Großprojekt auf dem Kulturforum 20.06.2026, 09:24 Uhr

Bau-GAU bei Berlin Modern: Wie ein Neubau zum Sanierungsfall wurde

Bauverzögerung bei Berlin Modern: Feuchteschäden im Trogbau zeigen Risiken tiefer Untergeschosse bei Starkregen und stellen Planung sowie Klimaschutz infrage.

berlin modern

Das Projekt berlin modern am Kulturforum ist ein zentraler Museumsneubau für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Entworfen von Herzog & de Meuron, soll das Gebäude als Bindeglied zwischen Philharmonie und Mies-van-der-Rohe-Bau fungieren.

Foto: picture alliance / imageBROKER | Arnulf Hettrich

Als auf dem Berliner Kulturforum Ende 2019 der erste Spatenstich für das Museum des 20. Jahrhunderts erfolgte, schien der Zeitplan ambitioniert, aber realistisch. Die Eröffnung war für 2026 vorgesehen. Heute rechnet die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) mit einer Fertigstellung frühestens Mitte 2030. Die Kosten sind inzwischen auf rund 507 Mio. € gestiegen.

Auslöser der jüngsten Verzögerung sind erhebliche Feuchteschäden im Rohbau. Besonders brisant: Betroffen sind ausgerechnet jene Bereiche des Gebäudes, in denen später Kunstdepots, Technikzentralen und weitere sensible Einrichtungen untergebracht werden sollen. Das Projekt, das inzwischen unter dem Namen „Berlin Modern“ firmiert, ist damit nicht nur eines der wichtigsten Kulturvorhaben Deutschlands, sondern auch ein Lehrstück über die bautechnischen Herausforderungen komplexer Großbaustellen.

Ein neues Zuhause für die Kunst der Moderne – und eine hitzige Debatte

Das neue Museum soll die bedeutenden Sammlungen der Nationalgalerie aufnehmen – darunter die hochkarätigen Bestände der Sammlungen Marx, Pietzsch und Marzona – und das Kulturforum zu einem zusammenhängenden Museumsquartier weiterentwickeln.

Geplant wurde das Gebäude vom renommierten Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron, das unter anderem für die Elbphilharmonie in Hamburg und die Tate Modern in London verantwortlich zeichnet.

Stellenangebote im Bereich Immobilien, Bau, Finanzierung

Immobilien, Bau, Finanzierung Jobs
TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Mitarbeiter Montage Sondermaschinenbau - Mechanik (m/w/d) TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Office Group Planen & Bauen GmbH-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) Office Group Planen & Bauen GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Bauleitung und Bauüberwachung von Autobahnprojekten Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Kölner Verkehrs-Betriebe AG-Firmenlogo
Bauleiter*in Tiefbau / Fahrleitung Kölner Verkehrs-Betriebe AG
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
intecplan integrierte technische Planung GmbH-Firmenlogo
Technischer Systemplaner / Technischer Zeichner (m/w/d) TGA intecplan integrierte technische Planung GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Bundesbau Baden-Württemberg-Firmenlogo
Elektrotechnikingenieure (w/m/d) Bundesbau Baden-Württemberg
Freiburg Zum Job 
AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Techniker Versorgungstechnik HLSK (m/w/d) AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH
Mannheim Zum Job 
Schöpflin Stiftung-Firmenlogo
Head of Operations (m/w/d) Schöpflin Stiftung
Lörrach Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Technischer Angestellter (m/w/d) Nachhaltigkeitsmanagement im Bereich Hochbau KLEBL GmbH
Neumarkt Zum Job 
Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr-Firmenlogo
Bauingenieur - Sachgebietsleitung Kreisstraßenmanagement (w/m/d) Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr
Humboldt-Universität zu Berlin Abteilung Haushalt und Personal Referat Personalwirtschaft III C 6-Firmenlogo
Ingenieur*in Nachrichtentechnik (m/w/d) Humboldt-Universität zu Berlin Abteilung Haushalt und Personal Referat Personalwirtschaft III C 6
ista SE-Firmenlogo
Projektingenieur - Technische Gebäudeausrüstung und Energiedienstleistungen (m/w/d) ista SE
Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, München Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Straßenplanung und Entwurf Die Autobahn GmbH des Bundes
Dillenburg Zum Job 
über Tröger & Cie. Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Zweigniederlassungsleiter Großprojekte West (m/w/d) über Tröger & Cie. Aktiengesellschaft
Nordrhein-Westfalen Zum Job 
über Kienbaum Consultants International GmbH-Firmenlogo
Leitung (m|w|d) Hoch- und Ingenieurbau über Kienbaum Consultants International GmbH
Baden-Württemberg Zum Job 
intecplan integrierte technische Planung GmbH-Firmenlogo
Projektleiter:in (m/w/d) TGA intecplan integrierte technische Planung GmbH
Düsseldorf Zum Job 
BG ETEM-Firmenlogo
Dozent/in (m/w/d) in der Bildungsstätte Dresden BG ETEM
Dresden Zum Job 
BRAMM Bau GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur - Tiefbau & Rohrvortrieb (m/w/d) BRAMM Bau GmbH
Vaihingen an der Enz Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur im Facility Management (w/m/d) DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

Der Siegerentwurf aus dem Jahr 2016 wirkt auf den ersten Blick erstaunlich zurückhaltend. Statt eines spektakulären Solitärs entwarfen die Architekten einen Baukörper mit markantem Satteldach. Was in der Fachwelt als bewusste Vermittlung zwischen Philharmonie, Staatsbibliothek und Neuer Nationalgalerie gilt, handelte dem Entwurf im Berliner Volksmund schnell spöttische Beinamen wie „Aldi-Scheune“ oder „Bierzelt“ ein. Doch hinter dieser vermeintlich einfachen Form verbirgt sich ein technisch hochkomplexes Gebäude.

Berlin Modern: Das Großprojekt im Überblick

Geplante Eröffnung ursprünglich: 2026
Voraussichtliche Fertigstellung aktuell: Mitte 2030
Kostenentwicklung: von kalkulierten 364 Mio. € auf aktuell rund 507 Mio. €
Architektur: Herzog & de Meuron, Basel
Hauptproblem: massive Feuchtigkeit und mikrobieller Befall in den Untergeschossen nach Starkregenereignissen

Die eigentliche Herausforderung liegt im Untergrund

Ein Großteil der späteren Museumsinfrastruktur entsteht unter der Erde. Dort befinden sich künftig Depots, Werkstätten, Logistikflächen und Technikräume.

Bereits die Herstellung der Baugrube gehörte zu den anspruchsvollsten Bauabschnitten des Projekts. Nach Angaben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz entstand auf rund 8000 m² Fläche eine bis zu 16 m tiefe Baugrube. Die Baugrubenumschließung wurde als wasserdichtes Trogbauwerk mit etwa 25 m tiefen Wänden ausgeführt. Für die Sicherung der Baugrube kamen zudem hunderte Verpressanker zum Einsatz.

Solche Konstruktionen werden eingesetzt, wenn Bauwerke dauerhaft gegen drückendes Wasser geschützt werden müssen. Die ingenieurtechnische Herausforderung liegt auf der Hand: Die unterirdischen Räume müssen über Jahrzehnte trocken und betriebssicher bleiben.

Beim Richtfest im Oktober 2025 hob die Stiftung die außergewöhnliche Baugrube ausdrücklich als einen der technisch anspruchsvollsten Teile des gesamten Projekts hervor. Sie führte dann auch für die Bauverzögerung.

Mit der Grundsteinlegung am 9. Februar 2024 erreichte das Projekt Berlin Modern einen wichtigen Meilenstein. Das Museum des 20. Jahrhunderts soll künftig die Sammlungen der Nationalgalerie aufnehmen und das Kulturforum baulich mit der Neuen Nationalgalerie verbinden. Foto: picture alliance/dpa | Monika Skolimowska

Ursache nicht öffentlich geklärt

Welche bautechnischen Ursachen im konkreten Fall zu den Feuchteschäden geführt haben, ist bislang nicht öffentlich geklärt. Die Stiftung verweist auf hohe Luftfeuchtigkeit sowie Starkregenereignisse in der zweiten Jahreshälfte 2025. Die Ursachenanalyse läuft weiterhin.

Bei tiefen Trogbauwerken kommen grundsätzlich mehrere Eintrittspfade für Feuchtigkeit infrage. Kritisch sind beispielsweise Arbeits- und Dehnungsfugen zwischen Sohle und Wänden, temporäre Öffnungen im Rohbau, unzureichend geschützte Bauteilanschlüsse oder ein überlastetes Baustellenentwässerungssystem während außergewöhnlicher Niederschlagsereignisse.

Auch Baufeuchte kann eine Rolle spielen. Gerade große Betonmassen, geschlossene Untergeschosse und noch nicht vollständig in Betrieb befindliche Lüftungs- und Klimasysteme erschweren die Austrocknung eines Rohbaus erheblich.

Ob einer dieser Faktoren bei Berlin Modern tatsächlich ausschlaggebend war, ist derzeit nicht belegt. Genau deshalb ist die laufende Ursachenanalyse von zentraler Bedeutung. Sie muss klären, ob vor allem Witterungseinflüsse, Bauabläufe, Abdichtungssysteme, Lüftungskonzepte oder eine Kombination mehrerer Faktoren zu den Schäden geführt haben.

Große Spannweiten und extreme Klimaanforderungen

Auch oberirdisch ist Berlin Modern weit mehr als eine klassische Ausstellungshalle. Da die Ausstellungsflächen möglichst flexibel nutzbar sein sollen, mussten die Tragwerksplaner große Räume schaffen, die weitgehend ohne störende Stützen auskommen. Das erfordert leistungsfähige Dachtragwerke und komplexe Lastabtragungen.

Beim Richtfest waren die tragenden Wände sowie die großen Dachfachwerkträger fertiggestellt. Sie bilden das statische Rückgrat des Gebäudes.

Hinzu kommen die extremen Anforderungen eines modernen Museumsbetriebs. Anders als in klassischen Bürogebäuden müssen Temperatur und Luftfeuchtigkeit dauerhaft innerhalb engster Grenzen gehalten werden. Die Gebäudetechnik übernimmt damit eine konservatorische Schutzfunktion für die empfindlichen Kunstwerke.

Die Baustelle von Berlin Modern im August 2024: Im Fokus standen damals die Arbeiten an den tief liegenden Untergeschossen. Gerade diese Bereiche wurden später durch Feuchteschäden und mikrobiellen Befall zum Problemfall des Großprojekts. Foto: picture alliance / Schoening | Schoening

Eine unterirdische Verbindung zur Neuen Nationalgalerie

Eine bauliche Besonderheit des Projekts ist die geplante unterirdische Verbindung zur benachbarten Neuen Nationalgalerie.

Beide Häuser sollen künftig als zusammenhängender Museumsstandort funktionieren, über den Besucherinnen und Besucher sowie Kunstwerke gleichermaßen zwischen den Gebäuden wechseln können.

Solche Tunnelbauwerke im Bestand stellen hohe Anforderungen an Brandschutz, Sicherheit und Klimatisierung. Da Kunstwerke empfindlich auf Temperaturschwankungen, Luftfeuchteänderungen oder Erschütterungen reagieren, müssen die technischen Systeme entsprechend aufwendig ausgelegt werden.

Vom optimistischen Richtfest zur Schadensanalyse

Als im Oktober 2025 Richtfest gefeiert wurde, blickten die Verantwortlichen noch vergleichsweise optimistisch auf das Projekt. Damals ging man von einer Fertigstellung im Jahr 2029 aus.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnete Berlin Modern als wichtigen Baustein für die Zukunft des Kulturforums. Die Rohbauarbeiten waren weitgehend abgeschlossen, der Bau hatte einen entscheidenden Meilenstein erreicht.

Nur wenige Monate später änderte sich das Bild jedoch grundlegend. Im Frühjahr 2026 gab die Stiftung Preußischer Kulturbesitz bekannt, dass sich die Fertigstellung erneut verschieben wird. SPK-Präsidentin Marion Ackermann erklärte, dass in Teilen des Rohbaus erhebliche Feuchtigkeitsschäden festgestellt worden seien.

Betroffen sind insbesondere Bereiche der Untergeschosse. Dort wurden Schäden an Böden, Wänden und Decken registriert. Zusätzlich trat mikrobieller Befall auf, der unter anderem durch Schimmelpilze verursacht werden kann.

Nach Angaben der Stiftung stehen die Probleme unter anderem im Zusammenhang mit hoher Luftfeuchtigkeit sowie den außergewöhnlichen Starkregenereignissen in der zweiten Hälfte des Jahres 2025.

Blick auf die Baustelle von Berlin Modern im August 2025. Zu diesem Zeitpunkt liefen die Hochbauarbeiten am künftigen Museum des 20. Jahrhunderts, dessen Fertigstellung inzwischen für frühestens 2030 erwartet wird.

Das konservatorische K.-o.-Kriterium

Warum wiegt Feuchtigkeit in einem Museum so viel schwerer als bei anderen Gebäudetypen? Organische Materialien wie Papier, Holz, Leinwände oder Fotografien reagieren empfindlich auf klimatische Instabilitäten. Bevor auch nur ein einziges Kunstwerk in ein Gebäude einziehen darf, müssen sämtliche Bauteile vollständig ausgetrocknet sein. Zudem muss die Gebäudetechnik über längere Zeiträume stabile Klimabedingungen nachweisen.

Ein mikrobieller Befall in Bereichen, die später als Depot- oder Technikflächen dienen sollen, stellt deshalb ein besonders ernstes Problem dar. Die aktuellen Schäden betreffen nicht nur den Bauablauf, sondern unmittelbar die spätere Nutzung des Museums.

Ein kompletter Baustopp konnte zwar vermieden werden. Dennoch dürften die notwendigen Untersuchungen, Sanierungen und Kontrollmaßnahmen den weiteren Terminplan erheblich beeinflussen.

Aus 364 Millionen wurden 507 Millionen Euro

Parallel zu den Terminverschiebungen sind auch die Kosten deutlich gestiegen. Während der frühen Planungsphase wurden zunächst deutlich niedrigere Budgets diskutiert. Später lag die offizielle Kostenprognose bei 364 Mio. €. Heute rechnet die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit Gesamtkosten von rund 507 Mio. €.

Neben allgemeinen Preissteigerungen im Bauwesen tragen vor allem die verlängerten Bauzeiten, zusätzliche technische Anforderungen, Risikovorsorgen sowie die aktuellen Sanierungsmaßnahmen zur Kostenentwicklung bei.

Ein Museumsbau mit Blick auf die Klimaziele von 2045

Trotz aller baubetrieblichen Schwierigkeiten verfolgt das Projekt weiterhin ambitionierte Nachhaltigkeitsziele.

Berlin Modern soll energetische Standards erfüllen, die sich an den langfristigen Klimazielen der Bundesregierung für das Jahr 2045 orientieren. Vorgesehen sind moderne Gebäudetechnik, ein optimierter Energieeinsatz und die Nutzung erneuerbarer Energien.

Gerade Museen gelten aufgrund ihrer dauerhaften Klimatisierung als energieintensive Gebäudetypen. Die Herausforderung für die Planer besteht darin, den Schutz der Kunstwerke mit einem möglichst geringen Energieverbrauch zu verbinden.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.