Bildung

Die Kosten für das Studium trägt der Arbeitgeber  

Bei dualen Studiengängen sind Theorie und Praxis besonders eng verzahnt. In den Berufsakademien (BA) verlaufen Lehre und Studium parallel, an manchen Fachhochschulen folgen sie aufeinander. In beiden Fällen zahlt der Arbeitgeber für das Studium.

Die Karriere von Thomas Edig ist kein Einzelfall: Mit 37 Jahren wurde er Personalchef und Vorstandsmitglied beim internationalen Telekommunikationsunternehmen Alcatel SEL. Ein weiterer Vorzeige-Absolvent einer Berufsakademie: der Chef von Microsoft Deutschland, Jürgen Gallmann. Das sind mehr als bloße Ausnahmen, wie eine Studie von IBM Deutschland über interne Gehaltsentwicklungen zeigt. Unter den Mitarbeitern zwischen 31 und 40 Jahren liegen die Gehälter der BA-Absolventen am höchsten, dahinter kommen die Uni- und dann die FH-Absolventen. Vor Mitte Dreißig sind drei Viertel der Schnellstarter in Führungspositionen.

Das Besondere an den Berufsakademien: Parallel zur Ausbildung, etwa zum Mechaniker, kann ein Ingenieurfach studiert werden. Gebühren und sonstige Kosten trägt der Arbeitgeber, die Ausbildung dauert nur drei Jahre und schließt mit einem Diplom- oder Bachelorgrad ab.

Freilich kann keiner einfach von sich aus an den Start gehen. Man muss vom Ausbildungsunternehmen für die BA vorgeschlagen werden. Das gelingt natürlich nur den Besten. Immerhin gibt es zurzeit rund 35 000 BA-Studenten, vor allem in Baden-Württemberg. Von dort aus verbreitete sich die duale Ausbildung auf Hochschulniveau auch nach Hessen, Thüringen, Sachsen, Berlin, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und ins Saarland.

In anderen Bundesländern haben die Fachhochschulen das Erfolgsmodell der BA in veränderter Form übernommen. Die Unternehmen übernehmen die Kosten für die Hochschulausbildung, um die angehenden Akademiker an die Firma zu binden.

Bundesweit gibt es heute rund dreihundert duale FH-Studiengänge. Vor zehn Jahren waren es erst vierzig, davon lediglich dreizehn für Ingenieurberufe (Elektrotechnik, Maschinenbau). Ein aktuelles Beispiel ist die „kooperative“ Ausbildung zum Industriemechaniker und Dipl.-Ing. im Maschinenbau/Mechatronik, die die FH Bonn-Rhein-Sieg mit Firmen der Region anbietet.

Nicht immer sind bei dualen Ausbildungsgängen Lehre und Studium verbunden. Oft wird ein berufsbegleitendes Weiterbildungsangebot für etablierte Firmenmitarbeiter, so etwa in Elektrotechnik an der FH Wiesbaden, angeboten. Die nebenberuflichen Studenten bekommen von ihrer Firma im Rahmen der Personalentwicklung ein Teilzeitgehalt, bei dem gewiss künftig auch etwaige Studiengebühren berücksichtigt werden.

Ein besonders verlockendes Angebot macht die Technische FH Berlin. Hier können „Industrietechnologen“ (Datentechniker) der Staatlichen Techniker Schule in der Hauptstadt oder der Technik-Akademien von Siemens schon in zwei statt drei Jahren berufsbegleitend den Bachelor für Communication Systems machen. Die Berufsausbildung wird mit zwei Semestern auf das dreijährige Studium angerechnet. Bislang gibt es bundesweit noch vierzig ähnliche Angebote.

Wer rechnen kann, sucht berufliche und hochschulische Bildung möglichst eng miteinander zu verzahnen.

HERMANN HORSTKOTTE

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