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Berufliche Veränderung beginnt mit der Selbstvermarktung

Sie sind auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung oder möchten Ihrer Karriere den entscheidenden Schub geben? Der Wunsch ist da, aber an der Umsetzung mangelt es dann doch.

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Foto: panthermedia.net/maxkabakov

Die Trennung vom langjährigen Arbeitgeber fällt oft schwer, auch wenn die Luft raus ist. Eine berufliche Neuorientierung beginnt mit der Selbstvermarktung. “Hallo, hier komme ich!“ Das müssen die Wunschunternehmen erst einmal wahrnehmen. Wie das gehen kann, verrät uns Hans-Georg Lauer.

Hans-Georg Lauer

Hans-Georg Lauer

Guten Tag Herr Lauer, Sie sind Profi, wenn es um die professionelle Selbstvermarktung geht. Der Wunsch eines neuen Jobs ist da, aber es mangelt noch daran, den Zug auf das Gleis zu bringen. Womit fängt man am besten an?

Hans- Georg Lauer: Oftmals beginnt es mit einem unguten Baugefühl, einer Art Unzufriedenheit mit dem aktuellen Job. Jeder sollte sich dann zunächst einmal befragen, woher diese Unzufriedenheit rührt, d.h. den Wechselwunsch und die Wechselgründe ehrlich und selbstkritisch überprüfen. Was steht im Vordergrund: will ich weg von etwas (dem „nervigen“ Chef, der unterbezahlten Arbeit, der fehlenden Freizeit etc.) oder hin zu etwas und was genau suche ich?

Wenn Sie für sich geklärt haben, was Ihr eigentliches Wechselmotiv ist, dann sollten Sie sich um die fünf Komponenten erfolgreicher Veränderung kümmern: Vision (was strebe ich an), Strategie (wie komme ich da hin), Fähigkeiten (was braucht es dafür), Anreize (was winkt mir als „Lohn“) und Ressourcen (welche Mittel muss ich einsetzen). Nur wenn Sie über alle fünf Elemente verfügen, wird, um in dem Bild zu bleiben, „der Zug aufs Gleis gesetzt und den Bahnhof verlassen“. Aus Sicht eines neuen Arbeitgebers verhält es sich im Übrigen genauso. Dieser lässt sich nur überzeugen, wenn er das Wechsel-Motiv des Bewerbers genau verstanden hat.

Wie geht man bei der Entwicklung beruflicher Perspektiven am besten vor?

Am besten starten Sie mit einer Selbstreflexion: was sind meine Stärken, für welche Fähigkeiten, Kompetenzen habe ich von Dritten in Studium und Beruf immer schon viel Anerkennung bekommen, was davon macht mir wirklich Spaß? Welche Erfolge habe ich in meinem letzten Job erzielt und mit welchen Beispielen lassen sich diese belegen? Hieraus gilt es, ein unverwechselbares, persönliches Profil in einem bestimmten Marktsegment abzuleiten („Profiling“), um sich von der Masse der Kandidaten abzuheben. Und prüfen Sie, wo genau Ihr Job-Profil aktuell benötigt wird. Denken Sie nicht nur an die Mitbewerber in der Branche sondern auch an Lieferanten oder Kunden, für die Ihr Profil interessant sein könnte.

Neben den unbestrittenen fachlich-methodischen Qualitäten müssen bei vielen Positionen soziale und je nach Position auch Führungs-Fähigkeiten ausgeprägt vorhanden sein. Sammeln Sie entsprechende Beispiele aus Ihrer letzten beruflichen Tätigkeit, die Sie als Belege für Ihre „Soft Skills“ heranziehen können.

Wie stehen die Chancen, wenn man schon sehr lange bei einem Arbeitgeber beschäftigt ist, sich dann noch beruflich zu verändern?

Nach meiner Erfahrung stehen die Chancen gar nicht so schlecht, insbesondere wenn Branchenkenntnisse und Vernetzung in der Industrie relevant sind, wie z.B. im Vertrieb oder im Entwicklungsbereich. Der Rest hängt entscheidend von der Persönlichkeit des Kandidaten ab: wie flexibel, wie rege bin ich? Kann ich gut mit Veränderungen umgehen und mich auf eine neue Kultur einstellen? Wie sensibel bin ich, mich auf eine neue und ggf. komplett andere Unternehmenskultur einzustellen? Lange bei demselben Arbeitgeber beschäftigt gewesen zu sein, muss kein Zeichen von mangelnder Flexibilität sein. Es kommt darauf an, was Sie als Kandidat aus Ihrem Job gemacht haben, wie kreativ Sie diesen weiterentwickelt haben.

Und wie verkauft man im Vorstellungsgespräch, warum man nach so vielen Jahren wechseln möchte?

Gerade wenn Sie als Kandidat lange bei ein und demselben Unternehmen beschäftigt waren, ist ein Wechselwunsch in unserer heutigen, kurzlebigen Zeit nichts Ungewöhnliches. Also treten Sie auf jeden Fall selbstbewusst auf und stehen Sie zu Ihrem bisherigen Karriereverlauf. Sagen Sie kurz und knapp, was Sie bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber gehalten hat und fokussieren Sie sich dann lieber auf Ihre Wechsel-Motivation.

Stellen Sie nicht nur Ihre Routine und Erfahrung im Vorstellungsgespräch heraus sondern bleiben Sie neugierig, offen und flexibel. Gefragt sind neue Lösungen und nicht die Wiederholung des ewig Gleichen, also nicht nur „alten Wein in neue Schläuche gießen“.

Wenn Sie viele Jahre bei einem Arbeitgeber verbracht haben, sind Zwischenzeugnisse für jeden Karriereschritt umso wichtiger. Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber spätestens bei jeder Vorgesetzten-Veränderung auf ein Zwischenzeugnis an, um damit Ihre Erfolge und die Bewertung Ihrer Arbeit zu dokumentieren.

Wie geht man in den Vertragsverhandlungen am besten vor?

Bevor Sie in eine Vertragsverhandlung gehen, sollten Sie sich über Ihre „Deal-Breaker“ klar werden: welche drei Punkte möchte ich wirklich im Vertrag umgesetzt sehen? Reduzieren Sie Ihre Forderungen auf die drei für Sie wichtigsten Verhandlungspunkte und überlegen Sie sich, wie Sie diese mit Argumenten absichern. Welche Vertragsinhalte sind Ihnen nicht so wichtig, die Sie dafür aufgeben könnten. Kleinere Arbeitgeber zeigen sich an dieser Stelle meist flexibler. Es lohnt sich also zu verhandeln.

Was unternimmt man, wenn zu Anfang die ersten Absagen kommen und Selbstzweifel auftreten?

Rein von der Statistik gesehen wäre alles andere als eine Absage bei den meisten Stellenanzeigen ein Wunder. Zwar sind wir aus demographischen Gründen auf dem Weg in einen Anbieter-Markt (insbesondere in den MINT-Fächern), da in einer Dekade die sog. Baby-Boomer die Altersgrenze erreichen werden. Noch ist dem aber nicht so. Das ist die rein rationale Sicht, die Sie sich als Kandidat immer wieder vor Augen führen sollten. Stellen Sie sich auf eine Wechselzeit von 6 – 9 Monaten ein und bringen Sie die nötige Geduld und Frustrationstoleranz dafür auf.

Nutzen Sie ihre Selbstzweifel, um ihre Bewerbungskampagne auf Basis des ersten Feedbacks aus dem Markt weiter zu schärfen. Sprechen Sie mit guten Bekannten, die schon einmal in einer ähnlichen Situation gewesen sind und lassen sich neu motivieren. Eine Bewerbungskampagne ist harte Arbeit und verlangt viel Selbst-Disziplin. Wenn Sie formal Nachholbedarf bei Auftritt, Präsentation, Interview oder Bewerbungsunterlagen haben, kann es durchaus sinnvoll sein, einen professionellen Karriere-Berater in ihre Bewerbungskampagne einzubeziehen.

Vielen Dank für den Beitrag. Hans-Georg Lauer ist Coachingexperte und Referent auf unseren VDI nachrichten Recruiting Tagen.

 

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