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Warum digitale Weiterbildung in der Industrie Pflicht wird

02. April 2026

Ingenieur arbeitet mit Laptop-Computer für moderne digitale Computertechnologie zur Steuerung fortschrittlicher Ingenieur-Fabrikabläufe – Informations- und Datenkonzept.
Weiterbildung im Arbeitsalltag: Mitarbeitende fit für KI, Software und datengetriebene Prozesse machen. Foto: Smarterpix/coffeekai
Stephan Rodig von der Bildungsfabrik zeigt, wie Unternehmen Weiterbildung in den Arbeitsalltag integrieren,und ihre Belegschaft fit für KI und datengetriebene Prozesse machen.
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Die Anforderungen an Mitarbeitende in der Produktion steigen: Neben klassischen Fachkenntnissen sind heute digitale Fähigkeiten, Datenverständnis und Prozessdenken entscheidend. Stephan Rodig zeigt, wie Unternehmen Weiterbildung in den Arbeitsalltag integrieren, den Wissenstransfer im Team fördern und ihre Belegschaft fit für KI, Software und datengetriebene Prozesse machen.

Herr Rodig, warum fällt es Unternehmen so schwer, die Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden mit dem Tempo der technologischen Veränderungen in der Produktion Schritt halten zu lassen?

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Weil sich Technik deutlich schneller entwickelt, als Menschen lernen können. Gleichzeitig fehlt im Produktionsalltag oft schlicht die Zeit für Weiterbildung – Schichtbetrieb, Personaldruck und das Tagesgeschäft lassen wenig Spielraum. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen erst dann schulen, wenn die neue Technik bereits eingeführt ist. Dann ist es eigentlich schon zu spät.

Strategien für Weiterbildung in hochautomatisierten Produktionsprozessen

Welche Strategien eignen sich, um Weiterbildung in hochautomatisierten Produktionsprozessen umzusetzen, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden – und wie kann Learning on the Job hier effektiv eingesetzt werden?

Weiterbildung muss in den Arbeitsalltag integriert werden, statt zusätzlich nebenher zu laufen. Kurze, kompakte Lerneinheiten und flexible Zeiten – etwa vor oder nach der Schicht – sind dabei besonders effektiv. Genau deshalb bietet die Bildungsfabrik ihre Angebote auch morgens und abends an, sodass Lernen ohne Unterbrechung der Produktion möglich wird.

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Inwieweit reichen klassische Fachkenntnisse noch aus, wenn Produktionsprozesse zunehmend software- und datengetrieben sind?

Klassische Fachkenntnisse bleiben die Basis, reichen aber allein nicht mehr aus. Heute sind zusätzlich ein grundlegendes Verständnis für Daten, der sichere Umgang mit Software und ein ausgeprägtes Prozessdenken gefragt. Während früher oft die einzelne Maschine im Fokus stand, geht es heute darum, den gesamten Produktionsprozess zu verstehen.

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Lernen als feste Unternehmensgewohnheit

Wie kann kontinuierliche Weiterbildung in Unternehmen systematisch verankert werden, statt punktuell zu erfolgen?

Indem Weiterbildung zur festen Gewohnheit wird. Dazu gehören klar definierte Lernzeiten, konkrete Entwicklungsziele und Führungskräfte, die Lernen aktiv vorleben. Ergänzend helfen kontinuierliche Unterstützungsangebote wie ein 24/7-Tutorenservice. Denn wenn Lernen nur dann stattfindet, „wenn Zeit ist“, passiert es in der Praxis meist gar nicht.

Welche Risiken bestehen, dass Mitarbeitende durch Digitalisierung und Automatisierung überfordert oder demotiviert werden?

Die Gefahr ist durchaus groß. Neue Systeme können schnell überfordern, gleichzeitig entsteht bei vielen die Angst, ersetzt zu werden. Wenn dann noch Frust dazukommt, weil man nicht mehr Schritt halten kann, sinkt die Motivation spürbar. Entscheidend ist deshalb eine gute Begleitung im Veränderungsprozess.

Fähigkeiten für den KI-Einsatz in der Produktion entwickeln

Welche konkreten Fähigkeiten müssen Mitarbeitende entwickeln, um künstliche Intelligenz sinnvoll in der Produktion zu nutzen?

Es geht weniger um Programmierkenntnisse, sondern vor allem um Verständnis. Mitarbeitende sollten wissen, woher Daten kommen und wie sie zu interpretieren sind, logisch denken können und ein gutes Prozessverständnis mitbringen. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, Ergebnisse von KI kritisch zu hinterfragen und auf ihre Plausibilität zu prüfen.

Wie lässt sich der Erfolg von Weiterbildungsmaßnahmen messen und der Return on Investment feststellen – insbesondere bei Learning on the Job oder Training on the Job?

Der Erfolg zeigt sich vor allem im laufenden Betrieb, nicht im Seminarraum. Typische Kennzahlen sind etwa weniger Fehler, geringere Stillstandszeiten, eine bessere Qualität und eine höhere Produktivität. Gerade Learning on the Job ist hier besonders aussagekräftig, weil sich unmittelbar erkennen lässt, ob das Gelernte funktioniert.

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Digitales Wissen flächendeckend in der Belegschaft verankern

Wie können Unternehmen sicherstellen, dass digitales Wissen flächendeckend in der Belegschaft verankert wird?

Wissen muss im Unternehmen breit verteilt werden und darf nicht bei Einzelnen bleiben. Das gelingt durch Multiplikatoren wie Meister oder Schichtführer, durch leicht verständliche Inhalte und durch regelmäßige Wiederholung. Besonders wirkungsvoll ist Lernen im Team, weil es den Wissenstransfer im Alltag unterstützt.

Besteht die Gefahr, dass Unternehmen sich zu stark auf Technologien verlassen und menschliche Kompetenzen vernachlässigen?

Ja, diese Gefahr besteht. Technologie kann vieles leisten, aber sie übernimmt keine Verantwortung, führt keine Mitarbeitenden und löst keine Probleme kreativ. Unternehmen, die sich ausschließlich auf Technik verlassen, riskieren, genau den stabilisierenden Faktor zu vernachlässigen: den Menschen.

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Tradition trifft Digitalisierung

Wie sehen Sie die Rolle klassischer Industriemeister in 10 Jahren – welche Fähigkeiten bleiben relevant, welche könnten überflüssig werden?

Die Rolle des Industriemeisters wird eher an Bedeutung gewinnen als verlieren. Klassische Kompetenzen wie Mitarbeiterführung, Organisation und praktisches Verständnis bleiben zentral. Gleichzeitig kommen digitale Fähigkeiten, der Umgang mit Daten und Veränderungsmanagement hinzu. Weniger wichtig wird hingegen reines Detailwissen über einzelne Maschinen. Insgesamt entwickelt sich die Rolle klar weiter – vom besten Facharbeiter hin zum Bindeglied zwischen Mensch, Technik und Prozess.

Stephan Rodig und Sebastian Jund sind die Gründer und Geschäftsführer der Bildungsfabrik, einem von FOCUS-Business ausgezeichneten Top-Anbieter für Weiterbildung. Ihr Ziel: ein modernes Bildungsangebot für angehende Industriemeister, das sich flexibel in den Arbeitsalltag integrieren lässt.



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