Brückenbau 02.11.2012, 19:55 Uhr

Düsseldorf: Rheinkniebrücke erhält neuen Bewegungsspielraum

Die 43 Jahre alte Rheinkniebrücke in Düsseldorf wird an beiden Ufern nacheinander jeweils um 1 cm angehoben, um die verschlissenen Gleitlager durch neue Kalottenlager zu ersetzen. Der Verkehr wird dabei aufrechterhalten.

Ingo Pähler

Ingo Pähler

Foto: Werkfoto

Die Zeit ist knapp: Bevor die Hochwassersaison beginnt, müssen die Ingenieure der Stadt Düsseldorf sowie der Firma Maurer Söhne, Weltmarktführer bei der Herstellung von Kalottenlagern, die vier verschlissenen Gleitlager auf den Pfeilern der Rheinkniebrücke ausgetauscht haben. Denn die beiden Stützbauwerke befinden sich in der Hochwasserzone.

Die 1969 erbaute Schrägseilbrücke, Mitglied der siebengliedrigen Düsseldorfer Brückenfamilie, benötigt neuen Bewegungsspielraum, um die temperaturbedingten Materialausdehnungsunterschiede, aber auch Kräfte durch Bremsvorgänge der Fahrzeuge weiterhin zuverlässig aufnehmen zu können.

Rheinkniebrücke: Moderne Kalottenlager ersetzen alte Topflager

„Die alten Gleitplatten sind verschlissen und Lagermasse ist ausgetreten“, sagt Ingo Pähler vom Düsseldorfer Amt für Verkehrsmanagement. Ein einwandfreies Gleiten sei nicht mehr zu gewährleisten gewesen. Nun werden also die alten Topflager gegen modernere Kalottenlager ausgetauscht. Die ca. 750 mm x 750 mm großen Lager sollen Verschiebungen von 310 mm aufnehmen und jeweils bis zu 640 t Vertikallast abfangen können. Das entspricht dem Eigengewicht der Brücke plus Vollbesetzung mit beladenen Lkw. Gesamtkosten für die Baumaßnahme: 210 000 €.

Die enorme Belastung der Lager bedarf hochwertiger Materialien. „Die Kalottenlager bestehen aus Stahl von besonders hoher Festigkeit“, sagt Thomas Achterberg, Bauleiter der Firma Maurer Söhne. Zum Einsatz sei der Stahl S355 gekommen. In die kugelförmig ausgedrehte Fläche des Lagerunterteils ist zudem eine Scheibe aus PTFE eingesetzt. Die hartverchromte Unterseite der Kalotte dient als Gleitpartner.

Eine weitere PTFE-Scheibe liegt in der planen Kalottenoberseite. Zur Erhöhung ihrer Tragfähigkeit werden die beiden PTFE-Scheiben von einem umlaufenden Stahlrand bis zu ihrer halben Dicke geklammert. „Das Kalottenlager ermöglicht Überbauverdrehungen – beispielsweise Durchbiegung der Fahrbahn – durch eine Verschiebung in dem konkav geformten Lagerunterteil“, so Achterberg. Damit entspreche es dem Konstruktionsprinzip des Kugelgelenks.

Hydraulische Pressen heben die Rheinkniebrücke an, damit die Lager ausgetauscht werden können

Ingenieurskunst ist auch beim Tausch der Lager gefragt: „Für den Austausch muss die Brücke im Bereich des Widerlagers mit hydraulischen Pressen angehoben werden“, erklärt der Düsseldorfer Verkehrsdezernent Dr. Stephan Keller.

Da es im linksrheinischen Widerlager keinen Platz für den Einbau einer Hebekonstruktion gibt, ist vor dem Widerlager im Hochwassergebiet ein 12 m hohes Traggerüst aufgebaut worden. „Es dient als Unterkonstruktion für die Pressen, die von der Geländeebene aus mittels Hubsteigern bedient werden.“ Nach dem 5 min in Anspruch nehmenden Hebevorgang bleibt die Brücke etwa eine Woche lang in dieser Position. Gehoben und provisorisch von einem Tragegerüst mit ebenso provisorischer Gleitfläche gestützt. Die neuen Kalottenlager werden nun von oben herkommend eingesetzt. „Der Zugang zum Widerlager erfolgt von den Gehwegen der Brücke aus“, erläutert Keller.

Der Austausch dauere einige Tage, da zur Befestigung der Lager flüssiger Kunststoff zum Einsatz kommt, der seine Zeit braucht, um auszuhärten. Danach wird die Brücke von ihrem Provisorium befreit und per Hydraulik wieder herabgelassen auf die neuen Lager, von deren Vorteilen in puncto Flexibilität man im Brückenbaujahr 1969 nur träumen konnte.

Ein Beitrag von:

  • Lars Wallerang

    Lars Wallerang schreibt als freier Journalist für verschiedene Print- und Onlinemedien wie VDI Nachrichten und ingenieur.de u.a. über Forschung und Lehre, Arbeitsmarktpolitik sowie Technik.

Stellenangebote im Bereich Bauwesen

Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften-Firmenlogo
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften Ingenieure (m/w/d) Architektur / Bauingenieurwesen Hannover
DIBAG Industriebau AG-Firmenlogo
DIBAG Industriebau AG Bauleiter TGA (m/w/d) München
Wacker Chemie AG-Firmenlogo
Wacker Chemie AG Fachingenieur (w/m/d) Facility Management Burghausen
SEMIKRON Elektronik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
SEMIKRON Elektronik GmbH & Co. KG Ingenieur für Planung, Gebäude und Infrastruktur (m/w/d) Nürnberg
THOST Projektmanagement GmbH-Firmenlogo
THOST Projektmanagement GmbH Projektmanager*in (m/w/d) Bereich Bau / Immobilien Essen, Dortmund
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke München GmbH Ingenieur*innen für München (m/w/d) München
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Berliner Wasserbetriebe Ingenieur:in Planung und Bau Verfahrenstechnik / Schlammbehandlung mit vertieften Kenntnissen (w/m/d) Berlin
Stadt Köln-Firmenlogo
Stadt Köln Vermessungsingenieur*in (m/w/d) in der Abteilung Grundstückswertermittlung im Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster Köln
AVEA GmbH & Co. KG-Firmenlogo
AVEA GmbH & Co. KG Bau- oder Verfahrensingenieur (m/w/d) Engelskirchen
Deutsche Rentenversicherung Bund-Firmenlogo
Deutsche Rentenversicherung Bund Spezialist*in (m/w/div) Baumanagement im Bereich Grundsatz Berlin

Alle Bauwesen Jobs

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.