Produktionsforschung 11.05.2026, 14:21 Uhr

Günther Schuh verlässt WZL-Direktorium: Das sind die Nachfolger

Nur wenige Hochschulprofessoren erreichen eine derart große öffentliche Bekanntheit wie Günther Schuh. Jetzt übergibt der Direktor des Werkzeugmaschinenlabors WZL an der RWTH Aachen sein Amt an zwei Nachfolger.

Die WZL-Direktoren Boos und Riesener

Sie folgen auf Professor Günther Schuh: Wolfgang Boos und Michael Riesener (v.l.) sind neue Direktoren am WZL der RWTH Aachen.

Foto: Daniel Essers

Neben seiner Tätigkeit als Direktor des WZL und des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT hat Günther Schuh immer wieder Unternehmen gegründet und Elektromobile entwickelt. 2002 hatte er das Amt am renommierten Institut von Walter Eversheim übernommen. Nun gibt es zwei Nachfolger.

Zu den prominentesten Gründungen des Professors gehört StreetScooter, mit dem elektrischen Kleintransporter, den er zusammen mit seinem Kollegen Achim Kampker zur Produktionsreife brachte. Sowohl dafür als auch für die Entwicklung des Elektrokleinwagens E.Go wurde er von Bewunderern mit Bezeichnungen wie „der deutsche Elon Musk“ gefeiert. Er hat viel Praxisnähe in die universitäre Forschung geholt, musste aber auch die ein oder andere Krisen managen. Jetzt verabschiedet er sich eher leise.

Neues Kapitel am Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen

„Am Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen beginnt ein neues Kapitel“, heißt es dazu in einer Meldung der Hochschule. Mit den Professoren Michael Riesener und Wolfgang Boos sollen künftig zwei Persönlichkeiten Verantwortung übernehmen, die eng mit der Hochschule verbunden sind. Beide ehemalige Oberingenieure arbeiten schon länger an der RWTH und sind langjährige Wegbegleiter von Schuh.

Vom WZL heißt es deshalb: „Die Berufung der beiden Professoren steht zugleich für Kontinuität und Aufbruch.“ Riesener übernimmt dabei den Lehrstuhl für Produktionssystematik, während Boos den Lehrstuhl für Produktionsmanagement leiten wird.

WZL-Direktor Wolfgang Boos bringt Gewinner-Mentalität ins Direktorium

Als Gründer der WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH ist Wolfgang Boos in der Branche über Aachen hinaus bereits bekannt.  Zudem ist Boos Geschäftsführer des renommierten FIR an der RWTH Aachen, das sich praxisrelevanten Forschungsfragen der Betriebsorganisation und der Unternehmensentwicklung widmet.

Seit 2010 ist Boos als geschäftsführender Oberingenieur tätig. Über seinen Vorgänger sagt er: „Günther Schuh über 20 Jahre als Mentor gehabt zu haben und immer noch zu haben, ist großartig. Ich bin ihm unglaublich dankbar, dass er mir stets Unterstützung, aber auch die nötige Freiheit gewährt hat.“

Der ehemalige Handballer, der aus der Handball-Hochburg Gummersbach stammt, nimmt seine Aufgaben sportlich. Er sagt: „Sportler haben diese Gewinner-Mentalität, wollen erfolgreich sein.“ Verlässlichkeit, Standhaftigkeit, Loyalität hätten ihm auf seinem Weg geholfen.

Um dabei nicht in der Forschungsblase eingeschlossen zu sein, verfolgt er nach eigener Angabe auch Social-Media-Kanäle wie Snapchat oder TikTok. „Wir leben in einer großartigen und spannenden Zeit, das Internet, KI, die Globalisierung, all diese Themen geben uns so viel mehr Möglichkeiten, als wir sie vor 50 Jahren hatten. Jetzt liegt es an uns, diese lebenswerte Welt zu erhalten“, so der zweifache Vater.

WZL-Direktor Michael Riesener begeisterte bereits mit Tech-Festival

Der 39-jährige Michael Riesener bringt laut RWTH Aachen eine besondere Kommunikationsfähigkeit mit ins neue Direktorium. Er ist jemand, „der auf die Menschen zugeht, ihre Talente erkennt, sie in Verbindung bringt, der Teams zusammenstellt und dem Kollaboration über alles geht“, heißt es.

Seit zwei Jahren ist er Geschäftsführer der RWTH Innovation GmbH und kümmert sich über verschiedene Lehrstühle hinweg um Technologietransfer. Lösungen im Bereich der großen Themen wie Zirkularität oder humanoider Robotik können nicht aus einem einzelnen Lehrstuhl heraus zum Erfolg gebracht werden, ist Riesener überzeugt. Deshalb setzt er sich für interdisziplinäre Zusammenarbeit ein. „Ich möchte alle einladen, hier mit uns zu kooperieren, und dafür werde ich innerhalb und außerhalb der Hochschule auf Tour gehen“, lässt der Vater von fünf Kindern durchblicken. Dazu hat er im März das erste „RWTH Tech Impact Festival“ organisiert und nach Hochschulangaben rund 1500 Forschende und Entrepreneure zusammengebracht.

Über seinen Vorgänger Günther Schuh sagt der neue WZL-Direktor: „Ich habe sehr viel von ihm gelernt, vom Initiieren bis zum Umsetzen von Projekten.“ Gerade das Umsetzen von Forschung in die Anwendung sei oftmals schwierig. In der Wissenschaft gibt es für den Zeitraum zwischen Grundlagenforschung und Anwendung den Begriff „Valley of Death“. „Hier fehlt es an Risikokapital sowie an Instrumenten zur kollaborativen Entwicklung zwischen Forschung und Industrie“, weiß Riesener. Er setzt sich deshalb ein klares Ziel: „Wir müssen im Transfer besser werden.“

Neben Riesener und Boos gehören weiterhin die Professoren Robert Schmitt und Christian Brecher zum WZL-Direktorium.  Brecher, der aktuell geschäftsführender Direktor am WZL ist, sagt: „Mit den Neuberufungen setzen wir auf Persönlichkeiten, die unsere Werte weitertragen und gleichzeitig neue Impulse setzen.“

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Martin Ciupek ist Ingenieur und Technikjournalist mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Robotik und Automatisierungstechnik.

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