Gurte statt Stahlseile 19.05.2000, 17:25 Uhr

Flüsternd rauscht der Lift von Etage zu Etage

so das Konzept eines Aufzugsystem, das jetzt in Berlin vorgestellt wurde. Auffälligstes Merkmal: der besonders geräuscharme Betrieb.

Seit ihrer Erfindung vor mehr als 150 Jahren gehören Aufzüge mittlerweile zur Gattung der High-Tech-Produkte. Dank Elektronik verfügen moderne Gebäudelifts über hohen Fahrkomfort und einem Höchstmaß an Sicherheit. Einzig die Stahlseile, die den Fahrkorb tragen, sind bis heute nahezu unverändert im Einsatz. Doch auch vor dieser Technik macht der Fortschritt nicht halt. Das Berliner Aufzugs- und Fahrtreppenunternehmen Otis hat jetzt einen Aufzug entwickelt, der erstmals nicht von Seilen, sondern von Gurten getragen wird. Vorteile der Neuentwicklung gegenüber bisheriger Technik: höhere Tragkraft, längere Lebensdauer und höherer Fahrkomfort.
Die unbestreitbaren Vorteile der Antriebstechnik mit Gurten veranlasst den Anbieter, von der „zweiten Generation von Aufzügen“ zu sprechen und taufte die Innovation auf den Namen „Gen2“. Otis-Sprecher Rainer Janz: „Es handelt sich um eine Weltneuheit, die wir jetzt in großem Stil auf den Markt bringen. Architekten und Planer könnten mit dem System jetzt freier planen, da der sonst übliche Maschinenraum entfalle. Betreiber würden nutzbare Fläche hinzugewinnen und profitierten gleichzeitig von dem energiesparenden und umweltfreundlichen Betrieb der Anlage.
Intensive Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Gurte sei die Voraussetzung für den Entwicklungssprung in der Aufzugtechnik gewesen, ergänzt Conti-Tech in Hannover, die Otis jetzt mit der Stahlseil-Alternative beliefert. Die 300 mm breiten und nur 3 mm dicken, korrosionsfreien Aufzugsgurte bestehen im Kern aus zwölf Polyrethan-ummantelten Stahlseilen, die aus Einzeldrähten geflochten sind. Sie sind damit nicht viel größer als ein herkömmlicher Hosengürtel, verfügen aber – so Conti-Tech – über eine größere Tragkraft und eine zwei- bis dreimal längere Lebensdauer als traditionelle Stahlseile. Aufgrund der größeren Auflagefläche der flachen und flexiblen Gurte auf der Treibscheibe sei der Abrieb und damit der Verschleiß um ein vielfaches geringer als bei Stahlseilen, stellten die Entwicklungsingenieure von Otis fest. Durch die gleichzeitig erhöhte Mitnahmereibung könne die Kraft der Maschine viel effizienter übertragen werden, wodurch bei gleicher Leistung eine wesentlich kleinere und energiesparende Antriebsmaschine notwendig sei.
Die getriebelose Antriebseinheit von „Gen2“ ist selbst in der leistungsstärksten Ausführung nur 25 cm breit und 100 cm lang. Sie sei damit um ein Drittel kleiner als bisherige Modelle und könne – so Janz – daher problemlos und Platz sparend im Schachtkopf integriert werden.
Otis bietet die neue Antriebstechnik zunächst für Gebäude mit Förderhöhen bis 75 m und einer Traglast von 1000 kg an. Der Einbau sei mit Hilfe von zwei Monteuren ohne Kran und Hebezug möglich und beeinflusse – so der Otis-Sprecher – Gewerke des Rohbaubetriebs und des Ausbaus nur unwesentlich aus.
Das Zusammenspiel von Maschine, frequenzgeregeltem Antrieb und dem PU-ummantelten Gurtsystem sorgt für eine bemerkenswerte Laufruhe und gewährleistet so einen gegenüber früher geräuschärmeren Betrieb der Aufzugsanlage. „Obwohl sich die Maschine im Schachtkopf befindet, gilt die Geräuscharmut sowohl für den Fahrkorb als auch für das unmittelbare Umfeld des Aufzugschachtes und für das oberste Stockwerk,“ erläutert Dr.-Ing. Helmut Schröder-Brumloop, Entwicklungsingenieur bei Otis. Dadurch könnten auch direkt am Aufzugsschacht gelegene Gebäudeflächen uneingeschränkt genutzt werden. Auch unter Umweltaspekten sei das neue Antriebssystem zukunftsweisend. Im Gegensatz zu konventionellen Getriebeaufzügen benötige die Maschine kein Öl. Die plombierten Speziallager müssten nicht gefettet und die PU-Gurte nicht geschmiert werden. „Auch das Problem der Verschmutzung durch ölbelastete Staubpartikel gehört damit der Vergangenheit an,“ betont Schröder-Brumloop. Die bessere Kraftübertragung von der Maschine auf die Gurte sorge darüber hinaus für einen deutlich geringeren Energieverbrauch.
Das gesamte „Gen2“-System wurde in umfangreichen Tests auf Zuverlässigkeit und Sicherheit geprüft. Es entspreche in allen Punkten den strengen Anforderungen der europäischen Aufzugsrichtlinie und verfüge darüber hinaus noch über einige zusätzliche Sicherheitsmerkmale, versichert der Entwicklungsingenieur. Durch eine Fahrschachtzugangserkennung werde der Betrieb des Fahrkorbs automatisch blockiert, sobald man eine Schachttür für Wartungsarbeiten öffne. Eine spezielle Türverriegelung verhindere zusätzlich, dass Fahrgäste die Schachttüren öffnen können, wenn sich die Kabine außerhalb einer Türzone befinde. Im Falle eines Brandes schalte ein Temperaturfühler die Anlage ab und fahre den Fahrkorb zum nächsten Halt.
Mit der zweiten Aufzugsgeneration will Otis seine international führende Position im Aufzugs- und Fahrtreppenmarkt weiter ausbauen. Flankiert werde dies mit einem weiteren Ausbau des Dienstleistungs- und Beratungsangebotes, betont Janz. Als einer der ersten Zulieferer für die Bauindustrie wolle man den Kunden in Zukunft ein umfassendes E-Business-Angebot zur Verfügung stellen. Die zusätzliche Online-Dienstleistung, die über die neue Internet-Adresse www.otis.com Architekten und Generalunternehmen rund um die Uhr zur Verfügung stünde, reiche von der Aufzugsplanung über Wartung und Service bis hin zur Information und Unterhaltung des Fahrgastes im Aufzug. So sollen beispielsweise bis Ende des Jahres in deutschen Großstädten und Ballungszentren die ersten Aufzüge mit einem Flachbildschirm ausgestattet werden, der internetbasierte Informationen in den Fahrkorb liefert. E. WALLERANG
Das Design der neuen Aufzugsgeneration trägt der leisen Vertikalfahrt Rechnung. Es paaren sich Gestaltung und technischer Fortschritt .
Von Gurten statt von Seilen wird der Fahrkorb einer neuen Aufzugsgeneration getragen. Vorteile: große Tragkraft, lange Lebensdauer und hoher Fahrkomfort.

Von E. Wallerang

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