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Risiko bewerten: Wie sicher ist der Arbeitsplatz des Ingenieurs?

Unternehmen, die gestern noch unzählige Stellenangebote veröffentlichten, entlassen heute Ingenieure. Wie sicher ist jetzt der Arbeitsplatz eines Ingenieurs? Das Schwungrad der deutschen Wirtschaft dreht sich zur Zeit verdächtig langsam, die Konjunktur stockt – hoffentlich nur vorübergehend. Spurlos geht das an den stark technologisch ausgerichteten Branchen und deren Ingenieurbedarf nicht vorbei.

Wie sicher ist der Arbeitsplatz?

Wie sicher ist der Arbeitsplatz?

Foto: panthermedia.net/alphaspirit

„Wie stabil ist mein Arbeitgeber, mein Arbeitsbereich, mein Arbeitsplatz?“ Dies ist aktuell durchaus eine berechtigte Frage für Ingenieure. Wer nicht rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkennt, gerät unter Druck, wenn er von Rückstufung, Abfindungsangebot oder Kündigung überrascht wird. Es bleibt dann nur wenig Zeit, sich wohl überlegt und gezielt intern wie extern nach Alternativen umzusehen.

Mit viel Glück findet der Ingenieur schnell einen adäquaten oder sogar noch besseren Arbeitsplatz. Die Erfahrung lehrt jedoch etwas anderes. Wer unter Druck agiert, macht Fehler. Zu schnell wird einer schlechteren Stellenofferte zugestimmt. Der gefürchtete Karriereknick im Lebenslauf kann nicht mehr abgewendet werden, möglicherweise droht – auch für die vermeintlich gefragten Ingenieure – der Weg in die Transfergesellschaft oder die zeitweilige Arbeitslosigkeit. Größere Lücken im Lebenslauf können schließlich zur erheblichen Hürde auf der Suche nach einem neuen Beschäftigungsverhältnis werden.

Außendienst und Auftragslage liefern Ingenieuren Hinweise zu ihrem Arbeitsplatz

Umso mehr stellt sich die Frage nach Frühwarnindikatoren, um das Risiko für den Arbeitsplatz eines Ingenieurs einschätzen zu können. Der Außendienst hat die besten Karten, was die Einschätzung der Auftragssituation betrifft. Gute Kontakte zu den Kollegen dieser Couleur können also nicht schaden. Was an offizieller Information nicht fließt, geht auf informellen Wegen den kommunikativen Vertrieblern erfahrungsgemäß recht flüssig über die Lippen.

Bezüglich der Auftragslage gibt es weitere Indikatoren. Verdächtig ist es, wenn Entwicklungsprojekte zu früh den Kunden als fertige Lösungen präsentiert, wenn vermeintlich wichtige Projekte gestoppt oder in ungekannter Härte durchgepeitscht werden, wenn kosmetische Projekte an Priorität gewinnen, für die nie Zeit war. Da werden plötzlich Löcher im Auftragsbuch gestopft. Nicht selten sieht der kränkelnde Patient nach Außen dann besser als je zuvor aus, obwohl Ingenieure tatsächlich um ihren Arbeitsplatz bangen müssen.

Für ihren Arbeitsplatz sollten Ingenieure auch auf das Verhalten der Geschäftsführung achten

Auch Bewegungen in der Geschäftsführung sind kritisch zu verfolgen. Verabschiedet sich plötzlich ein langjähriger Vorstand oder Geschäftsführer nach erfolgreicher Arbeit, verlässt er möglicherweise vorausschauend das sinkende Schiff, und auch der Arbeitsplatz des Ingenieurs ist in Gefahr. Die Presse zum eigenen Unternehmen sollte ständig verfolgt werden. Selbst Führungskräfte erfahren hier oft mehr als aus offiziellen Unternehmenskanälen. Randerscheinungen können gleichfalls wichtige Hinweise zum Stand des Unternehmens liefern.

Zeigen sich bekannte Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben oder der Politik seltener als früher mit Topmanagern des Unternehmens, gehen sie zu den Verlierern möglicherweise auf Distanz. Spätestens, wenn verstärkt Investoren oder Auditoren, Revisoren oder externe Unternehmensberater auftauchen, weiß jeder, was Sache ist. Gleiches gilt, wenn größere Umstrukturierungskonzepte entwickelt und Verantwortlichkeiten verschoben werden. Jetzt ist der Arbeitsplatz des Ingenieurs eventuell in Gefahr.

Der Arbeitsplatz eines Ingenieurs kann auch durch Gewinnmaximierung in Gefahr sein

Weitere Frühwarnindikatoren ergeben sich aus der Personalpolitik, die von Managern in der Schusslinie vorgetragen wird: Neueinstellungen werden verkompliziert, Ingenieure erhalten ohne erkennbaren Grund nach der Probezeit keinen festen Arbeitsplatz, Vorgesetzte sind plötzlich mit den erbrachten Arbeitsleistungen der Mitarbeiter nicht mehr zufrieden, vereinbarte Förder- und Gehaltsgespräche werden verschoben. Erscheinen Führungskräfte dann noch häufiger und früher am Schreibtisch als sonst, bleiben sie länger als gewohnt im Büro, so kann das den bedenklichen Eindruck nur abrunden.

Heute drücken Unternehmen allerdings häufig Gewinnmaximierungssorgen. Es geht darum, die Renditen hocheffizienter Unternehmen auf weitere Rekordhöhen zu treiben. Steigt die Rendite nicht im gewünschten Ausmaß, kann es trotz hervorragender Unternehmenssituation für die Arbeitnehmer „aus heiterem Himmel“ unangenehm werden. Das Risiko für ihren Arbeitsplatz können Ingenieure also nur bedingt einschätzen.

Den Arbeitsplatz sollten Ingenieure nicht zu früh verlassen

Treten Frühindikatoren gehäuft auf, sollte über intensive Bewerbungsaktionen für den Arbeitsmarkt nachgedacht und diese vorbereitet werden. Selbst, wenn die Bewerbungen zunächst in der Schublade verbleiben oder nur testweise in Umlauf gebracht werden. Rasches Agieren im Notfall mindert nicht nur die Gefahr der zeitlichen Lücke. Möglicherweise kommt man Kollegen zuvor, die sich gleichfalls in der Region um einen ähnlichen Arbeitsplatz als Ingenieur bewerben. Zudem werden die Nerven nicht über Gebühr strapaziert, denn der Betreffende arbeitet bereits aktiv an der Problembeseitigung.

Allerdings sollte nicht zu früh in Eigenregie gekündigt werden. Durch einen vorzeitigen Ausstieg würden Arbeitnehmer möglicherweise auf nennenswerte Abfindungen verzichten. Das heißt natürlich nicht, dass man sich geruhsam zurücklehnt. Intensive Bewerbungsaktionen sind dennoch vorzubereiten und am Arbeitsmarkt für Ingenieure zu fahren. Im Idealfall winkt dann beides: ein neuer Arbeitsplatz und die Abfindung!

 

Von Bernd Andersch, Karrierecoach Düsseldorf

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