neue Baustelle setzt damit eine jahrzehntelange Ertüchtigung fort. Ihr Ziel reicht über den Schutz einzelner Stahlbauteile hinaus: Schwere Schäden sollen begrenzt werden, damit die Verbindung zwischen San Francisco und Marin County nach einem großen Beben möglichst schnell wieder genutzt werden kann.
Quellen
- Golden Gate Bridge District: Nächtliche Fahrstreifensperrungen ab 5. Oktober 2026
- Golden Gate Bridge District: Maßnahmen und Zeitplan der Nachrüstungsphase 3B
- Golden Gate Bridge District, Juli 2026: Umfang des ersten Bauvertrags (PDF)
- Golden Gate Bridge District, September 2025: Baukostenschätzung und Finanzierung (PDF)
- Golden Gate Bridge District: Nachrüstung, Bauteilversuche und historisches Erscheinungsbild
- US Geological Survey: Loma-Prieta-Erdbeben von 1989
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