Interview 19.05.2024, 11:28 Uhr

Transformation: Gehen sichere Jobs im Technikbereich auch verloren?

Sicher geglaubte Jobs gehen gerade verloren – das trifft auch Ingenieure. Doch auch im Job plagen Ungewissheiten rund um digitale Transformation, neue agile Arbeitsstrukturen und rasche Innovationszyklen. Wie damit umgehen? Wie trotzt man Unsicherheiten oder nutzt sie gar für sich? Führungskräftecoach Gudrun Happich hat Antworten.

Sicher durch unsichere Zeiten: Ingenieure auf Kurs in der Ära der digitalen Transformation. Foto: PantherMedia / Andriy Popov

Sicher durch unsichere Zeiten: Ingenieure auf Kurs in der Ära der digitalen Transformation.

Foto: PantherMedia / Andriy Popov

Wir leben in einer VUCA-Welt, was viele verunsichert. Zu Recht?

Ja, absolut: Denken Sie an die aktuellen Schlagzeilen: Viele etablierte Unternehmen wie Bosch, Continental oder ZF entlassen tausende Mitarbeitende, darunter auch viele Ingenieure. Auch die Corona-Pandemie ist ein besonderes Beispiel dafür – eine noch nie dagewesene Situation mit ungewissem Ausgang, die immer wieder neu weitreichende Entscheidungen erforderte. Eine Klientin gestand damals: „Ich bin Vorstandsvorsitzende, aber ich weiß nicht, was ich tun soll.“ Sollte sie vorgeben, souverän zu sein, oder ihre Verzweiflung offen zeigen? Beides schien keine Lösung zu sein.

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Verunsichert war auch ein Bereichsleiter (Maschinenbau-Ingenieur), der mit ansehen musste, wie der Vorstand völlig zerstritten war und das Unternehmen durch die Konflikte zunehmend destabilisiert wurde – quasi führungslos auf den Abgrund zusteuerte. Sollte er die Augen davor verschließen oder sich aktiv einbringen? Was ist diesen Beispielen gemein: Die Menschen erleben viele Veränderungen im Außen, so dass sie als einzelne Person das Gefühl haben: „Ich habe es weder unter Kontrolle, noch habe ich die Möglichkeit, es zu beeinflussen.“ Allein diese Aussicht macht unsicher und kann sich bis zu einem Gefühl der Ohnmacht, beziehungsweise des „Ausgeliefertseins“ steigern. Unsicherheit begleitet uns ständig.

Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit

Was ist Ihr Eindruck: Wird das Thema gerade in technischen Berufen viel zu oft vernachlässigt?

Ich glaube, dass das Thema Unsicherheit nicht unbedingt vernachlässigt wird. Ich glaube eher, dass es ein Stück weit verdrängt wird beziehungsweise wurde. Ich beobachte immer wieder – insbesondere bei technischen Berufen und damit auch Ingenieuren – dass dort der Eindruck vorherrschte: „Wir sind Know-how-Träger, wir sind wichtig für die Gesellschaft und für die Entwicklung. Man braucht uns, und damit sind wir „sicher.“ So kann man ja mit Fug und Recht behaupten, dass die deutschen Ingenieure in der Automobilbranche so ziemlich die besten Verbrenner-Motoren der Welt bauen. Da liegt es doch nahe, anzunehmen: „Solange wir die bauen, sind wir stark. Wir haben uns damit eine echte Vorreiter-Stellung erarbeitet.“ Doch jetzt merken wir, dass das

a) keine Selbstverständlichkeit ist

b) man sich diesen Ruf immer wieder neu erarbeiten muss und

c) die Vorreiterrolle aktuell nicht mehr der Realität entspricht.

Unsicherheit als Teil des Ingenieur- und des Führungsalltags

Wie können Ingenieurinnen und Ingenieure mit Unsicherheiten umgehen?

Aus den genannten Beispielen wird deutlich: Unsicherheit ist Teil des Ingenieur- und auch des Führungsalltags. Und so kommt es, dass sich viele Ingenieure und Führungskräfte nach Hilfe, Orientierung und Stabilität sehnen. Man versucht, sich abzusichern, etwa durch einen gut ausgehandelten Arbeitsvertrag, muss aber erkennen, dass er nur eine trügerische Sicherheit bietet. Ich nenne es gerne „Pseudo-Sicherheit“. Verträge können gekündigt werden, Unternehmen pleitegehen. Oder man gibt sich den Versprechungen eines Beraters hin und hofft, damit das Gefühl der Unsicherheit zu beseitigen.

Am Ende steht dahinter oft der Wunsch, dass jemand anderes die Verantwortung übernimmt und uns damit von der Unsicherheit befreit. Die Hilfe von außen, die einfache Lösung – der „Ritter auf dem weißen Pferd“, der plötzlich auftaucht und den Weg weist: Das bleibt in den meisten Fällen eine Illusion. Genauso funktioniert leider nicht, sich in trügerischer Sicherheit zu wiegen: „Wird schon“. Das kann dann genau dazu führen, was wir an vielen Stellen jetzt erleben: „Anschluss verpasst.“ Die Welt ist zu komplex, die Dinge sind zu sehr miteinander verwoben.

Aber findet man Sicherheit? Was braucht man, um sich sicher zu fühlen?

Die Lösung liegt weniger in der Suche nach Lösungen im Außen, sondern in der Suche nach Lösungen im Inneren – also im persönlichen Umgang mit den unvermeidlichen, unsicherheitsauslösenden Situationen.

Sicher durch unsichere Zeiten. Aber wie?

Was sind Ihre Top 3-Tipps?

Um als Ingenieurin oder Ingenieur souverän mit Unsicherheit umzugehen, hat sich ein Vorgehen in drei Schritten bewährt:

  • Schritt 1: Wahrnehmen: Nehmen Sie eine Unsicherheit wahr, achten Sie dabei auch auf körperliche Reaktionen, die oft erste Anzeichen sind.
  • Schritt 2: Ernstnehmen und stoppen. Akzeptieren Sie die Unsicherheit und halten Sie inne. So vermeiden Sie es, impulsiv zu reagieren oder in eine Endlosschleife des Grübelns zu geraten.
  • Schritt 3: Reflektieren und Handeln: Hinterfragen Sie Ihre Situation und überlegen Sie, welche Handlungsmöglichkeiten Sie haben. Entscheiden Sie sich dann für eine Option – und ergreifen Sie die entsprechenden Maßnahmen.

Können Sie ins Detail gehen?

Zu Schritt 1: Wahrnehmen.
Wer lernen will, mit Unsicherheit umzugehen, muss diesen ersten Schritt tun: sich seiner Gefühle und damit seiner Unsicherheit bewusst werden. Dazu gehört auch, auf die Signale des Körpers zu achten. Symptome wie Halsschmerzen oder Bauchgrummeln sind nicht nur körperliche Empfindungen, sondern können auch Indikatoren für emotional belastende Zustände wie Stress oder Unsicherheit sein. Anstatt bei solchen Symptomen zu denken, „Das nervt mich, ich ignoriere es“, sollten wir sie als Signal für verdrängte Emotionen verstehen. Sich seiner Unsicherheit bewusstwerden, bedeutet nicht, sich von ihr beherrschen zu lassen. Es geht nur darum, sie wahrzunehmen – als ersten Schritt auf dem Weg zu einem konstruktiven Umgang mit ihr. Nur wenn wir unsere Unsicherheit wahrnehmen und im nächsten Schritt ernstnehmen, können wir Maßnahmen ergreifen, um sie zu bewältigen. Nur so können wir verhindern, dass sie sich weiter ausbreitet und zu einem noch größeren Problem wird.

Zu Schritt 2: Ernstnehmen und stoppen.
Die einen greifen nach einer schnellen und einfachen Lösung, andere verfallen in hektische Aktivität und treffen kopflos Entscheidungen, wieder andere drücken das Gefühl der Unsicherheit weg und ignorieren die damit verbundenen körperlichen Symptome. Anstatt so zu reagieren und das Gefühl der Unsicherheit nicht ernst zu nehmen, sollte man sich klarmachen: Unsicher zu sein, ist erst einmal in Ordnung. Wir Menschen haben alle mehr oder weniger die gleichen Gefühle. Wenn also Ängste oder Unsicherheiten hochkommen, darf man sicher sein: Das ist normal, das ist menschlich.

Der zweite Schritt besteht also darin, die Situation und die damit verbundene Unsicherheit zu akzeptieren. Sie ernst zu nehmen. Er bedeutet aber auch, unüberlegte Reaktionen zu vermeiden. Statt einem Impuls nachzugeben oder in einer emotionalen Ausnahmesituation voreilige Entscheidungen zu treffen, gilt es, erst einmal innezuhalten. Hier sind zwei Szenarien denkbar: Das Gefühl der Unsicherheit hat einen unmittelbaren Auslöser, wird also zum Beispiel durch die Kritik des Vorgesetzten oder eines Kollegen getriggert – oder die Unsicherheit ist auf eine allgemeine Lage wie eine Pandemie oder sich verschlechternde Wirtschaftsdaten zurückzuführen.

Schritt 3: Reflektieren und Handeln.
Das Gefühl der Unsicherheit ist da, man nimmt es wahr und hält inne. Nun stellt sich die Frage: Wie gehe ich jetzt damit um? Es geht jetzt nicht darum, eine schnelle Lösung im Außen zu finden, sondern erst einmal bei sich selbst zu bleiben: Ist dieses Gefühl überhaupt berechtigt? Wenn ja: Was brauche ich, um mich sicher zu fühlen?

Es spricht nichts dagegen, erst einmal in Gedanken alle Optionen auf den Tisch zu legen. Hat ein Mitarbeiter Sie mit seiner Kritik oder seinem Verhalten verunsichert, können Sie in Tränen ausbrechen, nach Hause gehen, den Mitarbeiter anschreien, ihn zu einem richtig bösen Kritikgespräch einbestellen. Das alles sind Optionen, aber sind sie auch sinnvoll? Die Frage ist immer, was das übergeordnete Ziel ist? Ist es das Wohl des Unternehmens, dem man sich verpflichtet fühlt? Eine klare Vorstellung davon, wohin Sie als Führungskraft Ihren Bereich oder Ihr Unternehmen in den nächsten Jahren steuern wollen, wirkt dem Gefühl der Unsicherheit bereits deutlich entgegen. Überprüfen Sie Ihre Handlungsoptionen vor dem Hintergrund Ihres übergeordneten Ziels.

Gudrun Happich

Gudrun Happich.

Foto: Galileo-Institut

Vom Wahrnehmen ins Handeln kommen

Kann man Unsicherheiten sogar für sich nutzen? Wenn ja, wie?

Unsicherheit gehört zum Alltag, auch zum Führungsalltag. Die Lösung liegt weniger in der Unterstützung von außen als vielmehr im persönlichen Umgang mit den Situationen, die Unsicherheit auslösen. Machen Sie sich bewusst, dass Sie die Suche nach Sicherheit im Innern nach der 3-Schritte-Methode nutzen können. So kommen Sie vom Wahrnehmen ins Handeln. Sie nutzen die Triggersituation dann, um Ihre Unsicherheit wahrzunehmen, Sie nehmen sie ernst und können die normalen automatischen Impulse und Impulshandlungen zum Stoppen bringen. Statt unsicher zu sein, können Sie jetzt die Perspektive wechseln und auf die Unsicherheit schauen: Sie haben Abstand von der Situation gewonnen. Sie werden merken, dass Sie deutlich souveräner und kreativer werden. Jetzt können Sie aus der inneren Souveränität kluge Lösungen oder Handlungsideen entwickeln. Sie werden feststellen, dass Ihr Umfeld Ihnen Aufmerksamkeit und Vertrauen entgegenbringen wird, man Ihnen und Ihren Ideen aufmerksamer zuhört. Sie werden die Erfahrung machen, dass Sie auf diese Art und Weise mehr erreichen für sich selbst, Ihr Umfeld und Ihr Unternehmen.

Die Expertin:
Gudrun Happich ist Dipl.-Biologin, Unternehmerin und seit mehr als 25 Jahren Executive Coach. Ihre Erfahrungen teilt sie als Buchautorin, Bloggerin und Podcasterin. Ihr Buch «Herausforderungen im Führungsalltag» erhielt im Jahr 2021 den getAbstract Readers’ Choice Award. Für ihr aktuelles Buch C-Level: Im Top-Management erfolgreich werden, sein und bleiben schrieb die Stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Beiersdorf AG, Manuela Rousseau, das Vorwort.

Ein Beitrag von:

  • Chris Löwer

    Chris Löwer

    Chris Löwer arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freier Journalist für überregionale Medien. Seine Themenschwerpunkte sind Wissenschaft, Technik und Karriere.

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