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625 Mio. € für 32 km: Donauausbau soll Frachter durch Niedrigwasser bringen

13. August 2026

Frachter fährt auf der Donau in Bayern
Ein Frachter auf der Donau: Der Ausbau zwischen Deggendorf und Vilshofen soll Schiffen bei Niedrigwasser künftig 20 cm mehr Abladetiefe ermöglichen. Das entspricht rund 200 t zusätzlicher Ladung pro Schiff. Foto: picture alliance / imageBROKER | Fotografie Lisa + Wilfried Bahnm
Für 625 Mio. € wird die Donau zwischen Deggendorf und Vilshofen ausgebaut. 20 cm mehr Abladetiefe sollen Frachtern bei Niedrigwasser helfen.
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Die Donau führt derzeit so wenig Wasser, dass die Binnenschifffahrt in Bayern stark eingeschränkt ist. Frachter können nur einen Teil ihrer üblichen Ladung aufnehmen, teilweise kommt der Verkehr nahezu zum Erliegen. Genau in dieser Situation rückt ein großes Wasserbauprojekt in Niederbayern in den Fokus: Zwischen Deggendorf und Vilshofen soll die Donau auf rund 32 km so ausgebaut werden, dass Schiffe auch bei niedrigen Wasserständen mehr laden können.

Neu beschlossen wurde das Projekt wegen der aktuellen Trockenheit allerdings nicht. Der Planfeststellungsbeschluss liegt seit April 2026 vor, die Vorbereitungen laufen. Erste Bauarbeiten sollen noch im Herbst beginnen. Das Niedrigwasser verschärft vielmehr die Diskussion darüber, wie widerstandsfähig Deutschlands Wasserstraßen gegenüber längeren Trockenperioden werden können.

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Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter drängt deshalb auf eine schnelle Umsetzung. Nach einer Abstimmung der Verkehrsminister von Bund und Ländern forderte er, flussbauliche Maßnahmen zur Verbesserung der Abladetiefe zügig voranzutreiben. Gleichzeitig räumt er ein, dass auch Schiffe mit geringerem Tiefgang gebraucht werden.

20 cm mehr Abladetiefe bringen rund 200 t zusätzliche Ladung

Ziel des Ausbaus ist nicht, die Donau einfach über 32 km gleichmäßig tiefer auszubaggern. Geplant ist eine Kombination verschiedener flussbaulicher Maßnahmen.

Nach Abschluss des Gesamtprojekts sollen Frachtschiffe bei Niedrigwasser durchgehend 20 cm mehr Abladetiefe nutzen können. Nach Angaben der Projektgesellschaft entspricht das bei einem typischen Güterschiff einer zusätzlichen Ladung von rund 200 t.

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Abladetiefe bezeichnet dabei, wie tief ein beladenes Schiff unter den jeweiligen Bedingungen eintauchen kann. 20 cm mehr Abladetiefe bedeuten also nicht, dass künftig 20 cm mehr Wasser in der Donau stehen. Die Fahrrinne wird vielmehr so gestaltet, dass die vorhandene Wassertiefe für die Schifffahrt besser genutzt werden kann.

Auf bereits ausgebauten Abschnitten zwischen Straubing und Deggendorf soll dadurch eine Abladetiefe von 2,50 m durchschnittlich an etwa 200 Tagen im Jahr verfügbar sein.

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41 neue Buhnen sollen die Strömung lenken

Wie groß der Eingriff wird, zeigen die Planfeststellungsunterlagen. Zwischen Deggendorf und Vilshofen sollen 41 neue Buhnen gebaut und 78 bestehende Buhnen angepasst werden. Sie ragen vom Ufer in den Fluss und konzentrieren einen größeren Teil der Strömung auf die Fahrrinne.

Hinzu kommen sechs neue und fünf angepasste Parallelwerke sowie sieben Ufervorschüttungen. Auf rund 52,6 ha Flusssohle ist ein Sohlabtrag vorgesehen. Dabei sollen etwa 139.000 m³ Material entfernt werden. Auf weiteren knapp 30 ha sind Maßnahmen zur Sicherung der Flusssohle geplant.

Damit unterscheidet sich der Ausbau deutlich von einer einfachen Fahrrinnenvertiefung. Durch die Regelungsbauwerke soll der Wasserstand bei niedrigen Abflüssen teilweise gestützt und die Strömung gezielt geführt werden.

Neue Staustufen sind nicht vorgesehen. Der Abschnitt zwischen Straubing und Vilshofen gehört zu den letzten längeren frei fließenden Donauabschnitten in Deutschland.

625 Mio. €, aber nur ein Teil fließt in die Wasserstraße

Die veranschlagten Kosten des Abschnitts Deggendorf–Vilshofen liegen bei rund 625 Mio. €, Preisstand Juli 2024. Darin enthalten sind nicht nur die Arbeiten an der Wasserstraße, sondern auch Hochwasserschutz, ökologische Maßnahmen, Grunderwerb und Planung.

Nach Angaben der Projektgesellschaft entfallen davon rund 105 Mio. € auf den eigentlichen Wasserstraßenausbau. Rund 350 Mio. € werden dem Hochwasserschutz zugerechnet, weitere 170 Mio. € den ökologischen Ausgleichsmaßnahmen. Der Ausbau ist damit gleichzeitig ein großes Hochwasserschutzprojekt.

30 km Deiche werden neu gebaut oder erhöht

Während die Schifffahrt vor allem unter zu wenig Wasser leidet, müssen die Gemeinden entlang der Donau zugleich gegen das andere Extrem geschützt werden.

Geplant ist ein Schutz gegen ein 100-jährliches Hochwasser. Dafür sollen rund 16,5 km neue Deiche gebaut und weitere 13,5 km bestehende Deiche ausgebaut werden. Zusätzlich entstehen vier neue beziehungsweise umgebaute Schöpfwerke, eine Schöpfstelle und drei große Flutmulden.

Rund 18 km bestehende Deiche sollen zudem zurückverlegt oder abgetragen werden. Dadurch entstehen neue Deichvorländer und zusätzliche Hochwasserrückhalteräume. Die Projektplanung nennt dafür rund 28 Mio. m³ Rückhaltevolumen.

Das Projekt muss damit zwei gegensätzliche Probleme lösen: Bei Niedrigwasser soll die Donau für Frachter besser nutzbar bleiben, bei Hochwasser sollen Siedlungen und Infrastruktur besser geschützt werden.

Baurecht besteht – Baustart steht bevor

Die Planung für den zweiten Teilabschnitt läuft seit Jahren. Das Planfeststellungsverfahren begann 2018; der Planfeststellungsbeschluss wurde am 22. April 2026 erlassen und ab 18. Mai veröffentlicht. Damit besteht inzwischen Baurecht.

Vorbereitende Arbeiten haben längst begonnen. Dazu gehören Baugrundbohrungen, archäologische Untersuchungen, Rodungen, ökologische Ausgleichsmaßnahmen und die Umsiedlung geschützter Tierarten. Erste Arbeiten an zwei Massivbauwerken sollen im Herbst 2026 starten. Der eigentliche Deichbau ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen.

Die Planfeststellungsbehörde musste rund 300 Einwendungen bearbeiten. Auch die EU-Kommission war am Verfahren beteiligt.

Kritiker warnen vor Folgen für Grundwasser und Ökosystem

Der Ausbau ist umstritten. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) warnt davor, die Antwort auf sinkende Wasserstände vor allem in vertieften Fahrrinnen zu suchen.

LBV-Geschäftsführer Helmut Beran argumentiert, eine tiefere Fahrrinne schaffe kein zusätzliches Wasser. Wird die Strömung stärker auf einen kleineren Bereich konzentriert, könne sich außerdem die Tiefenerosion verstärken. Dadurch könnten auch Grundwasserstände in angrenzenden Gebieten beeinflusst werden.

Auch der emeritierte TU-München-Professor Karl Auerswald sieht Risiken für den Wasserhaushalt. Statt vor allem die Flüsse an die Schifffahrt anzupassen, müssten nach Ansicht der Kritiker stärker flachgängige Schiffe eingesetzt und Auen sowie andere natürliche Wasserspeicher gestärkt werden.

Bernreiter sieht darin allerdings keinen Widerspruch zum Donauausbau. Auch Bayern fordert mehr Schiffe mit geringem Tiefgang und entsprechende Förderprogramme von Bund und EU. Ein 110 m langes Binnenschiff mit 3000 t Ladekapazität könne nach Angaben des Ministers etwa 150 Lkw ersetzen.

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