Panamakanal fehlt Wasser, jetzt soll ein 9-km-Tunnel helfen
Der Panamakanal begrenzt ab September 2026 die Schifffahrt. Ein neuer Stausee und ein 9 km langer Tunnel sollen die Wasserversorgung in Zukunft sichern.
Millimeterarbeit im Panamakanal: Ein Schlepper unterstützt ein Containerschiff beim Einlaufen in eine der großen Neopanamax-Schleusen. Der Kanal hat aktuell mit Wassermangel zu kämpfen, weshalb die Anzahl der Durchfahrten reduziert wird.
Foto: PantherMedia / searagen
Mitten in der Regenzeit fehlt dem Panamakanal Wasser. Ab September 2026 reduziert die Kanalbehörde die Zahl der verfügbaren Transit-Slots. Das Problem steckt im Prinzip der Wasserstraße: Jedes Schiff muss mit Süßwasser rund 26 m angehoben und später wieder abgesenkt werden. Ein neuer Stausee und ein neun Kilometer langer Tunnel sollen die Versorgung langfristig stabilisieren.
Noch im Mai ging die Autoridad del Canal de Panamá (ACP) davon aus, 2026 ohne Einschränkungen auszukommen. Drei Monate später ist die Lage eine andere. Zwischen Mai und August lagen die Niederschläge im Einzugsgebiet laut Reuters rund 34 % unter dem langjährigen Mittel, die Zuflüsse in die Wasserspeicher sogar 44 % darunter.
Die Kanalbehörde reagiert ab 3. September 2026: Für die Neopanamax-Schleusen stehen dann neun tägliche Slots zur Verfügung, für die Panamax-Schleusen 25. Ab 15. September sinkt die Zahl bei Panamax auf 23. Insgesamt sind damit noch 32 reservierbare Slots pro Tag vorgesehen. Schiffe ohne bestätigte Reservierung müssen mit längeren Wartezeiten rechnen.
Gleichzeitig hat die ACP bereits angekündigte Einschränkungen beim Tiefgang nach hinten verschoben. Die Absenkung auf maximal 14,63 m soll erst am 2. September gelten, eine weitere Reduzierung auf 14,48 m wurde auf den 1. Oktober verschoben. Die Lage ist damit noch nicht mit der schweren Trockenperiode 2023 und 2024 vergleichbar. Vorsorglich reduziert Panama zunächst die Zahl der Slots.
Inhaltsverzeichnis
- Warum der Panamakanal auf Regen angewiesen ist
- Rund 208.000 m³ Wasser für einen Panamax-Transit
- Die alten Schleusen funktionieren seit mehr als 110 Jahren
- 2016 bekam der Kanal größere Schleusen
- Warum 60 % Wasserwiederverwendung nur 7 % Einsparung bringen
- 2023 wurde Wasser zum Engpass
- Río Indio: Ein neuer See soll zusätzliches Wasser liefern
- Für Anwohner hat das Milliardenprojekt Folgen
- Der Panamakanal wird weiter ausgebaut
- Beim Bau wurden rund 205 Millionen Kubikmeter Material bewegt
- Rund 25.000 Menschen starben während der Bauzeit
- Wem gehört der Panamakanal heute?
Warum der Panamakanal auf Regen angewiesen ist
Der rund 80 km lange Panamakanal funktioniert grundlegend anders als beispielsweise der Suezkanal. In Ägypten fahren die Schiffe auf Meereshöhe von einem Meer zum anderen. In Panama liegt dazwischen der Gatún-See rund 26 m über dem Meeresspiegel.
Schiffe werden deshalb in mehreren Schleusenstufen angehoben. Vom Atlantik geht es durch die Gatún-Schleusen hinauf zum See. Auf der Pazifikseite führen die Schleusen von Pedro Miguel und Miraflores wieder hinunter zum Meer.
Pumpen sind dafür bei den ursprünglichen Schleusen nicht erforderlich. Das Wasser fließt allein durch die Schwerkraft durch große Kanäle in den Schleusenwänden und unter den Kammern. In jeder Kammer verteilen zahlreiche Öffnungen das Wasser möglichst gleichmäßig.
Der Nachteil dieses Prinzips: Bei jedem Transit wird Süßwasser aus dem System in Richtung Meer abgegeben.
Rund 208.000 m³ Wasser für einen Panamax-Transit
Für einen entsprechenden Transit durch die klassischen Panamax-Schleusen werden nach Angaben der ACP rund 55 Millionen US-Gallonen Wasser bewirtschaftet. Umgerechnet sind das etwa 208.000 m³.
Das Wasser stammt aus dem Kanaleinzugsgebiet. Damit hängt die mögliche Zahl der Schiffsbewegungen direkt davon ab, wie viel Wasser durch Niederschläge und Zuflüsse nachkommt.
Und die Schifffahrt ist nicht der einzige Nutzer. Aus den Seen Gatún und Alhajuela wird nach Angaben der ACP zugleich Trinkwasser für mehr als zwei Millionen Menschen in den Provinzen Panamá, Panamá Oeste und Colón gewonnen.
Trockenperioden treffen daher zwei zentrale Funktionen gleichzeitig: die Versorgung der Bevölkerung und den Betrieb des Kanals.

Die alten Schleusen funktionieren seit mehr als 110 Jahren
Die ursprünglichen Schleusenkammern sind 304,8 m lang und 33,53 m breit. Sie wurden jeweils paarweise gebaut, sodass zwei Fahrspuren zur Verfügung stehen.
Das Wasser gelangt durch große Längskanäle in den Wänden zu Querkanälen unter dem Kammerboden. Insgesamt 100 Öffnungen je Kammer sorgen dafür, dass sie möglichst gleichmäßig gefüllt oder geleert wird.
Auch die historischen Stemmtore sind ungewöhnlich konstruiert. Ihre unteren Bereiche sind hohl und wasserdicht. Der dadurch entstehende Auftrieb verringert die Belastung der Scharniere. Geöffnet und geschlossen werden die Torflügel über Stahlstreben und große, von Elektromotoren angetriebene Zahnräder. Mehr als ein Jahrhundert später arbeitet diese Technik weiterhin.
2016 bekam der Kanal größere Schleusen
Für immer größere Frachter waren die historischen Abmessungen irgendwann zu knapp. Panama baute deshalb einen dritten Verkehrsweg mit neuen Schleusenanlagen. Am 26. Juni 2016 gingen Agua Clara auf der Atlantikseite und Cocolí am Pazifik in Betrieb.
Die Unterschiede sind erheblich:
- Panamax-Kammern: 304,8 × 33,5 m
- Neopanamax-Kammern: 427 × 55 m
- Tiefe der Neopanamax-Kammern: 18,3 m
Während die alten Schleusen Containerschiffe mit ungefähr 5.000 TEU aufnehmen können, sind die neuen Anlagen für Schiffe mit deutlich mehr als 14.000 TEU ausgelegt.
ingenieur.de hatte den Ausbau des Panamakanals bereits 2011 auf der damaligen Großbaustelle begleitet.
Warum 60 % Wasserwiederverwendung nur 7 % Einsparung bringen
Die deutlich größeren Neopanamax-Kammern verschärften zunächst ein Problem: Ihr Volumen ist größer und damit grundsätzlich auch der Wasserbedarf.
Deshalb entstanden neben den neuen Schleusen insgesamt 18 Wassersparbecken. Beim Absenken eines Schiffes wird ein Teil des Wassers nicht ins Meer abgeleitet, sondern zwischengespeichert. Beim nächsten Schleusenvorgang fließt es zurück.
Nach Angaben der ACP lassen sich dabei rund 60 % des Wassers einer Schleusung wiederverwenden. Dennoch werden für einen entsprechenden Neopanamax-Transit etwa 51 Millionen US-Gallonen beziehungsweise rund 193.000 m³ Wasser benötigt. Gegenüber einem Transit durch die alten Schleusen beträgt die Ersparnis damit nur etwa 7 %.
Der scheinbare Widerspruch erklärt sich durch die Abmessungen: Die Neopanamax-Kammern sind erheblich größer. Die Rückhaltebecken gleichen einen großen Teil dieses zusätzlichen Volumens aus, machen die Schleusung aber nicht wasserneutral.
2023 wurde Wasser zum Engpass
Wie schnell die Reserven knapp werden können, zeigte die Trockenperiode 2023 und 2024. Im Jahr 2023 fielen im Kanaleinzugsgebiet rund 30 % weniger Niederschläge als üblich. Die Wasserstände der Speicher sanken deutlich.
Die ACP reduzierte daraufhin die Zahl der Durchfahrten und begrenzte den zulässigen Tiefgang. Reedereien mussten Ladungsmengen reduzieren oder längere Wartezeiten akzeptieren. 2025 normalisierte sich der Betrieb wieder. Im Geschäftsjahr registrierte die Kanalbehörde 13.404 Transite, 19,3 % mehr als im Vorjahr.
Im Frühjahr 2026 waren die Wasserstände noch so gut, dass die ACP keine Einschränkungen plante. Die Entwicklung seit Mai zeigt allerdings, wie schnell sich die Bilanz verändern kann.
Río Indio: Ein neuer See soll zusätzliches Wasser liefern
Langfristig reicht es nicht, Schleusungen besser zu planen und Wasser mehrfach zu verwenden. Panama will deshalb einen weiteren großen Speicher schaffen.
Im Einzugsgebiet des Río Indio, westlich des bestehenden Kanalsystems, plant die ACP einen neuen Stausee. Vorgesehen sind eine Hauptstaumauer und drei kleinere Hilfsdämme. Die Hauptsperre soll als Walzbetonstaumauer ausgeführt werden. Der geplante See soll rund 4600 ha beziehungsweise 46 km² groß werden.
Technisch besonders interessant ist die Verbindung zum bestehenden System: Ein 9 km langer Tunnel mit rund 5 m Durchmesser soll Wasser vom Río-Indio-Speicher zum Gatún-See transportieren. Pumpen sind auch hier nicht vorgesehen. Aufgrund des Höhenunterschieds soll das Wasser allein durch die Schwerkraft fließen.
Die ACP beziffert die Investition derzeit auf rund 1,5 Mrd. Balboa, was aufgrund der Dollarbindung des Balboa etwa 1,5 Mrd. US-Dollar entspricht. Der Bau soll nach aktueller Planung 2027 beginnen und bis 2031 dauern.
Nach Berechnungen der Kanalbehörde könnte der neue See trotz einer etwa zehnmal kleineren Fläche eine nutzbare Speicherkapazität in einer ähnlichen Größenordnung wie der Gatún-See erreichen. Diese Angabe stammt von der ACP und hängt von den vorgesehenen Betriebswasserständen ab.
Für Anwohner hat das Milliardenprojekt Folgen
Der zusätzliche Speicher beansprucht bewohnte und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Deshalb laufen neben den technischen Untersuchungen Verfahren zur Erfassung betroffener Haushalte, Grundstücke und wirtschaftlicher Nutzungen.
Die Kanalbehörde muss damit zwei Ziele zusammenbringen: zusätzliche Wasserreserven für Bevölkerung und Schifffahrt sowie einen sozial und ökologisch vertretbaren Umgang mit dem künftigen Überflutungsgebiet.
Das Projekt ist noch nicht gebaut. Die ACP selbst weist darauf hin, dass vor dem endgültigen Bau weitere technische Untersuchungen und Planungen erforderlich sind.
Der Panamakanal wird weiter ausgebaut
Río Indio ist nicht das einzige Großprojekt rund um die Wasserstraße. Panama investiert auch in Straßen, Häfen und öffentlichen Verkehr.
Besonders spektakulär ist derzeit der Bau der Metrolinie 3 bei Panama-Stadt. Dort arbeitet die Tunnelbohrmaschine „Panamá“ teilweise rund 65 m unter der Wasserstraße. Die Maschine stammt von Herrenknecht. ingenieur.de hat sich die Tunnelbohrung unter dem Panamakanal ausführlich angesehen.
Beim Bau wurden rund 205 Millionen Kubikmeter Material bewegt
Der heutige Wasserbedarf hängt unmittelbar mit einer Entscheidung zusammen, die vor mehr als 100 Jahren getroffen wurde.
Der französische Diplomat Ferdinand de Lesseps wollte nach seinem Erfolg beim Suezkanal zunächst auch in Panama einen weitgehend auf Meereshöhe verlaufenden Kanal bauen. Die Arbeiten begannen 1881. Das tropische Klima, schwieriger Baugrund, Erdrutsche, Krankheiten und finanzielle Probleme brachten das Projekt jedoch zum Scheitern.
1904 übernahmen die USA die Arbeiten und entschieden sich endgültig für einen Schleusenkanal. Der Chagres-Fluss wurde aufgestaut, der Gatún-See entstand. Statt die gesamte Strecke bis auf Meereshöhe auszuheben, werden die Schiffe seitdem auf das Niveau des Sees gehoben.
Bis Juli 1914 hatten die Amerikaner rund 238,8 Millionen cubic yards Material ausgehoben. Zusammen mit rund 30 Millionen cubic yards aus der französischen Bauphase summiert sich das auf etwa 268 Millionen cubic yards – rund 205 Millionen m³. Am 15. August 1914 eröffnete die Ancón die Wasserstraße mit dem ersten offiziellen Transit.
Rund 25.000 Menschen starben während der Bauzeit
Der Kanalbau forderte Tausende Menschenleben. Für die amerikanische Bauphase dokumentieren Krankenhausunterlagen 5609 Tote durch Krankheiten und Unfälle.
Für die französische Zeit sind die Aufzeichnungen unvollständig. Unter Einbeziehung dieser Opfer wird die Gesamtzahl auf rund 25.000 Tote geschätzt. Eine exakte Zahl lässt sich heute nicht mehr ermitteln.
Malaria und Gelbfieber spielten während der frühen Bauphase eine zentrale Rolle. Erst Fortschritte bei der Bekämpfung der Moskitos, die diese Krankheiten übertragen, verbesserten die Bedingungen während der amerikanischen Bauzeit grundlegend.
Wem gehört der Panamakanal heute?
Seit 31. Dezember 1999 steht der Kanal vollständig unter panamaischer Verwaltung. Betrieben wird er von der staatlichen, autonom organisierten Autoridad del Canal de Panamá.
Seit 2025 ist die Wasserstraße dennoch wieder Teil eines politischen Konflikts zwischen Panama, den USA und China. Dabei werden zwei Dinge häufig vermischt: die Kontrolle über den Kanal selbst und der Betrieb von Hafenanlagen an seinen Enden.
Eine Tochter des Hongkonger Konzerns CK Hutchison betrieb über Jahrzehnte die Häfen Balboa und Cristóbal. Panamas Oberster Gerichtshof erklärte die zugrunde liegenden Konzessionen Anfang 2026 für verfassungswidrig. Der Konflikt ist inzwischen Gegenstand internationaler Schiedsverfahren. CK Hutchison teilte im August 2026 mit, von Panama mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar Schadenersatz zu verlangen.
An der Verwaltung des Kanals selbst ändert dieser Hafenstreit nichts: Sie liegt bei Panama.
Quellen
- Autoridad del Canal de Panamá, 21.08.2026:
Neue Transit-Slots, Tiefgangsbeschränkungen und aktuelle Wasserlage
- Reuters, 20.08.2026:
Niederschlagsdefizit, Zuflüsse und Einschränkungen im Schiffsverkehr
- Autoridad del Canal de Panamá:
Wasserverbrauch der Panamax- und Neopanamax-Schleusen
- Autoridad del Canal de Panamá:
Projekt Río Indio: Zeitplan, Größe und technische Planung
- Autoridad del Canal de Panamá:
Staumauer, 9-km-Tunnel und Investitionsvolumen des Río-Indio-Projekts
- Autoridad del Canal de Panamá:
Speichergröße und Umweltplanung für Río Indio
- Autoridad del Canal de Panamá:
Aufbau und Funktionsweise der historischen Schleusen
- Autoridad del Canal de Panamá:
Baugeschichte, Aushubmengen, Kosten und Opferzahlen
- Autoridad del Canal de Panamá, Annual Report 2025:
Transitzahlen und Geschäftsdaten für 2025
- Reuters, 20.08.2026:
Aktueller Streit um die Häfen Balboa und Cristóbal
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