Interview: Private Hochschulen

„Private Hochschulen sollten Bildungs-Nischen aufsuchen“

Nur wenn das Profil einer privaten Hochschule die Bildungslandschaft in einem Bundesland bereichert, ließe sich gegebenenfalls eine staatliche Kofinanzierung rechtfertigen, meint Andrea Frank vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft.

Die deutsche lässt sich nicht mit der amerikanischen privaten Hochschullandschaft vergleichen.

Die deutsche lässt sich nicht mit der amerikanischen privaten Hochschullandschaft vergleichen.

Foto: Werkfoto

VDI nachrichten/INGENIEUR.de: Warum befinden sich viele private Universitäten in Deutschland in finanzieller Not?

Frank: Die meisten privaten Universitäten in Deutschland finanzieren sich vor allem über die Lehre. Der Stifterverband hat in einer Studie gezeigt, dass insbesondere kleinere private Hochschulen, die nicht auf einen Mäzen bauen können, erst profitabel oder kostendeckend arbeiten, wenn sie eine gewisse kritische Anzahl an Studierenden vorweisen können.

Aber das ist doch kein zwingendes Geschäftsmodell.

Frank: Es gibt zwei Geschäftsmodelle für private Hochschulen: Die einen haben einen nicht kommerziellen Investor, also eine Stiftung oder einen Mäzen im Hintergrund. Beispiele dafür sind die Zeppelin University oder die Bucerius Law School. Diese nicht profitorientierten Investoren sorgen für eine mittel- bis langfristige finanzielle Sicherheit. Diese Hochschulen sind finanziellen Schwankungen weniger stark ausgesetzt als Hochschulen, die sich ausschließlich über Einnahmen aus Studiengebühren oder Weiterbildung finanzieren.

Also ist Deutschland von einer US-amerikanischen privaten Bildungskultur, die vor allem auf Stiftungen und Gebühren beruht, weit entfernt.

Frank: Die deutsche lässt sich nicht mit der amerikanischen privaten Hochschullandschaft vergleichen. Zu den privaten Universitäten in den USA gehören Institutionen wie die Harvard University, aber auch Bildungskonzerne wie Laureate Education, Inc. Die private Hochschullandschaft in Deutschland ist zu 90 % fachhochschulisch geprägt, mindestens die Hälfte der Hochschulen ist aufgrund ihrer Rechtsform nicht profitorientiert. Sie bedient überwiegend Nischen im Hochschulsystem, die das staatliche System nicht besetzt hat.

Wo liegen die größten inhaltlichen Herausforderungen für private Hochschulen in Deutschland?

Frank: Einige der privaten Hochschulen sind im Fächerangebot und Profil kaum zu unterscheiden von staatlichen Fachhochschulen, insbesondere im Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Wirkliche Alleinstellungsmerkmale haben diese privaten Angebote für Studieninteressierte auf den ersten Blick nicht. Andererseits sind einige private Hochschulen sehr gut in Nischen aufgestellt – wie etwa im Bereich Gesundheitsberufe oder im Bereich flexibler Weiterbildungsangebote. Hier ist die staatliche Konkurrenz überschaubar.

Sollte sich der Staat stärker einmischen, um etwa ein Ausufern der Parallelangebote zu vermeiden?

Frank: Über die institutionellen Akkreditierungen unterliegen die privaten Hochschulen ja bereits Qualitäts-Checks. Privaten Universitäten sollte Handlungsspielraum bleiben – natürlich auch unter der Gefahr zu scheitern.

Sollte der Staat kofinanzieren?

Frank: Privat ist privat. Nur wenn das Profil einer privaten Hochschule die Bildungslandschaft in einem Bundesland bereichert, ließe sich gegebenenfalls eine Finanzierung rechtfertigen. Die Jacobs University in Bremen etwa hat ein besonderes Profil – stark transdisziplinär und international. Das Argument, diese Qualitäten bildeten eine gute Ergänzung zur Bremer Hochschullandschaft, ist nicht völlig von der Hand zu weisen und könnte für eine staatliche Kofinanzierung sprechen. Solche Entscheidungen muss aber jedes Bundesland selbst treffen – sie gehen aber meist auf Kosten der staatlichen Hochschulen.

Fehlt den Unternehmen hierzulande das Interesse an privaten Hochschulen und Studierenden die Bereitschaft, in ihre Bildung zu investieren?

Frank: In Deutschland herrscht das grundlegende Verständnis, dass Bildung eine staatliche Aufgabe ist. Diese Tradition unterscheidet uns von anderen Ländern. Die Hürde, für Bildung tiefer in die Tasche zu greifen, ist hier höher als anderswo.

Wären Forschungsbemühungen eine Lösung, an mehr Drittmittel zu kommen?

Frank: Es gibt bereits einige private Hochschulen, die hier Fuß fassen wollen. Sofern die Hochschule keine Stiftung oder keinen Mäzen hat, muss Sie aber die Grundausstattung für die Forschung über Einnahmen in der Lehre querfinanzieren. Das ist eine Hürde. Den Wenigsten gelingt es, die großen Fördertöpfe zu erschließen, wie etwa die Mittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Wie wird sich die private Hochschullandschaft in Deutschland entwickeln?

Frank: Es könnte eine Phase der Konsolidierung geben. Einrichtungen ohne klar definiertes Alleinstellungsmerkmal werden es bei der Rekrutierung von Studierenden schwer haben. Es werden aber nicht nur die hochselektiven Hochschulen überleben. Es gibt etwa Hochschulen, die vom Mittelstand für ihr solides wirtschaftswissenschaftliches Studium geschätzt und gefördert werden, oder die einen klar definierten Bedarf aufgreifen. Auch die haben Zukunft.

Wird es private technische Hochschulen geben?

Frank: Die finanziellen Hürden für die Ausstattung solcher Hochschulen erscheinen mir zu hoch, als dass es sie in einer großen Zahl geben könnte.

Von Wolfgang Schmitz

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