Anzeige

Rekordzahlen verdecken strukturelle Engpässe

15. Januar 2026

Der Ausbau der Windenergie an Land hat im Jahr 2025 deutlich an Dynamik gewonnen. Mit 3 310 neu genehmigten Anlagen und einer genehmigten Leistung von 20 765 MW wurde ein neuer Höchststand erreicht. Auch der tatsächliche Zubau legte kräftig zu: 958 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 5 232 MW gingen ans Netz. Damit liegt der…
Anzeige
Anzeige


Der Ausbau der Windenergie an Land hat im Jahr 2025 deutlich an Dynamik gewonnen. Mit 3 310 neu genehmigten Anlagen und einer genehmigten Leistung von 20 765 MW wurde ein neuer Höchststand erreicht. Auch der tatsächliche Zubau legte kräftig zu: 958 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 5 232 MW gingen ans Netz. Damit liegt der Bruttozubau mehr als 50 % über dem Vorjahreswert und markiert das zweitbeste Ausbaujahr in der Geschichte der Onshore-Windenergie in Deutschland. Die installierte Gesamtleistung erhöhte sich bis Ende 2025 auf rund 68 GW. Diese Zahlen gehen aus der gemeinsamen Auswertung von Bundesverband WindEnergie, VDMA Power Systems und der Fachagentur Wind und Solar hervor. Auf den ersten Blick bestätigen die Daten eine Trendwende nach Jahren stockenden Ausbaus. Genehmigungsverfahren wurden beschleunigt, Ausschreibungen der Bundesnetzagentur waren durchweg überzeichnet, die Zuschlagswerte sanken im Durchschnitt auf 6,63 Ct/kWh. Der Wettbewerb funktioniert wieder, und die Industrie zeigt, dass sie in der Lage ist, Kapazitäten bereitzustellen. Gleichzeitig verdeutlichen die Zahlen jedoch, dass ein schnellerer Ausbau allein nicht ausreicht, um die energiepolitischen Ziele zu erreichen.

Genehmigungsboom trifft auf lange Realisierungszeiten

Auffällig ist vor allem die wachsende Lücke zwischen Genehmigung und tatsächlicher Inbetriebnahme. Zwar sank die durchschnittliche Dauer von Genehmigungsverfahren im Jahr 2025 bundesweit auf knapp 17 Monate und damit auf ein Niveau, das zuletzt Mitte der 2010er-Jahre erreicht wurde. Doch von der Genehmigung bis zur Stromerzeugung vergehen weiterhin im Mittel mehr als zwei Jahre. Die Realisierungsdauer neuer Anlagen lag 2025 bei durchschnittlich 29 Monaten. Gründe sind unter anderem die Ausschreibungssystematik, nachträgliche Projektänderungen, Klageverfahren – und zunehmend Probleme beim Netzanschluss. Hinzu kommt, dass ein erheblicher Teil der genehmigten und bezuschlagten Leistung noch nicht umgesetzt ist.

Anfang 2026 waren im Marktstammdatenregister rund 6 600 genehmigte Anlagen mit über 40 GW Leistung verzeichnet, die noch nicht in Betrieb gegangen sind. Selbst bei hohen Realisierungsquoten der vergangenen Jahre deutet sich damit ein struktureller Stau an, der sich ab Ende 2026 in einem sprunghaften Zubau entladen könnte – sofern Netze, Lieferketten und Genehmigungsbehörden Schritt halten. Andernfalls drohen Verzögerungen, die den formalen Ausbaupfad weiter von den politischen Zielmarken entfernen. Denn diese Ziele sind ambitioniert. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht für 2026 eine installierte Onshore-Windleistung von 84 GW vor. Ausgehend vom aktuellen Bestand würde dies einen Nettozubau von rund 16 GW in einem Jahr erfordern. Selbst unter günstigen Bedingungen halten die beteiligten Verbände jedoch lediglich einen Bruttozubau von 8 bis 8,5 GW für realistisch.

Die Lücke zwischen Anspruch und absehbarer Umsetzung bleibt damit erheblich. „So erfreulich die Rekorde bei Neugenehmigungen und Zuschlägen auch sind, legen diese die Probleme eines zu langsamen Netzausbaus offen: Der Netzzugang für neue Projekte wird immer schwieriger. Wenn man von einer durchschnittlichen Umsetzungsdauer von fast zwei Jahren ausgeht, erwarten wir ab Ende 2026 einen Zubau-Boom der im Jahr 2024 bezuschlagten Projekte. Lange Wartezeiten und die geringe Verfügbarkeit von Anschlüssen hemmen die Zubaudynamik erheblich“, erläutert BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek.

Netze, Systemlogik und Resilienz als Engpassfaktoren

Deutlicher noch als in den Vorjahren treten die Grenzen des bestehenden Stromsystems zutage. Der Netzzugang entwickelt sich zunehmend zum Nadelöhr für neue Windprojekte. Lange Wartezeiten auf Anschlusskapazitäten und regionale Engpässe bremsen den Ausbau ausgerechnet dort, wo Genehmigungen und Zuschläge in großer Zahl vorliegen. Die Gefahr besteht, dass Versäumnisse beim Netzausbau nun zeitverzögert auf den Ausbau der Erneuerbaren durchschlagen. Gleichzeitig rückt die Frage der Systemresilienz stärker in den Fokus. Windenergieanlagen sind Teil der kritischen Infrastruktur (Kritis) – physisch wie digital. Die Diskussion reicht dabei über klassische Netzstabilität hinaus und umfasst auch IT-Sicherheit, Zugriffsmöglichkeiten externer Hersteller sowie geopolitische Abhängigkeiten in den Lieferketten.

Lesen Sie auch: Wind und Solar führen erstmals gemeinsam den deutschen Strommix an

Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien steigt die Bedeutung dieser Fragen für die nationale Sicherheits- und Versorgungspolitik. „Windenergie gewinnt stetig weiter an Bedeutung im deutschen Energiesystem. Gleichzeitignehmen die Sicherheitsbedrohungen, auch durch geopolitische Entwicklungen, deutlich zu. Der politische und regulative Rahmen muss die lückenlose Sicherheit und Resilienz aller am Stromnetz angeschlossenen Energieanlagen wirksam adressieren, um bestehende Risiken zu minimieren und die Versorgungs- und nationale Sicherheit zu gewährleisten“, so Dr. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems.

Anpassungen dringend erforderlich

Strukturell zeigt der Bericht zudem, dass das deutsche Energiesystem noch immer stark auf die Logik weniger zentraler Großkraftwerke ausgerichtet ist. Die Realität der Stromerzeugung ist jedoch eine andere: Wind- und Solarenergie stellen inzwischen das Rückgrat der Stromproduktion. 2025 erzeugten Windenergieanlagen an Land trotz eines windschwachen Frühjahrs rund 106,5 TWh Strom und deckten damit etwa 24 % der gesamten Stromerzeugung. Eine stärkere Flexibilisierung durch Speicher, Lastmanagement, Wasserstoffanwendungen und eine konsequentere Nutzung bestehender Netzanschlüsse gilt daher als Voraussetzung, um den Ausbau kurzfristig abzusichern und mittelfristig zu beschleunigen.

Der Ausbau der Windenergie an Land erweist sich damit als zweischneidiges Signal: Einerseits dokumentieren Rekordzahlen bei Genehmigungen und Zubau die Funktionsfähigkeit der Branche und der regulatorischen Instrumente. Andererseits legen sie offen, dass ohne einen deutlich schnelleren Netzausbau und eine systemische Weiterentwicklung des Strommarktes selbst hohe Ausbauzahlen nicht automatisch zu mehr Versorgungssicherheit führen.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Junior Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d)
Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

03.10.2026
Miltenberg
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST AG

03.10.2026
Düsseldorf
Ingenieur:in Explosionsschutz als Fachleiter:in
TÜV NORD CERT GmbH

03.10.2026
Essen
Bauüberwacher (m/w/d) Straßenverkehrsanlagen
Bundesagentur für Arbeit - Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

03.10.2026
Stuttgart
Bauingenieur/-in (m/w/d)
Bundesagentur für Arbeit - Landeshauptstadt Stuttgart

03.10.2026
Stuttgart
Technische/r Projektmitarbeiter/in (m/w/d) – Bauwesen / Projektkoordination
Bundesagentur für Arbeit - Dr. Kerner GmbH & Co. KG

03.10.2026
Stuttgart
Junior Bauüberwacher:in Oberbau / Konstruktiver Ingenieurbau (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Köln
Senior Ingenieur:in Leit- und Sicherungstechnik im Großprojekt Rhein-Ruhr-Express (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Duisburg
Junior Bauingenieur:in als Bezirksleiter:in Fahrbahn (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Aachen, Bonn, Köln, Troisdorf
Projektleiter (m/w/d) Industriebau
MEGGLE GmbH & Co. KG

03.10.2026
Wasserburg
Projektingenieur Elektrotechnik (w/m/d)
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG

03.10.2026
Frankfurt am Main
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

04.10.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

04.10.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

04.10.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

04.10.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

04.10.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

04.10.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

04.10.2026
Lübeck
Bauleiter (m/w/d) Rohrsanierung / Kanalsanierung
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG

04.10.2026
München, Neumarkt in der Oberpfalz, Nürnberg, Regensburg
Vertriebsingenieur / Projektingenieur (m/w/d) im Außendienst – Südbayern
DEPRAG SCHULZ GMBH u. CO. KG

04.10.2026
verschiedene Einsatzorte

Weitere Artikel



Events des Monats



Firmenprofile

Anzeige
Anzeige