Beratung 22.12.2014, 12:01 Uhr

Rückschläge können bei Ingenieuren zu Versagensangst führen

Häufige Rückschläge bei Vorstellungsgesprächen können zu Versagensangst bei Ingenieuren führen. Es wird leichter, wenn Gesprächstaktiken bekannt sind und Bewerber beispielsweise Psychospiele der Personaler erkennen und entsprechend auf sie regieren können.

Aktivität schützt vor Versagensangst.

Aktivität schützt vor Versagensangst.

Foto: iStock / Thinkstock

Wechselwillige und arbeitslose Fach- und Führungskräfte sollten bei der Suche nach einem neuen Job mehr Zeit einkalkulieren. Während vor einem Jahr Suchzeiten von sechs bis neun Monaten normal waren, muss der Suchende heute durchaus wieder mit zwölf Monaten rechnen – und mit so manchem Vorstellungsgespräch. Gefährlich wird es, wenn Ingenieure unter Versagensangst leiden oder ihnen der Frust im Gesicht geschrieben steht. Denn auch im Bewerbungsgeschäft gilt: Sichtbar bittere Mandeln und saure Erdbeeren kauft niemand! Die eigene Frustration türmt sich zur höchsten Barriere auf.

Aktivität schützt Ingenieure in einem gewissen Rahmen vor Versagensangst

Ein älterer Servicetechniker berichtet: „Ich verhielt mich in den Vorstellungsgesprächen völlig desolat, ließ alles über mich ergehen, weil ich von Beginn an mit der üblichen Absage rechnete.“ Wer als Ingenieur unter Versagensangst leidet, kann nicht überzeugen. Aber bedeutet heute eine Reihe von Absagen objektiv ein Versagen? Angesichts der Arbeitsmarktsituation wohl kaum. Dennoch: Ein Bewerber gewinnt nur, wenn er engagiert und motiviert in das Gespräch geht, sich vorbereitet und alles tut, um sich positiv zu präsentieren.

Ein anderes Phänomen offenbart eine stellenlose Chemikerin: „Mit zunehmenden Absagen kamen mir die Gebäude der Arbeitgeber imposanter, die Menschen, die dort eine Stelle hatten, wichtiger vor. Ich selbst empfand mich als immer unbedeutender.“ Wenn das Selbstbewusstsein im Keller ist und Ingenieure Versagensangst entwickeln, sollten sie sich an Erfolgen der Vergangenheit aufbauen. Wer längere Zeit ohne Stelle ist, läuft Gefahr, in die Abwärtsspirale aus Selbstmitleid, sinkendem Selbstwertgefühl und Depression zu geraten.

Ingenieure können mit Aktivität gegen Versagensangst kämpfen

Der Ingenieur muss aktiv werden, um die Versagensangst zu überwinden: in einem Kurzzeitjob oder Ehrenamt, etwa im Sport. Auch fachliche Weiterbildung kommt dem Selbstbewusstsein zugute. Ältere Stellensuchende sollten sich mit der Selbstständigkeit auseinandersetzen. Ein Rückzug, etwa in häusliche Aktivitäten, ist dagegen weniger geeignet. Manche Bewerber reagieren auf ihre missliche Situation mit beißender Ironie im Vorstellungsgespräch. Oder mit überzogen forschem Auftreten.

Ingenieure sollten sich klar machen, dass sie sich mit ihrer Versagensangst selbst im Weg stehen. So erzählt ein Dauerbewerber, Führungskraft in einem Energieunternehmen: „Ich war übereifrig, antwortete wie aufgedreht und bedrängte meinen Gesprächspartner verbal. Am Ende der Gespräche wollte ich gleich wissen, was Sache ist. Bekomme ich nun die Stelle? Wenige Tage später hakte ich telefonisch nach.“ Solche Bewerber sollten sich in die Rolle des Einstellers versetzen. Solcher Eifer ist für den Einsteller höchst verdächtig. Selbst, wer brennend an einer Stelle interessiert ist, sollte gelassen bleiben und sich so verhalten, als stünden ihm Alternativen offen. Das wirkt souveräner.

Ingenieure mit Versagensangst sind anfälliger für Psychospiele

Auch fallen Ingenieure mit Versagensangst auf beliebte Psycho-Spielchen der Einsteller schneller herein. Ein Stellensuchender blickt zurück: „Bei einem Unternehmer wurde anderthalb Stunden lang die zu besetzende Stelle mies gemacht. Als ich dann gefragt wurde, ob ich überhaupt auf einer solchen miserablen Stelle arbeiten wolle, antwortete ich spontan ablehnend.“ Bewerber sollten im Vorstellungsgespräch beobachten, wo sich der Einsteller befindet – auf der ehrlichen, interessierten oder der spielerischen Ebene. Bewerber sollten ruhig überlegen, was der Frager bezweckt.

Es ist wenig sinnvoll, eine Frage der Spielchen-Ebene offen und ehrlich zu beantworten. Pfiffige, situationsbezogene Antworten sind hier eher angebracht. Gerade zu Stationen im Lebenslauf darf sich kein Bewerber aufs Glatteis führen lassen. Wer eine Lebenslaufanalyse vornimmt, braucht kein Prophet zu sein, um darauf zu kommen, zu welchen Punkten nachgefragt wird: lange Studienzeiten, häufige Stellenwechsel, kurze Verweilzeiten oder zeitliche Lücken. Hierzu kann auch ein Ingenieur mit Versagensangst logische Antworten vorbereiten.

Ingenieure sollten Versagensangst nicht ins nächste Gespräch mitnehmen

Ein größeres Unternehmen schrieb eine Stelle für einen Elektro-Ingenieur aus. Gefragt waren nur fachliche Qualifikationen aus der Elektrotechnik. Im Vorstellungsgespräch drehte sich dann alles um EDV-Kenntnisse des Bewerbers. Der Ingenieur war empört: „Ich reagierte zu schnell emotional und nahm mir so jede Chance. Aber noch schlimmer – ich übertrug meine negative Erfahrung auf Folgegespräche. Ich rief bei Gesprächseinladungen bei den Arbeitgebern nochmals an und fragte, ob meine Qualifikationen wirklich gefragt sind.“ Der Ingenieur reagierte mit Versagensangst. Das ist verständlich. Aber auch hier gilt: Ruhig bleiben! Negative Erfahrungen aus einem abgeschlossenen Vorstellungsgespräch sollten ausgeblendet werden.

Das Bewerbungsgeschehen wird in der jetzigen Arbeitsmarktsituation dornenreicher und langwieriger. Wenige Vorstellungsgespräche verteilen sich über einen langen Zeitraum. Das Standardergebnis ist die Absage. Wohl dem Ingenieur, der keine Versagensangst entwickelt, sondern in diesem frustrierenden Geschäft einen klaren Kopf behält, sich nicht zermürben lässt, mit hoher Selbstmotivation in Gespräche geht und seine Frustration zügelt.

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