1 Mio. t Fels entfernt 31.07.2026, 09:00 Uhr

350 m senkrecht in den Berg: Wie EnBW ein altes Kraftwerk zum Stromspeicher umbaut

EnBW baut das Kraftwerk Forbach zum Pumpspeicher um. Herzstück sind ein 350 m tiefer Druckschacht und ein Wasserspeicher im Berg.

Baustelle Pumpspeicherkraftwerk Forbach

Die Baustelle des Pumpspeicherkraftwerks Forbach im Mai 2024. Inzwischen ist der Schacht mit einer Stahlleitung ausgekleidet und mit Beton hinterfüllt.

Foto: EnBW/ARTIS Uli Deck

Erst bohrten die Mineure ein Loch von nur 35 cm Durchmesser durch den Berg. Anschließend zogen sie einen elf Tonnen schweren Bohrkopf nach oben und erweiterten den Kanal auf 3,10 m. Inzwischen ist der rund 350 m tiefe Schacht mit einer Stahlleitung ausgekleidet und mit Beton hinterfüllt.

Damit hat der Baukonzern PORR einen der anspruchsvollsten Abschnitte beim Umbau des Rudolf-Fettweis-Werks in Forbach abgeschlossen. Der nahezu senkrechte Druckschacht wird künftig Wasser aus der Schwarzenbachtalsperre zu einer neuen Pumpturbine tief im Berg führen.

EnBW investiert rund 280 Mio. € in das Projekt. Aus dem mehr als 100 Jahre alten Wasserkraftstandort im Nordschwarzwald entsteht ein modernes Pumpspeicherkraftwerk mit unterirdischer Maschinenhalle und zusätzlichem Wasserspeicher. Die Inbetriebnahme ist für Herbst 2027 geplant.

Ein 357 m langer Druckschacht durch den Fels

PORR spricht gerundet von einem 350 m tiefen Schacht. In den technischen Projektdaten wird seine Länge mit 357 m angegeben. Er verbindet die unterirdische Kraftwerksanlage mit dem vorhandenen Wasserschloss und dem Druckstollen zur Schwarzenbachtalsperre.

Stellenangebote im Bereich Immobilien, Bau, Finanzierung

Immobilien, Bau, Finanzierung Jobs
Technische Hochschule Deggendorf-Firmenlogo
Professorin | Professor (m/w/d) für das Lehrgebiet "Nachhaltige Sanierung und Renovierung" Technische Hochschule Deggendorf
Deggendorf Zum Job 
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Fachrichtung Tiefbau, Straßenbau oder Siedlungshydrologie Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)
VDM Metals Gruppe-Firmenlogo
Qualitätsingenieur Schmiede (m|w|d) VDM Metals Gruppe
VDM Metals Gruppe-Firmenlogo
Trainee Qualitätssicherung / Technische Klärung (m|w|d) VDM Metals Gruppe
Werdohl, Altena, Unna, Dortmund, Frankfurt Zum Job 
VDM Metals Gruppe-Firmenlogo
Initiativbewerbung Ingenieure / Produktionsmitarbeiter (m|w|d) VDM Metals Gruppe
Werdohl, Altena, Unna, Dortmund, Frankfurt Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Prüfingenieur Konstruktiver Ingenieurbau / Bauwesen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
GEWOBAU Wohnungsgenossenschaft Essen eG-Firmenlogo
Assistenz der Bauleitung für die Instandhaltung und Modernisierung (m/w/d) GEWOBAU Wohnungsgenossenschaft Essen eG
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Sachbearbeiter Landschaftspflege (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Hohen Neuendorf Zum Job 
Dawonia-Firmenlogo
Techniker Propertymanagement (m/w/d) in der Immobilienwirtschaft Dawonia
München Zum Job 
AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH-Firmenlogo
Sachgebietsleiter Bau (m/w/d) AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH
AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH
Kreisausschuss des Hochtaunuskreises-Firmenlogo
Ingenieur Sicherheitstechnik / Brandschutzingenieur (m/w/d) für den vorbeugenden Brandschutz Kreisausschuss des Hochtaunuskreises
Bad Homburg v. d. Höhe Zum Job 
AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Techniker Versorgungstechnik HLSK (m/w/d) AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH
Mannheim Zum Job 
RheinNetz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur KRITIS-Gebäudetechnik (m/w/d) RheinNetz GmbH
sanotact GmbH-Firmenlogo
Verpackungsingenieur (m/w/d) QM, QS sanotact GmbH
Münster Zum Job 
Stadtwerke Rastatt GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Bauingenieur oder Versorgungsingenieur Stadtwerke Rastatt GmbH
Rastatt Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur als Bauwerksprüfer (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Fachingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Werner Sobek AG-Firmenlogo
Projektingenieure / Projektleiter Gebäude- / Versorgungstechnik (m/w/d) Werner Sobek AG
Frankfurt, Stuttgart, Weinheim, Mannheim Zum Job 

Für den Ausbruch nutzten die Tunnelbauer das Raise-Boring-Verfahren. Zunächst wurde von oben eine rund 35 cm breite Pilotbohrung bis zur bereits ausgebrochenen Schachtfußkaverne geführt. Dort montierten die Arbeiter einen rund elf Tonnen schweren Bohrkopf.

Dieser wurde rotierend nach oben gezogen und weitete das Pilotloch auf etwa 3,10 m auf. Das gelöste Gestein fiel nach unten und konnte von dort über das Stollensystem abtransportiert werden.

Anschließend setzten die Arbeiter die Stahlpanzerung des Schachts ein. Der Ringraum zwischen Stahlleitung und Schachtwand wurde mit Beton verfüllt. Mitte Juli 2026 waren diese Arbeiten abgeschlossen. Auch die Stahlpanzerungen in den Oberwasserwegen des Schwarzenbach- und des Murgwerks sind nach Angaben von PORR vollständig eingebaut und gesichert.

Am Schachtfuß herrscht ein Druck von rund 35 bar

Die Fallhöhe des Schwarzenbachwerks beträgt rund 357 m. Ohne Strömungsverluste entspricht das rechnerisch einem statischen Wasserdruck von etwa 35 bar am unteren Ende der Leitung.

Hinzu kommen wechselnde Belastungen im Betrieb. Wird die Pumpturbine gestartet, gestoppt oder zwischen Pump- und Turbinenbetrieb umgeschaltet, verändert sich die Strömung in den Wasserwegen. Das Wasserschloss gleicht dabei Wassermengen aus und begrenzt Druckschwankungen im Triebwassersystem.

Die Stahlpanzerung muss den Innendruck dauerhaft aufnehmen und zugleich dicht bleiben. Der Druckschacht ist deshalb nicht nur eine Verbindung zwischen Stausee und Turbine, sondern eines der zentralen Bauteile des neuen Kraftwerks.

Blick auf die Baustelle im Mai 2026. Die Betonarbeiten in den unterirdischen Kavernen sind im vollem Gange. Foto: Porr

Eine 42 m hohe Maschinenhalle entsteht im Berg

Der Schacht endet nicht in einem gewöhnlichen Kraftwerksgebäude. Die neue Maschinentechnik wird vollständig in einer Kaverne untergebracht.

Die unterirdische Halle ist etwa:

  • 123 m lang,
  • 20 m breit,
  • 42 m hoch.

Sie ist damit länger als ein Fußballfeld und etwa so hoch wie ein 14-geschossiges Gebäude. In der Kaverne entstehen das neue Schwarzenbachwerk, das Murgwerk sowie die erforderlichen Transformatoren- und Nebenanlagen.

Das Gesamtprojekt umfasst rund 5,3 km Ausbruchstrecke. Etwa 4,7 km davon entfallen auf Stollen. Neben dem Druckschacht des Schwarzenbachwerks wird ein zweiter, rund 153 m langer Schacht für das Murgwerk gebaut.

Das alte Werk konnte bereits Wasser hochpumpen

Ganz neu ist das Prinzip der Speicherung in Forbach nicht. Das Rudolf-Fettweis-Werk vereinte schon bisher Laufwasser-, Speicher- und Pumpspeicherbetrieb.

Die Schwarzenbachtalsperre diente als Wasserspeicher. Das Schwarzenbachwerk verfügte über 43 MW Turbinenleistung und 20 MW Pumpleistung. Zusätzlich wurde Wasser aus dem Bereich Kirschbaumwasen zur Schwarzenbachtalsperre hochgepumpt.

Ein geschlossener Kreislauf zwischen dem Ausgleichsbecken im Tal und der Schwarzenbachtalsperre war jedoch nicht möglich. Nach der Stromerzeugung floss das Wasser über das Ausgleichsbecken weiter in die Murg.

Das ändert die neue Unterstufe. Künftig wird das Wasser nach dem Turbinenbetrieb im Ausgleichsbecken und in einem zusätzlichen Kavernenspeicher gesammelt. Von dort kann die Pumpturbine es wieder in die Schwarzenbachtalsperre fördern. Dasselbe Wasser lässt sich dadurch wiederholt zur Stromerzeugung nutzen.

Das Schachtbauwerk im Mai 2026. Foto: Porr

200.000 m³ zusätzlicher Speicherraum

Für den neuen Wasserspeicher wird kein weiteres großes Becken an der Oberfläche gebaut. Stattdessen nutzt EnBW ein verzweigtes Stollensystem im Berg.

Ein Hauptstollen verbindet die Anlage mit dem bestehenden Ausgleichsbecken in Forbach. Sechs Nebenstollen dienen als zusätzlicher Speicherraum. Zusammen können sie rund 200.000 m³ Wasser aufnehmen.

Das vorhandene Ausgleichsbecken verfügt über ein Nutzvolumen von 204.000 m³. Für den Pumpbetrieb stehen damit künftig insgesamt rund 400.000 m³ Wasser im Unterbecken zur Verfügung.

Die Schwarzenbachtalsperre bleibt das Oberbecken. Sie kann bis zu 14 Mio. m³ Wasser aufnehmen, wird für den täglichen Pumpspeicherzyklus jedoch nur innerhalb eines begrenzten Betriebsbereichs genutzt.

So funktioniert die neue Pumpturbine

Das Schwarzenbachwerk erhält eine reversible Pumpturbine. Im Turbinenbetrieb strömt das Wasser aus der Schwarzenbachtalsperre durch den Druckstollen und den neuen Schacht nach unten. Dabei treibt es Turbine und Generator an.

Im Pumpbetrieb läuft der Vorgang umgekehrt. Der Generator arbeitet als Elektromotor und treibt die Pumpturbine an. Diese fördert das Wasser aus dem Unterbecken zurück in die Schwarzenbachtalsperre.

Die Maschine wird tief in der Kaverne angeordnet. Dadurch steht an ihrem Eintritt ein ausreichender Wasserdruck zur Verfügung. Das senkt das Risiko von Kavitation: Sinkt der Druck lokal zu stark ab, können sich Dampfblasen bilden, die beim Zusammenfallen Laufräder und Gehäuse beschädigen.

57 MW zum Pumpen und 54 MW zum Turbinieren

Im Turbinenbetrieb soll das neue Schwarzenbachwerk rund 54 MW leisten. Im Pumpbetrieb kann es bis zu 57 MW elektrische Leistung aufnehmen. Das Murgwerk steuert künftig rund 22 MW Erzeugungsleistung bei.

Für die neue Unterstufe nennt EnBW einen Energieinhalt von rund 456 MWh pro Speicherzyklus. Bei der Betriebsdauer sind die veröffentlichten Angaben nicht einheitlich: Auf der Projektseite ist von sieben Stunden Turbinenbetrieb die Rede, in der EnBW-Pressemappe von rund acht Stunden. Warum die Angaben voneinander abweichen, erläutert das Unternehmen dort nicht.

Belastbar ist damit vor allem die Größenordnung: Forbach wird Energie für mehrere Stunden verschieben können. Der Speicher ist für den Ausgleich innerhalb eines Tages gedacht – etwa um Strom bei hoher Wind- oder Solarstromerzeugung aufzunehmen und ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder bereitzustellen.

Der gesamte Felshohlraum ist ausgebrochen

Die Spreng- und Ausbruchsarbeiten unter Tage sind bereits beendet. Am 2. Februar 2026 erreichten die Mineure das Ende des letzten Nebenstollens im Kavernenwasserspeicher. Damit waren sämtliche unterirdischen Bauwerke vollständig ausgebrochen.

Insgesamt fielen nach Angaben von EnBW etwa 1 Mio. t Ausbruchsmaterial an. Während der Vortriebsarbeiten transportierten zeitweise bis zu 200 Lkw pro Tag das Gestein zu einem rund 3,5 km entfernten Steinbruch.

Inzwischen konzentrieren sich die Arbeiten auf den Massivbau, die Stahlwasserbauteile und die technische Ausrüstung. In der Kraftwerkskaverne werden Betonbauteile hergestellt und erste Komponenten der Maschinentechnik montiert.

entleerte Schwarzenbachtalsperre
Luftbild von der Schwarzenbachtalsperre bei Forbach wurde im April 2026 für umfangreiche Revisions- und Erweiterungsarbeiten fast vollständig entleert. Foto: picture alliance / imageBROKER | Markus Keller

Schwarzenbachtalsperre bleibt bis Oktober 2026 leer

Parallel zum Kraftwerksbau wird die Schwarzenbachtalsperre umfassend überholt. Dafür hat EnBW den Stausee im Frühjahr 2026 vollständig entleert – erst zum vierten Mal seit seiner Fertigstellung vor rund 100 Jahren.

Bis Oktober sollen unter anderem Verschlussvorrichtungen erneuert sowie Beton- und Metallteile instand gesetzt werden. Die Arbeiten sind notwendig, damit die Talsperre später sicher als Oberbecken des neuen Pumpspeicherkraftwerks genutzt werden kann.

Nach Abschluss der Revision soll sie wieder gefüllt werden. EnBW hält bislang an dem Ziel fest, das neue Kraftwerk im Herbst 2027 in Betrieb zu nehmen. Die gesamten Bauarbeiten sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

Bestehende Infrastruktur spart einen kompletten Neubau

Forbach zeigt, wie sich ein historischer Wasserkraftstandort weiterentwickeln lässt, ohne ein vollständig neues Pumpspeicherkraftwerk zu errichten. Die Schwarzenbachtalsperre, vorhandene Wasserfassungen, Teile der Stollenanlage, das Ausgleichsbecken und die Netzanbindung können weitergenutzt werden.

Neu gebaut werden vor allem jene Komponenten, die für den geschlossenen Pumpspeicherbetrieb fehlen: das Kavernenkraftwerk, der unterirdische Wasserspeicher, die Druckschächte und die neue Maschinentechnik.

Oberirdisch bleibt das denkmalgeschützte alte Kraftwerkshaus erhalten. Das technische Zentrum des Standorts verlagert sich jedoch in den Berg. Dort verbinden künftig rund 5 km Stollen, zwei Druckschächte, eine 42 m hohe Maschinenhalle und ein 200.000-m³-Speicher das historische Kraftwerk mit einem neuen Betriebsmodell.

Quellen:

Aktueller Baufortschritt

Technik und Leistungsdaten

Schwarzenbachtalsperre

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.