Fast 100 Jahre alte Fundamente im Weg: So wird Oldenburgs neue Hubbrücke gebaut
Alte Fundamente, Bohrpfähle mit Faseroptik und 4,95 m Hubhöhe: Neue Ausschreibungen zeigen, wie Oldenburgs Cäcilienbrücke gebaut wird.
Hier klafft weiterhin eine Lücke: Die abgerissene Cäcilienbrücke stellte eine wichtige Verbindung zwischen Osternburg und der Innenstadt dar. Der Ersatzneubau nimmt nun konkrete Züge an.
Foto: Stadt Oldenburg
Seit 2020 fehlt die Cäcilienbrücke in Oldenburg. Nun wird konkret, wie ihr Ersatz gebaut werden soll. Noch bevor die neue Hubbrücke entsteht, müssen Bauleute durch die verbliebenen Gründungen des fast 100 Jahre alten Vorgängerbauwerks bohren. Danach folgen Bohrpfähle, Spundwände und Ankerpfähle. Ein faseroptisches Messsystem soll dabei Daten aus der neuen Gründung liefern.
Eine am 20. August 2026 veröffentlichte Ausschreibung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Weser-Jade-Nordsee für Bauoberleitung und Bauüberwachung liefert neue Details. Die eigentlichen Bauleistungen sind bereits seit dem 10. Juli ausgeschrieben. Zusammen zeigen die Vergabeunterlagen, was auf der Baustelle am Küstenkanal geplant ist.
Inhaltsverzeichnis
- Räumungsbohrungen treffen auf die alte Brückengründung.
- Bohrpfähle, Spundwände und Ankerpfähle
- Faseroptik überwacht die Bohrpfähle
- Die neue Brücke lässt sich um bis zu 4,95 m anheben
- Sechs Leerrohre verlaufen unter der Kanalsohle
- Behelfsbrücke muss ebenfalls wieder verschwinden
- 33 Monate Bauzeit vorgesehen
Räumungsbohrungen treffen auf die alte Brückengründung.
Oberirdisch ist von der 1927 errichteten Cäcilienbrücke inzwischen nur noch wenig übrig. Wegen umfangreicher Schäden begann im Jahr 2020 der Abbau. Die vier Brückentürme wurden bis August 2025 zurückgebaut.
Im Untergrund sind Teile des alten Bauwerks dagegen weiterhin vorhanden. In der neuen Ausschreibung werden „Räumungsbohrungen bei den verbliebenen Fundamenten und Bestandsgründungen” sowie der Abbruch vorhandener Kellergeschosse ausdrücklich genannt.
Bei diesen Räumungsbohrungen werden Hindernisse in den für die neuen Arbeiten benötigten Bereichen des Untergrunds beseitigt. Die alten Fundamente müssen also nicht zwangsläufig als komplette Betonblöcke ausgegraben werden. Entscheidend ist, dass störende Bestandteile den folgenden Spezialtiefbau nicht behindern.
Zuvor soll eine temporäre Lärmschutzwand errichtet und die vorhandene Spundwand vorübergehend rückverankert werden.

Bohrpfähle, Spundwände und Ankerpfähle
Danach beginnt der Spezialtiefbau mit Bohrpfählen, Spundwänden und Ankerpfählen. In der Ausschreibung für die Bauleistungen sind Bohrpfähle, Spundwände und eine Rückverankerung mit Ankerpfählen genannt. Hinzu kommen Baugrubenverbau, Wasserhaltung, Böschungssicherung sowie Bodenanalysen und -entsorgung.
Auch neue Uferwände gehören zum Projekt. Sie sollen einerseits die Standsicherheit der Ufer gewährleisten. Andererseits schützen sie das künftige Brückenbauwerk gegen Schiffsanprall.
Dies ist nur ein Teil der Arbeiten, die unmittelbar am Wasser durchgeführt werden. Ausgeschrieben sind außerdem Nassbagger- und Erdarbeiten sowie Sohlsicherungs- und Dükerarbeiten.
Faseroptik überwacht die Bohrpfähle
Bei der verteilten faseroptischen Messtechnik dient die Glasfaser selbst als Sensor. Entlang der Faser lassen sich beispielsweise Dehnungen erfassen. Damit können Veränderungen nicht nur an einzelnen Messpunkten, sondern entlang eines größeren Bauteilbereichs beobachtet werden.
Welche konkrete Messaufgabe das System an der Cäcilienbrücke übernehmen soll, wird in der Ausschreibung nicht näher beschrieben. Die Tatsache, dass die Messtechnik ein eigener Bestandteil des ausgeschriebenen Spezialtiefbaus ist, zeigt jedoch, dass die Gründung während des Projekts instrumentiert werden soll.

Die neue Brücke lässt sich um bis zu 4,95 m anheben
Über den neuen Gründungen und Uferbauwerken entsteht erneut eine Hubbrücke. Dabei wird der Überbau für die Durchfahrt von Schiffen waagerecht nach oben bewegt.
Die Planfeststellungsunterlagen nennen dafür konkrete Werte. So soll die Brückenunterkante im angehobenen Zustand eine Höhe von NN +8,15 m bzw. NN +8,55 m erreichen. Vorgesehen sind Hubhöhen von 4,55 m bzw. 4,95 m. Die Brücke überspannt den Küstenkanal bei Kilometer 0,837, der in diesem Oldenburger Abschnitt zum kanalisierten Verlauf der Hunte gehört und eine Bundeswasserstraße ist.
Zur Bauleistung gehören neben dem Stahlbrückenbau auch der Korrosionsschutz, die Verkehrstechnik sowie die Antriebs- und Elektrotechnik. Außerdem sind Steuerung und Fernbedienung der beweglichen Brücke sowie die maschinenbautechnische und hydraulische Ausrüstung einschließlich Montage, Inbetriebnahme und Probebetrieb ausgeschrieben.
Sechs Leerrohre verlaufen unter der Kanalsohle
Nicht alle technischen Anlagen verlaufen über die Brücke. Bestandteil der genehmigten Planung ist auch ein Kabeldüker unter dem Gewässer.
Unter der Kanalsohle sollen sechs Leerrohre verlegt werden, durch die später Leitungen geführt werden können. Außerdem ist ein neues Betriebsgebäude vorgesehen. Dieses soll unter anderem einen Betriebsraum, Sanitäreinrichtungen, ein Lager und eine Werkstatt aufnehmen.
Die Planfeststellung umfasst darüber hinaus neue Uferspundwände sowie die Ertüchtigung und Erhöhung vorhandener Spundwände einschließlich ihrer Verankerungen.
Behelfsbrücke muss ebenfalls wieder verschwinden
Bis der Neubau fertig ist, existiert etwa hundert Meter von der alten Brücke entfernt eine feste Behelfsbrücke. Sie gehört ebenfalls zum Bauprojekt und soll nach Fertigstellung der neuen Cäcilienbrücke zurückgebaut werden.
Gerade für die Schifffahrt ist die Rückkehr einer beweglichen Querung von Bedeutung. Die frühere Cäcilienbrücke konnte für passierende Schiffe angehoben werden. Seit ihrem Abbau steht an dieser Stelle keine bewegliche Straßenbrücke mehr zur Verfügung.
Im Juni stand der Neubau noch auf der Kippe. Dass jetzt bereits die Bauüberwachung ausgeschrieben wird, war vor wenigen Wochen keineswegs sicher. Mitte Juni 2026 hatte das Bundesverkehrsministerium den Ersatzneubau wegen fehlender Haushaltsmittel zunächst auf unbestimmte Zeit zurückgestellt.
Nach der Entscheidung, zusätzliche Mittel für Erhaltungs- und Ersatzmaßnahmen an Bundeswasserstraßen aus dem Infrastruktur-Sondervermögen bereitzustellen, folgte jedoch die Kehrtwende. Am 10. Juli wurde die Ausschreibung der Bauleistung veröffentlicht. Der Planfeststellungsbeschluss liegt bereits seit März 2023 vor.
33 Monate Bauzeit vorgesehen
Die Bauausschreibung läuft noch bis zum 13. Oktober 2026, der Auftrag soll nach Angaben der Stadt Oldenburg bis Ende des Jahres vergeben werden. Läuft das Verfahren nach Plan, könnte der Bau im zweiten Quartal 2027 beginnen.
Für die Bauleistung sind 33 Monate vorgesehen. Der NDR nennt derzeit 2029 als mögliches Fertigstellungsjahr. Die Kosten werden dem Bericht zufolge auf rund 27 Millionen Euro geschätzt.
Quellen
- Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser-Jade-Nordsee: Ausschreibung Bauoberleitung und Bauüberwachung für den Ersatzneubau der Cäcilienbrücke, veröffentlicht am 20. August 2026.
- Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser-Jade-Nordsee: Ausschreibung der Bauleistungen für den Ersatzneubau, veröffentlicht am 10. Juli 2026.
- Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt / UVP-Portal des Bundes: Planfeststellungsverfahren zum Ersatzneubau der Cäcilienbrücke.
- Stadt Oldenburg: „Weg für Neubau der Cäcilienbrücke ist frei“, zuletzt aktualisiert am 6. August 2026; NDR: „Neubau der Cäcilienbrücke in Oldenburg kommt nun doch“, 9. Juli 2026.
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