Sprachlos in überall – Teil 3

Einfach mal ein paar Komplimente verteilen bringt nur Gutes für alle Beteiligten.

Einfach mal ein paar Komplimente verteilen bringt nur Gutes für alle Beteiligten.

Foto: panthermedia.net/avemario

Die „einfachen“ Gespräche sind auch heute unser Thema. Gespräche, die für Generationen vor uns selbstverständlich waren, die heute abgelöst werden durch oberflächliche Chats bei „facebook“, „whatsapp.“ oder „Skype“. In der Anonymität trauen wir uns mehr, wir brauchen niemanden in die Augen zu sehen und können uns aus dem Staub machen, wenn wir die Lust verlieren oder das Gespräch sich nicht in unserem Sinne entwickelt. Bewerbungen online, Partnersuche online, spielen online, kaufen online, lernen online – sehr praktisch, aber wir verlernen darüber nach und nach den direkten Kontakt mit unseren Mitmenschen.

Im letzten Newsletter ging es um eine einfache Möglichkeit, diesen Kontakt erst einmal herzustellen: Das Fragenstellen, das ich im Kontakt mit Menschen zunehmend vermisse. Viele Menschen reden in epischer Breite von sich und stellen ihrem Gegenüber nicht eine einzige Frage – Monolog statt Dialog! Aber das ist nicht das Einzige, das ich vermisse, nämlich ein freundliches Wort, ein Lob oder Kompliment des Gegenübers. Es scheint so leicht zu sein, andere Menschen zu kritisieren oder sie durch Negativaussagen zu verunsichern. Neulich sagte eine Bekannte mit besorgter Miene zu mir: „Du bist aber blass. Geht’s dir nicht gut?“ Dieselbe Bekannte hatte mir vorher noch nie gesagt, ich habe aber eine gesunde Farbe, das sei für sie ein Beweis dafür, dass es mir gut ginge. Sie wird es nicht böse gemeint haben, aber warum konzentriert sie sich auf genau dieses eine Mal, wenn ich in ihren Augen blass bin. Und – das ist die noch interessantere Frage: Was bewirkt ihre Negativaussage bei mir? Wie soll ich reagieren? Meine Hautfarbe allein ist sicher noch kein Indikator dafür, dass es mir nicht gut geht und bis zu ihrer Bemerkung ging es mir gut. Jetzt schaue ich in den Spiegel und sehe das, was sie gesehen hat. Ich frage mich, ob ich nicht wirklich ein bisschen erschöpft bin und fühle mich mit einem Mal schlechter als zuvor.

Was uns allen gut tut, worüber wir uns freuen und was uns den Tag versüßt, sind die positiven Bemerkungen, die kleinen verbalen Aufmerksamkeiten von Menschen, die es gut mit uns meinen. Menschen, die loben können, ohne dafür etwas zu erwarten, die uns mit einer positiven Äußerung ein kleines Geschenk machen. Wenn ich mit dem Hund spaziere gehe, höre ich häufig Komplimente für das schöne Tier. Wenn ein neues Auto vor der Tür steht, sagen die Nachbarn: Schickes Auto! Allenfalls die Dinge, die ich „besitze“, werden gelobt, aber nicht ich werde gelobt wegen meines guten Geschmacks. Haben wir zu viel Angst vor Nähe, wenn wir dem Gegenüber etwas Nettes über ihn selbst sagen?

Meine Freundin Anette erzählte mir neulich, dass ihr Mann sie nach zehn Ehejahren betrogen habe und sie total enttäuscht sei. Ich konnte sie gut verstehen, aber ich wusste, dass mein Mitleid ihr nicht weiterhelfen würde. Stattdessen fragte ich sie: „Hast du schon einmal über den Satz nachgedacht: Wer betrogen wird, hat zuerst betrogen?“ Empört wehrte sie ab, aber als wir uns darüber unterhielten, konnten sie den Ansatz sehen. Sie hatte ihn sehr wohl betrogen – um die Anerkennung nach der er sich sehnte, die Aufmerksamkeit, die er brauchte, die Komplimente, die ihr früher so leicht über die Lippen gekommen waren. Sie hatte immer neue Gründe gefunden, ihn zu kritisieren. Da hatte eine andere Frau, die ihm sagte, er sei etwas ganz Besonderes, es so leicht.

Wann haben Sie den Menschen an ihrer Seite das letzte Mal gelobt? Wann haben Sie ihm ein ganz persönliches Kompliment gemacht? Andersherum: Wann haben Sie den Menschen an ihrer Seite zuletzt kritisiert? Wann haben Sie sich zuletzt negativ oder auch gar nicht über ihn geäußert? Noch anders gefragt: Wann haben Sie ihn oder sie das letzte Mal wirklich gesehen? Im Englischen heißt es: Happy wife – happy life. Mache deine Frau glücklich und du hast ein glückliches Leben. Umgekehrt gilt das natürlich genauso: Mache deinen Mann glücklich und du hast ein glückliches Leben. Positive Äußerungen sind nur scheinbar ein Geschenk, in Wahrheit bekommt man ganz viel dafür zurück.

Viele meinen, ein Lob funktioniere nur hierarchisch von oben nach unten: Eltern loben ihre Kinder, Lehrer ihre Schüler, Vorgesetzte ihre Mitarbeiter. Woher kommt dieser Irrglaube? Freuen wir uns als Eltern nicht sehr, wenn unsere Sprösslinge uns sagen: „Du bist der beste Papa der Welt oder die schönste Mama der Welt?!“ Dass der Vorgesetzte seine Führungsaufgabe ernst nimmt, dass er fair ist, alle mit dem gleichen Respekt behandelt, andere Meinungen gelten lässt und uns nicht nur fordert, sondern auch fördert: Ist das so selbstverständlich? Bei den vielen Vorgesetzten, die all das genau nicht tun, glaube ich, dass es nicht selbstverständlich ist. Würde der Vorgesetzte sich nicht darüber freuen, wenn Sie ihm das einmal sagen, und sei es nur als Orientierung für ihn, dass der Weg richtig ist?!

Vielleicht haben wir oft Hemmungen, anderen etwas Nettes zu sagen, weil wir Sorge haben, wir seien anbiedernd oder würden über ein Lob etwas Bestimmtes erreichen wollen: bessere Noten in der Schule, ein höheres Gehalt oder eine wie auch immer geartete Belohnung. Von diesen Gedanken sollten wir uns einmal verabschieden und gar nicht so viel über die Folgen einer positiven Äußerung nachdenken, die uns jegliche Spontaneität schon im Ansatz vermiesen. Das Kompliment wird doch erst dann zu einem „Angelhaken“, wenn es von einer bestimmten Gestik und Mimik unterstrichen wird. Einen Abend bevor ich begonnen habe, diesen Artikel zu schreiben und mich gedanklich damit beschäftigte, saß ich auf der Terrasse eines Restaurants und wartete auf Freunde. Am Nebentisch saßen drei Herren im Rentenalter, von denen einer gerade aufbrach. Als er an meinem Tisch vorbeikam, blieb er stehen und sagte: „Ich freue mich, Sie zu sehen.“ Im ersten Moment war ich zugegebenermaßen etwas überrascht, weil ich wusste, dass wir uns nicht kannten. Dann entgegnete ich: „Wenn Sie sich freuen, dann freue ich mich auch.“ Darauf er: „Ich weiß nicht, ob ich das so sagen darf, aber Sie haben ein Gesicht, dass ich immerzu anschauen möchte. Der liebe Gott hat sie sehr verwöhnt. Und jetzt wünsche ich Ihnen einen schönen Abend!“ Er lächelte freundlich und ging seiner Wege. Ich blieb mit dem guten Gefühl zurück, gerade von einem wildfremden Menschen ein großes Geschenk erhalten zu haben, mein Abend hatte damit gleich einen positiven Akzent bekommen. Nun gehörte jener Herr zu einer Gruppe von Menschen, die mit der multimedialen Welt nicht so vertraut ist und die noch im Vier-Augen-Gespräch geübt ist. Möglicherweise auch zu einer Gruppe von Menschen, die schon vieles erlebt hat und keine Angst mehr hat sich lächerlich zu machen. Für mich spielte das keine Rolle, ich habe mich nicht mehr und nicht weniger gefreut, als wenn ein deutlich jüngerer Mann oder eine Dame mir etwas so Freundliches gesagt hätte. Die Worte waren wichtiger als die Person. Es ging ihm nicht um ihn, nicht darum, eine perfekte Wirkung zu erzielen, sondern darum, einem anderen Menschen, in diesem Fall mir, eine Freude zu machen.

Während ein Lob sich auf eine Verhaltensweise oder die Leistung eines Menschen bezieht, geht es beim Kompliment um das reine „Sein“, weshalb Komplimente nicht nur gut klingen, sondern es auch tun. Ein freundliches Wort über unser Wesen oder unser Äußeres lässt uns viel beschwingter durch die Welt gehen. Wir alle haben das Bedürfnis, von anderen positiv wahrgenommen und geschätzt zu werden. Wenn ein Kompliment von Herzen kommt, geht es auch zu Herzen und wenn es uns in unserer Einzigartigkeit bestätigt, dann mögen wir denjenigen, der uns das Kompliment gemacht hat, ganz besonders. Nicht nur die Freude zählt zu den Dingen, die sich verdoppeln, wenn man sie teilt, auch die Komplimente, sie werden mehr und wir bekommen sie zurück, wenn wir verschwenderisch und nicht strategisch damit umgehen.

Ich bin sicher, dass Sie ein Mensch sind, der großherzig Lob, Anerkennung und Komplimente weitergeben kann, Sie brauchen es in den nächsten Wochen nur zu tun. In der kommenden Ausgabe wird es dann darum gehen, wie die einfachen Möglichkeiten, ein positives Gespräch zu führen, sich auf Ihre Geschäftsbeziehungen auswirken.

www.schmidt-partner-solingen.de

 

Von Renate Eickenberg - Autorin und Coach

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