Lernen

Das Ende der Trockenheit

Im Krefelder Maker Space steigen Studierende und Schüler von trockener Theorie auf spannendes Experimentieren um.

Maker Space Studierende

Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: Im Maker Space Krefeld versuchen sich talentierte Tüftler an Möglichkeiten und Grenzen von Naturwissenschaften und Technik.

Foto: Hochschule Niederrhein

Dass Bruno Bak anpacken kann, glaubt man ihm auf den ersten Blick: Kräftige Unterarme und der Brustkorb eines Gewichthebers signalisieren handfeste Kompetenzen. Das kurzärmelige Hemd mitten im Winter lässt nur den Schluss zu, dass Bak sich vor allem über Bewegung warm hält. Dabei verfügt der 59-Jährige nicht nur über einen Schatz an praktischen Erfahrungen. Er hat weit mehr vorzuweisen. Der gelernte Elektroniker, Wirtschaftstechniker und Industriemeister bildete den Nachwuchs für die Industrie 30 Jahren lang aus und absolvierte im zarten Alter von 50 Jahren seinen Bachelor, um mit Mitte 50 mit dem Master in Elektrotechnik an der Hochschule Niederrhein sein Studium abzuschließen. Die Theorie ist ihm genauso geläufig wie die Praxis.

Maker Space der Hochschule Niederrhein

Also brauchte sich die Hochschule keinen Fachmann zu schnitzen, als 2017 die Leitung des gerade geschaffenen Maker Space zur Disposition stand. Der „Allroundexperte“, wie Bak sich bezeichnet, kennt sich nicht nur mit Schaltkreisen und 3-D-Druckern aus, er ließ es sich auch nicht nehmen, die hölzerne Werkbank im Projektraum „Woodstock“ zu bauen.

Der Maker Space der Hochschule Niederrhein ist Labor und Werkstatt für die Studierenden, wo sie sich auf Praktika in Unternehmen vorbereiten und ihr Wissen aus den Vorlesungen mit professioneller Unterstützung von 14 Bak-Mitarbeitern erproben können. Die Fachbereiche Elektrotechnik und Informatik sowie Maschinenbau und Verfahrenstechnik, aber auch die Studierenden aus dem Wirtschaftsingenieurwesen, dem Design und dem Gesundheitswesen nutzen die moderne Ausstattung der Hightechwerkstatt regelmäßig – und mit wachsender Begeisterung.

Unter ihnen Produktdesignstudent Jannik Franzen, der seine Idee für eine Masterarbeit Realität werden ließ.

„Ich habe einen Plattenspieler entworfen, der Möbel und HiFi-Technik vereint und dabei funktional wie auch ästhetisch ansprechend sein soll.“

Der Maker Space dient auch der Öffentlichkeit, vor allem aber Schülern, vom Trockenen der Theorie und des Frontalunterrichts auf das Spannende von Basteln und Experimentieren umzusteigen. „Das ist beileibe keine Bespaßung, wir arbeiten hier auf hohem Niveau“, betont Bak.

„Unser Angebot richtet sich nach den Bedürfnissen der Schulen und explizit an Schülerinnen und Schüler, deren Interesse an Naturwissenschaften und Technik in der Schule nicht gesättigt werden kann oder die sich womöglich gemobbt fühlen, weil ihre Neugierde und ihr Wissen von Mitschülern belächelt oder sogar verulkt werden. Auch ihnen wollen wir eine Plattform bieten.“

Coronakrise bremst Maker Space leicht aus

Während der Coronakrise schaltet man im Maker Space einen Gang zurück. Pausiert wird aber keineswegs. Da alle Schulen landesweit angehalten sind, sämtliche außerschulischen Aktivitäten bis zu den Sommerferien zu unterlassen, wird derzeit ein Onlineangebot entwickelt. Bak: „Zudem produzieren wir Sichtschutzvisiere mit unseren 3-D-Druckern und Lasercuttern für verschiedene Institutionen, Krankenhäuser und Kliniken in NRW.“

Die Gruppenzahl beträgt während der „Normalzeiten“ in den ein- bis dreitägigen Workshops meist 16 Schüler, um das Arbeiten in Kleingruppen zu erleichtern. Auf rund 1500 m2 werden elektrische Bauteile verlötet, 3-D-Modelle entworfen oder Renndrohnen mit Kameras und eine elektronische Lärmampel gebaut sowie ein Pulssensor mit Web-anbindung entwickelt. Die Schüler können auf Geräte zugreifen, mit denen sie im Alltag kaum in Berührung kämen: Lasercutter, Säulenbohrmaschinen und die besagte Tischlerwerkbank.

Im Zentrum des Lernens steht für die Schüler das ganzheitliche Denken. Es motiviert, das Erlernte auf andere Projekte zu übertragen und weiter neugierig zu bleiben. Neben technischen Feinheiten wird etwa beim Bau von Drohnen auch auf rechtliche Aspekte eingegangen.

Bak: „In den vergangenen Jahrzehnten ist das Interesse an Technik bei der Jugend rapide zurückgegangen. Die jungen Leute denken doch nur noch an den Konsum. Wenn das Smartphone nicht mehr dem Anspruch, ein Statusobjekt zu sein, genügt, wird ein neues gekauft.“ Darüber gehe die Kreativität, die an Schulen scheinbar nicht mehr gefördert werde, verloren. Um technische Abläufe sichtbarer und „handgreiflicher“ zu machen, wird im Maker Space nicht nur an hochmodernen Maschinen gearbeitet, sondern auch an Geräten aus der „Resterampe“. Bruno Bak legt großen Wert auf das „Lernen von der Pike auf“. Wissen sei nicht die Fähigkeit, sich im Internet zu bewegen, nach dem Prinzip „Ich weiß, wo es steht“. Wichtig sei, Hintergründe und Prozesse zu verstehen.

„Es kann nicht sein, dass ein junger Mensch mit dem Verlust seines Smartphones oder mangels Zugang zum Internet automatisch verblödet.“

Der Allrounder Bak gesteht aber auch: „Auch ich kann noch dazulernen.“ Etwa durch eine Masterarbeit, bei der Studierende in einem Langzeitversuch gerade dabei sind, herauszufinden, welche Bodenbeschaffenheit die günstigste ist, um elektrischen Strom aus Pflanzen zu erzeugen.

Halbe Million Euro Investment

In die Ausstattung des Maker Space wurde rund eine halbe Million Euro investiert. Von denen, die letztlich neben den Verbrauchern von der Technikschmiede profitieren, den Unternehmen, kommt bislang noch keine finanzielle Unterstützung. „Das ist noch Zukunftsmusik“,sagt Bak. Der Leiter des Maker Space ist davon überzeugt, dass in dem Projekt „mächtiges Potenzial“ steckt und er und sein Team jeder Herausforderung gewachsen sind.

So viel Enthusiasmus und Selbstvertrauen wirken ansteckend. Das soll auch so sein. Das Projekt soll junge Menschen auf Technik neugierig und auf die Hochschule Niederrhein aufmerksam machen. Bak hatte den Maker Space mit dem Auftrag übernommen, er solle der „Leuchtturm“ der Initiative sein. Das Vorhaben ist gelungen. Im vergangenen Jahr hatten rund 8.000 Menschen, meist Studierende, die Angebote genutzt. 1.700 Schüler tüftelten und forschten in 100 Veranstaltungen.

Auch wenn Corona einen Einschnitt bedeutet: „Wir haben generell mehr Anfragen, als wir bedienen können“, sagt Peter Klauth, der an der Krefelder Hochschule Naturwissenschaften und IT im Gesundheitswesen lehrt. Offensivwerbung sei nicht nötig, Qualität spreche sich eben auch ohne großes Trommeln herum. Der Wissenschaftler ist im Maker Space vor allem für den Kontakt zu den Schulen verantwortlich. Dass die Hochschule um gute Schüler buhle und mit dem Maker Space „einen leicht elitären Ansatz“ verfolge, hält Klauth für legitim. Schließlich strebe längst nicht jeder Jugendliche, der sich einmal in der Werkstatt versucht habe, in ein Mint-Studium. Und längst nicht jeder sei dazu geeignet.

Die Idee der Maker Spaces kommt aus den USA, wo sie kurz nach der Jahrtausendwende Fahrt aufnahm. Das erste US-amerikanische FabLab (Fabrication Laboratory) wurde 2002 eröffnet. Dabei handelt es sich zunächst einmal um offene Werkstätten, die auf computergesteuerte Fertigung ausgerichtet sind. Es gibt eigenständige Maker Spaces (oder eben FabLabs) und an Hochschulen angesiedelte. Insgesamt gibt es weltweit rund 1700, etwa 270 davon hierzulande. Je nach Ausrichtung legen Maker Spaces unterschiedliche Schwerpunkte bei Angeboten und Zielgruppen.

Von Wolfgang Schmitz
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