Rückzug aus dem Baugeschäft 08.05.2014, 12:06 Uhr

Bilfinger verkauft große Teile seiner Tiefbausparte

Weg vom Baukonzern, hin zum Serviceunternehmen: Bilfinger trennt sich im Laufe des kommenden Jahres von großen Teilen seines Tiefbaugeschäfts. Betroffen sind rund 3000 Mitarbeiter. Trotz der Verkäufe will Bilfinger aber kräftig weiterwachsen. 

 Der Bau- und Industriedienstleistungskonzern Bilfinger will sich von wesentlichen Teilen seiner Tiefbausparte trennen. 

 Der Bau- und Industriedienstleistungskonzern Bilfinger will sich von wesentlichen Teilen seiner Tiefbausparte trennen. 

Foto: Bilfinger

Auf zwei Wesenszüge setzt der Bau- und Industriedienstleistungskonzern Bilfinger nach eigener Aussage: Ingenieurskompetenz und Servicementalität. Um sein Profil weiter in diese Richtung zu schärfen, will sich das im MDax notierte Unternehmen in den kommenden Monaten von Teilen seines Baugeschäfts verabschieden. Das teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit.

Demnach plant das Mannheimer Unternehmen, das seit 2011 vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch geführt wird, wesentliche Teile seines Ingenieurbaugeschäfts zu verkaufen. Betroffen ist der Tiefbau, zusammengefasst im Geschäftsfeld Construction. Im Jahr 2013 haben die zum Verkauf stehenden Unternehmensteile rund 800 Millionen Euro Umsatz erzielt.

Konzentration auf den Bereich Dienstleistungen

Ganz wirft Bilfinger die Sparte jedoch nicht auf den Markt: Behalten möchte der Konzern die Bereiche Offshore-Windkraftanlagen und den Bau von Überlandleitungen, die im vergangenen Jahr rund 140 Millionen Euro Umsatz gemacht haben. Sie sollen dem Geschäftsfeld „Power“ zugeordnet werden.  Auch die auf Stahlbau spezialisierten Einheiten verbleiben ebenso im Konzern wie der Hochbau. Letzterer sei untrennbar mit der Immobilienkompetenz im Bereich „Building und Facilities“ verbunden und gehöre daher zum Kerngeschäft, heißt es.

Festhalten will Bilfinger am Bau von Überlandleitungen.

Festhalten will Bilfinger am Bau von Überlandleitungen.

Quelle: Bilfinger

Mit diesem Umbau zieht sich der Konzern, der 1975 aus der Fusion mehrerer Baugesellschaften entstanden ist und bis Herbst 2012 als Bilfinger Berger bekannt war, immer mehr aus dem klassischen Baugeschäft zurück. Bereits im vergangenen Jahr hatte Bilfinger sich vom Bereich Straßenbau getrennt, der zu diesem Zeitpunkt rote Zahlen schrieb. Stattdessen verlegt sich das Unternehmen, das derzeit als zweitgrößter Baukonzern Deutschlands gilt, stärker auf den Bereich Dienstleistungen. Von den geplanten Verkäufen sind rund 3000 von derzeit etwa 70.000 Mitarbeitern betroffen, 1700 von ihnen leben und arbeiten in Deutschland.

Konzern soll durch Zukäufe wachsen

Der Verkauf soll im Laufe eines Jahres über die Bühne gehen. Die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres, die Bilfinger am 8. Mai vorgelegt hat, zeigen, dass der Konzern trotz der Verkäufe keineswegs schrumpfen will – ganz im Gegenteil: Bis 2016 will er die Bauleistung von zuletzt 8,5 Milliarden Euro auf bis zu 12 Milliarden steigern. Das bereinigte Ergebnis soll bei 400 Millionen Euro liegen. 2013 waren es rund 250 Millionen Euro. Erreichen will Bilfinger das Wachstum durch Zukäufe, für die Mittel in Höhe von 800 Millionen Euro bereitstehen. 

Von Judith Bexten
Von Judith Bexten

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