Lösung gegen urbane Hitze? 04.08.2026, 12:00 Uhr

3D-gedruckte Keramikwand kühlt ihre Umgebung um knapp 7 °C

Eine Keramikwand aus dem 3D-Drucker kühlt Luft durch Verdunstung um fast 7 °C. Doch der Laborwert hat klare Grenzen.

Milena Stavric vom Institut für Architektur und Medien der TU Graz mit einem kühlenden Keramikwürfel

Milena Stavric vom Institut für Architektur und Medien der TU Graz mit einem kühlenden Keramikwürfel.

Foto: Lunghammer - TU Graz

Eine Wand aus porösen Keramikwürfeln soll Räume und öffentliche Plätze mit wenig Strom kühlen. Forschende der Technischen Universität Graz setzen dafür auf Verdunstung, 3D-Druck und eine besonders große innere Oberfläche. Im Labor sank die Lufttemperatur um bis zu 6,95 °C. Noch handelt es sich jedoch um einen Versuchsaufbau – nicht um einen Ersatz für eine Klimaanlage.

Wasser entzieht der Luft Wärme

Das Grundprinzip ist seit Jahrhunderten bekannt. Verdunstet Wasser, nimmt es Wärme aus seiner Umgebung auf. Dadurch sinkt die Temperatur der vorbeiströmenden Luft. Traditionelle Tonkrüge nutzen diesen Effekt ebenso wie Windtürme in trockenen Regionen.

„Das funktioniert schon seit Jahrhunderten bei Tonkrügen ebenso wie in traditionellen Windtürmen“, sagt Milena Stavric vom Institut für Architektur und Medien der TU Graz.

Stellenangebote im Bereich Immobilien, Bau, Finanzierung

Immobilien, Bau, Finanzierung Jobs
DSB Säurebau GmbH-Firmenlogo
Montageleiter In- und Ausland (m/w/d) DSB Säurebau GmbH
Königswinter Zum Job 
über EHRENBRECHT Personal- und Projektmanagement-Firmenlogo
Projektleiter / Bauleiter Tiefbau (m/w/d) im Bereich Telekommunikation über EHRENBRECHT Personal- und Projektmanagement
Schwäbisch Hall Zum Job 
EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Trainee im Bereich Qualitätssicherung (m/w/d) EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG
Velbert Zum Job 
Steuler Services GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projekt- und Facilitymanager (m/w/d) Gebäudemanagement und Infrastruktur Steuler Services GmbH & Co. KG
Höhr-Grenzhausen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Planung von Ingenieurbauwerken Die Autobahn GmbH des Bundes
NEOPERL GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker (m/w/d) Elektrotechnik / Automatisierungstechnik NEOPERL GmbH
Müllheim Zum Job 
N-ERGIE Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Projektplaner Versorgungsnetze Fernwärme (m/w/d) N-ERGIE Aktiengesellschaft
Nürnberg Zum Job 
FERNSTEUERGERÄTE Kurt Oelsch GmbH-Firmenlogo
Montageleiter (w/m/d) FERNSTEUERGERÄTE Kurt Oelsch GmbH
UKM Universitätsklinikum Düsseldorf Medical Services GmbH-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) HKLS / Versorgungstechnik UKM Universitätsklinikum Düsseldorf Medical Services GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Maximator Hydrogen GmbH-Firmenlogo
Elektrokonstrukteur EPLAN P8 - Anlagenbau (m/w/d) Maximator Hydrogen GmbH
Nordhausen Zum Job 
Stadtverwaltung Gera-Firmenlogo
Projektingenieure (m/w/d) Stadtverwaltung Gera
WOLFF & MÜLLER-Firmenlogo
Oberbauleiter Hochbau (w/m/d) WOLFF & MÜLLER
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur Konstruktion und Entwicklung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Autoland AG-Firmenlogo
Oberbauleiter Tiefbau / Dipl. Ing. Tiefbau (m/w/d) Autoland AG
Sandersdorf-Brehna Zum Job 
Technische Hochschule Deggendorf-Firmenlogo
Professorin | Professor (m/w/d) für das Lehrgebiet "Nachhaltige Sanierung und Renovierung" Technische Hochschule Deggendorf
Deggendorf Zum Job 
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Fachrichtung Tiefbau, Straßenbau oder Siedlungshydrologie Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)
VDM Metals Gruppe-Firmenlogo
Qualitätsingenieur Schmiede (m|w|d) VDM Metals Gruppe
VDM Metals Gruppe-Firmenlogo
Trainee Qualitätssicherung / Technische Klärung (m|w|d) VDM Metals Gruppe
Werdohl, Altena, Unna, Dortmund, Frankfurt Zum Job 
VDM Metals Gruppe-Firmenlogo
Initiativbewerbung Ingenieure / Produktionsmitarbeiter (m|w|d) VDM Metals Gruppe
Werdohl, Altena, Unna, Dortmund, Frankfurt Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Prüfingenieur Konstruktiver Ingenieurbau / Bauwesen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 

Neu ist vor allem die Form der Keramikelemente. Die Würfel messen rund 23 cm pro Seite und entstehen Schicht für Schicht im 3D-Drucker. Ihre verzweigten Hohlräume vergrößern die Fläche, die mit Wasser und Luft in Kontakt kommt. Je mehr Wasser auf dieser Fläche verdunsten kann, desto stärker fällt grundsätzlich die Kühlung aus.

Komplexe Geometrie vergrößert die Oberfläche

Die Forschenden verwenden sogenannte Triply Periodic Minimal Surfaces, kurz TPMS. Dabei handelt es sich um mathematisch erzeugte Flächen, die sich in alle drei Raumrichtungen wiederholen. Sie bilden ein zusammenhängendes Netz aus Öffnungen und Kanälen.

Für die Anwendung hat diese Geometrie mehrere Vorteile:

  • Sie bietet eine große Oberfläche bei vergleichsweise geringem Materialbedarf.
  • Luft kann durch die offenen Kanäle strömen.
  • Die poröse Keramik saugt Wasser durch Kapillarkräfte auf.
  • Das Wasser verteilt sich über weite Teile des Bauteils.

Die gedruckten Elemente werden bei niedriger Temperatur gebrannt. Dadurch bleibt der Ton vergleichsweise porös. Das Projektteam mischt dem Material außerdem Holzspäne bei. Sie verbrennen beim Brennen und hinterlassen größere Poren.

Für feinere Poren experimentiert das Team mit Pilzmyzel. Vor dem Brennen wächst das fadenförmige Geflecht durch die Tonmischung. Im Ofen verbrennt es und hinterlässt ein Netz aus feinen Hohlräumen. Die Kombination aus kleinen und großen Poren soll den Wassertransport innerhalb der Keramik verbessern.

Eine kühlende Wand aus den 3D-gedruckten Würfeln steht am Campus Neue Technik der TU Graz. Foto: Lunghammer – TU Graz

Was hinter dem Wert von 6,95 °C steckt

Die öffentlich zugängliche Projektbeschreibung nennt eine maximale Abkühlung der Luft um 6,95 °C. Die Messung fand unter streng kontrollierten Laborbedingungen statt. Der Versuchsaufbau benötigte weniger als 9 W elektrische Leistung. Als Kühleffizienz gibt die TU Graz 66,5 % an.

Der Wert darf jedoch nicht mit einer Absenkung der Temperatur im gesamten Raum verwechselt werden. Die Pressemitteilung spricht von einer Messung „in unmittelbarer Umgebung“ eines mit Wasser versorgten Würfels. Kristijan Ristoski, der das System im Rahmen seiner Masterarbeit entwickelte, berichtet zugleich: „Im gesamten Raum war die Kühlwirkung deutlich spürbar.“ Eine quantifizierte Messung der mittleren Raumtemperatur nennt die TU Graz nicht.

Auch die Luftfeuchtigkeit steigt. Laut Projektbeschreibung nahm die relative Luftfeuchtigkeit im Versuch um 39,04 % zu. Ob damit Prozentpunkte oder eine relative Veränderung gemeint sind, wird nicht erläutert. Dieser Aspekt ist relevant, weil Verdunstungskühlung bei trockener Luft besser funktioniert als bei hoher Luftfeuchtigkeit.

Kein Ersatz für jede Klimaanlage

Die Keramikwand benötigt Wasser und eine Luftbewegung durch die feuchten Strukturen. Ihre Leistung hängt daher von mehreren Bedingungen ab:

  • Temperatur und Luftfeuchtigkeit
  • Geschwindigkeit der durchströmenden Luft
  • Größe und Anzahl der Keramikelemente
  • verfügbare Wassermenge
  • Abstand zwischen Wand und Aufenthaltsbereich

Daten zum Wasserverbrauch, zur Kühlleistung einer vollständigen Wand, zu Herstellungskosten oder zum langfristigen Betrieb liegen bislang nicht öffentlich vor. Auch Fragen zu Verkalkung, Reinigung, Frostbeständigkeit und hygienischem Betrieb müssen vor einer breiten Anwendung geklärt werden. Das laufende Proof-of-Concept-Projekt ist bis September 2026 angesetzt.

2 m hohe Wand steht in Graz

Am Campus Neue Technik der TU Graz steht inzwischen eine freistehende Demonstrationswand mit einer Größe von 2 × 2 m. Eine weitere Installation zeigt das Museum der Wahrnehmung in Graz. Die Forschenden sehen mögliche Einsatzorte in Gebäuden, Schulen, Wartebereichen und auf öffentlichen Plätzen.

Ob daraus ein belastbares Kühlsystem für Gebäude wird, müssen weitere Messungen zeigen. Der bisherige Versuch belegt zunächst, dass die porösen Keramikelemente vorbeiströmende Luft deutlich abkühlen können. Wie stark sich damit ganze Räume oder Außenbereiche temperieren lassen, ist noch offen.

Quellen

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.