Zwischen Aktionismus und Abwarten

Hochschulen werden durch die Digitalisierung unter Zugzwang gesetzt

Mit klangvollen Studiengängen und ständig neuen Lehrinhalten, werben die Hochschulen um Studierende an der Schnittstelle zwischen Ingenieurwesen und Informatik. Doch erfüllen sie damit ihren Auftrag, junge Menschen auf die künftige Arbeitswelt vorzubereiten? 

Einerseits müssen Hochschulen sich selbst digitalisieren, andererseits müssen sie dieser Entwicklung einen Schritt voraus sein und ihre Studierenden auf die Anforderungen des künftigen Arbeitsmarktes vorbereiten.

Einerseits müssen Hochschulen sich selbst digitalisieren, andererseits müssen sie dieser Entwicklung einen Schritt voraus sein und ihre Studierenden auf die Anforderungen des künftigen Arbeitsmarktes vorbereiten.

Foto: panthermedia.net/maxxyustas

Industrie 4.0., Digitalisierung, automatisierte Fertigung, Smart Systems – es sind Schlagworte wie diese, die klar machen: Der Einsatz von Informationstechnologien (IT) in der Industrie ist in vollem Gange. Damit die Beschäftigten den neuen Anforderungen gerecht werden, verändert sich auch die Ausbildung an Deutschlands Hochschulen.

„Ob in der Elektronik, der Medizintechnik oder der Maschinensteuerung, IT hat als Teil der Lehre an den Universitäten in den letzten Jahren erheblich zugenommen“, sagt Hans-Joachim Bargstädt, Vorsitzender des Dachverbands 4Ing. Der Verein eint die Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Deutschlands Universitäten. Für den aktuellen Wandel, meint Bargstädt, seien die Universitäten gut aufgestellt.

Neue Studiengänge sind umstritten

Sichtbar wird dieser Trend am ehesten über neue Studiengänge. Die TU Ilmenau bietet zum Beispiel Computer and Systems Engineering, die Universität Magdeburg Ingenieurinformatik, die Universität Potsdam IT-Systems Engineering an.

Doch dieses Vorgehen ist umstritten. Bargstädt, der an der Bauhaus-Universität Weimar eine Professur Baubetrieb und Bauverfahren innehat, plädiert dafür, es beim Aufbau neuer Studiengänge nicht zu übertreiben. „Eine fundierte Ausbildung in den Ingenieurwissenschaften sollte vor allem in den Bachelor-Studiengängen die Grundlagen vermitteln, die ein Ingenieur auch ohne IT können muss“, sagt er. Nichts spreche gegen eine Vertiefung im Master-Bereich.

Einen Bachelor-Studiengang etwa namens Building Information Modeling (BIM), der sich mit der Digitalisierung im Bauwesen befasse, würde im Moment unter Studierenden und der Industrie sehr gut ankommen, sagt er. Es würde aber für Absolventen nicht ausreichen, nur darauf eine berufliche Ingenieurkarriere zu bauen. In Aachen sieht man das anders, dazu

Ähnlich sieht das auch Marcus Baumann, Sprecher des bundesweiten HAW-Dachverbands HAWtech Alliance. „Wir haben das Lehrangebot innerhalb unserer Fachhochschulen ganz speziell daraufhin entwickelt, was unsere Absolventinnen und Absolventen wissen und können müssen, damit sie die komplexen Erfordernisse von Industrie 4.0 in der Praxis umsetzen können“, sagt der Vorsitzende der FH-Landesrektorenkonferenz in NRW.

Trend zur Spezialisierung statt breiter Grundausbildung

Die FH Aachen, wo Baumann als Rektor amtiert, setzt auf eine stärkere Spezialisierung. Die Hochschule arbeitet sehr wohl an neuen Studiengängen, mit denen sie ihre Studentinnen und Studenten auf die künftigen Anforderungen in einer digitalen Arbeitsumgebung vorbereiten möchten.

Im Wintersemester 2018/19 wird die FH Aachen etwa den Studiengang Smart Building Engineering anbieten. Bauwerke, so Baumann, würden nicht mehr wie früher Stein auf Stein gebaut, sondern der Bau des gesamten Gebäudes werde über neue Techniken wie das BIM-Verfahren modelliert. „Um das richtig zu steuern, braucht es praxisnah und speziell ausgebildetes Personal“, so Baumann. Es gebe jedoch kaum Ingenieure, die das dazu erforderliche Wissen in der Elektrotechnik, der Datenverarbeitung sowie ökonomische Kenntnisse vorweisen könnten. Solche Absolventen, weiß Baumann, werden von der Industrie seit Jahren stark nachgefragt. Seine Lücke gedenkt, diese Lücke in einigen Jahren zu verkleinern.

 

  • Benjamin Haerdle

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Forschung & Lehre

Hochschule Emden/Leer-Firmenlogo
Hochschule Emden/Leer Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Leichtbaukonstruktion und Fahrzeugtechnik (m/w/d) Emden
OST – Ostschweizer Fachhochschule-Firmenlogo
OST – Ostschweizer Fachhochschule Professorin / Professor für Dynamik-Festigkeit-MKS Buchs (Schweiz)
OST – Ostschweizer Fachhochschule-Firmenlogo
OST – Ostschweizer Fachhochschule Professorin / Professor für Mechatronik / Mess- und Antriebstechnik Buchs (Schweiz)
OST – Ostschweizer Fachhochschule-Firmenlogo
OST – Ostschweizer Fachhochschule Professor / Professorin für Robotik und Automation Buchs (Schweiz)
Hochschule Bremerhaven-Firmenlogo
Hochschule Bremerhaven Professur (W2) (w/m/d) für das Fachgebiet Anlagen- und Schiffsbetriebstechnik Bremerhaven
Technische Universität Wien-Firmenlogo
Technische Universität Wien Universitätsprofessor_in für das Fachgebiet Hochbau und Gebäudeerhaltung Wien (Österreich)
Technische Universität Wien-Firmenlogo
Technische Universität Wien Universitätsprofessor_in für das Fachgebiet Industriebau Wien (Österreich)
Duale Hochschule Gera-Eisenach-Firmenlogo
Duale Hochschule Gera-Eisenach Professur (W2) für Engineering mit Schwerpunkt Digitale Industrie (m/w/d) Eisenach
OST – Ostschweizer Fachhochschule-Firmenlogo
OST – Ostschweizer Fachhochschule Professorin/Professor für Embedded Systems (m/w/d) Rapperswil (Schweiz)
OST – Ostschweizer Fachhochschule-Firmenlogo
OST – Ostschweizer Fachhochschule Professor/in für Rechnergestützte Bauteil- und Prozessauslegung Rapperswil (Schweiz)

Alle Forschung & Lehre Jobs

Top 5 Hochschule

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.