World Humanoid Robot Games 23.08.2026, 16:42 Uhr

Roboter sprinten 100 m in 9,39 s, beim Ladekabel wird es kompliziert

Chinas Roboter sprinten 100 m in 9,39 s. Bei den Roboterspielen müssen sie aber auch E-Autos laden, USB-Stecker verbinden und Werkzeuge bedienen.

100-m-Lauf bei den World Humanoid Robot Games in Peking

100-m-Lauf bei den World Humanoid Robot Games in Peking. Der humanoide Roboter Tiangong Ultra (der weiße Roboter im Hintergrund) hat bei diesem Wettbewerb eine Zeit von 9,39 s erreicht.

Foto: picture alliance / Xinhua News Agency | Ju Huanzong

9,39 s für 100 m: Mit dieser Zeit sorgte Tiangong Ultra am 22. August bei den World Humanoid Robot Games in Peking für Aufsehen. Der humanoide Roboter benötigte für die Strecke 0,19 s weniger als Usain Bolt bei seinem Weltrekordlauf 2009. Der ebenfalls chinesische Roboter Lightning kam auf 9,47 s.

Doch die fünf Tage dauernden Roboterspiele bestehen längst nicht mehr nur aus Rennen, Fußball oder Kampfsport. Von insgesamt 51 Disziplinen sind 21 sogenannte Szenariowettbewerbe. Dort geht es um Aufgaben aus Industrie, Haushalt, Handel, Büro, Hotel oder Rettung.

Eine der Prüfungen findet an zwei Ladesäulen und drei Elektroautos statt. Der Auftrag an den Roboter: ein Elektroauto laden.

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Erst die Ladeklappe öffnen, dann muss wirklich Strom fließen

Das offizielle Regelwerk beschreibt den Ablauf bis ins Detail. Für den Wettbewerb stehen zwei Ladesäulen mit angeschlossenen Ladekabeln und drei Fahrzeuge bereit. Die Roboter haben für die gesamte Prüfung maximal 30 Minuten Zeit.

Im ersten Abschnitt muss der Roboter zur Ladesäule gehen, den Ladestecker entriegeln und aus seiner Halterung nehmen. Anschließend trägt er ihn zum ersten Fahrzeug und öffnet dessen Ladeklappe.

Dann folgt der eigentliche Anschluss: Der Stecker muss korrekt in die Ladebuchse eingeführt werden. Punkte gibt es erst, wenn das System tatsächlich einen Ladevorgang erkennt.

Damit ist die Aufgabe noch nicht beendet.

Der Roboter muss den Ladestecker wieder entriegeln und aus dem ersten Fahrzeug ziehen, die Ladeklappe schließen und anschließend ein zweites Fahrzeug anschließen. In einem weiteren Abschnitt muss er einen Stecker aus einem dritten Fahrzeug entfernen, die Ladeklappe schließen und den Stecker wieder an der Ladesäule ablegen.

Auch das Kabel selbst gehört zur Aufgabe: Es darf am Ende nicht deutlich verdreht sein, über den Boden geschleift werden oder in den Fahrzeugbereich hineinragen.

Fallenlassen kostet Punkte

Die Wertung zeigt, worauf die Veranstalter achten.

Allein für das korrekte Einstecken des Ladesteckers in das erste Fahrzeug und das Herstellen des Ladevorgangs gibt es 40 Punkte. Weitere 40 Punkte bringt das Abziehen des Steckers vom ersten Fahrzeug. Auch das korrekte Anschließen des zweiten Fahrzeugs wird mit 40 Punkten bewertet.

Wer mit dem Roboter ein Auto oder eine Ladesäule rammt, verliert jeweils 20 Punkte. Ein fallengelassener Ladestecker kostet fünf Punkte.

Werden Fahrzeug, Ladesäule oder Ladestecker beschädigt, wird das Ergebnis komplett gestrichen.

Autonom fahren bringt doppelt so viel

Eine wichtige Besonderheit unterscheidet diesen Test vom 100-m-Sprint.

Die 100 m müssen 2026 vollständig autonom gelaufen werden. Beim E-Auto-Laden dürfen die Teams dagegen zwischen vollständiger Autonomie und Fernsteuerung wählen.

Das schlägt sich direkt in der Wertung nieder: Ein vollständig autonom absolvierter Durchgang erhält den Gewichtungsfaktor 1,0, ein ferngesteuerter nur 0,5.

Greift ein Team während eines zunächst autonom gestarteten Versuchs manuell ein, wird der komplette Lauf anschließend nach den Regeln für Fernsteuerung bewertet.

Der Wettbewerb misst damit nicht nur, ob ein Roboter den Ladestecker mechanisch handhaben kann. Die Wertung unterscheidet ausdrücklich danach, ob er die Arbeitsfolge selbstständig bewältigt oder von einem Menschen gesteuert wird.

Diese Unterscheidung ist auch für industrielle Anwendungen relevant. Das Fraunhofer IPA sieht gerade bei der tatsächlichen Autonomie noch große Unterschiede zwischen aktuellen Systemen. ingenieur.de hat sechs Kriterien vorgestellt, mit denen das Institut humanoide Roboter auf ihre Praxistauglichkeit prüft.

Ein USB-Stecker ist noch einmal eine eigene Disziplin

Das Anschließen eines Elektroautos ist nicht mit einem weiteren Wettbewerb zu verwechseln, der ebenfalls bei den Spielen stattfindet: „Cable Connection“.

Hier geht es ausschließlich um die Geschicklichkeit der Hände.

Auf einem Arbeitstisch liegen verschiedene Stecker und Kabel, darunter USB und USB-C. Der Roboter muss sie erkennen, aufnehmen und in den jeweils passenden Anschluss stecken. Innerhalb von fünf Minuten zählt die Zahl der erfolgreich hergestellten Verbindungen.

Das Regelwerk ordnet diesen Test den acht Wettbewerben für geschickte Roboterhände zu.

Weitere Aufgaben wirken auf den ersten Blick ähnlich unspektakulär. Bei einer Disziplin muss ein Roboter mit einer medizinischen Pinzette einzelne Sojabohnen aus einem Behälter nehmen und in einen zweiten legen. Bei einer anderen verwendet er einen Akkuschrauber. Außerdem müssen Roboter Nägel mit einem Hammer einschlagen, Flaschen mit einem Flaschenöffner öffnen oder Pakete mit einem Cuttermesser aufschneiden.

Damit prüfen die Veranstalter andere Fähigkeiten als beim Sprint.

Von sechs auf 21 Praxistests in einem Jahr

Die Verschiebung im Programm ist deutlich. Bei der ersten Ausgabe der World Humanoid Robot Games 2025 gab es nur sechs Szenariowettbewerbe. In diesem Jahr sind es 21. Gleichzeitig stieg die Gesamtzahl der Disziplinen von 26 auf 51.

Neben dem Laden von Elektrofahrzeugen gehören dazu unter anderem Einzelhandel, industrielle Montage, Verpackung, Büroarbeit, Haushaltsaufgaben, Hotelservice, Bibliotheksarbeit und Rettungseinsätze.

Einige Prüfungen finden nicht auf einer eigens aufgebauten Wettkampffläche statt. Roboter müssen beispielsweise in einer echten Bibliothek Bücher bearbeiten oder in Hotelzimmern Aufgaben erledigen.

Insgesamt sind für die Spiele 1301 einzelne Wettbewerbe angesetzt. Gemeldet haben sich 666 Teams mit 2056 Robotern.

China testet Humanoide für konkrete Arbeitsabläufe

Die Aufgaben passen zu Chinas Strategie für humanoide Robotik. Peking bezeichnet Anwendungen ausdrücklich als wichtigen Treiber für die Entwicklung der Branche.

Bei den Roboterspielen werden deshalb Abläufe getestet, die sich an Tätigkeiten orientieren, für die heute Menschen eingesetzt werden. Ein humanoider Roboter soll sich dabei in einer Umgebung bewegen und mit Gegenständen umgehen können, die ursprünglich nicht speziell für Maschinen entwickelt wurde.

Genau dafür ist die menschenähnliche Bauform interessant. Auch deutsche Unternehmen testen humanoide Roboter bereits für Arbeiten in bestehenden Produktions- und Logistikumgebungen.

Die dafür benötigte Hardware wird ebenfalls zum eigenen Markt. Ein Humanoider braucht zahlreiche kompakte Gelenkantriebe, die Motor, Getriebe, Sensorik und Elektronik auf engem Raum zusammenbringen. Schaeffler entwickelt dafür inzwischen eine eigene Antriebsplattform für humanoide Roboter.

Die Hardware ist nicht das einzige Problem

Bei Chinas Robotikentwicklung fallen derzeit vor allem spektakuläre Bewegungen auf. Roboter laufen, springen, tanzen und kämpfen.

Werner Kraus vom Fraunhofer IPA sieht jedoch gerade bei der Autonomie noch Nachholbedarf. Nach mehreren Messe- und Firmenbesuchen in China sagte er gegenüber VDI nachrichten, die „Intelligenz der Humanoiden“ hinke der Hardware hinterher. Bei vielen Vorführungen werde Teleoperation eingesetzt.

ingenieur.de hat mit Kraus ausführlich darüber gesprochen, was hinter Chinas Robotik-Offensive steckt.

Das Regelwerk der World Humanoid Robot Games macht diesen Unterschied inzwischen messbar. Beim Sprint ist vollständige Autonomie vorgeschrieben. Beim E-Auto-Laden darf weiterhin ein Mensch fernsteuern – erhält dafür aber nur den halben Gewichtungsfaktor.

Und während Tiangong für 100 m inzwischen nur noch 9,39 s benötigt, haben die Roboter für die vollständige Ladeprüfung bis zu 30 Minuten Zeit.

Quellen

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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