Gehaltsreport 2027 22.09.2026, 10:30 Uhr

67.500 € oder 99.000 €? Warum zwei Ingenieure so unterschiedlich verdienen

Ingenieur ist nicht gleich Ingenieur: Laut Gehaltsreport 2027 von Michael Page liegen zwischen Maschinenbau und Systemarchitektur im Schnitt über 30.000 € im Jahr. Den Unterschied machen Daten-, Software- und Automatisierungskompetenz.

Mitarbeitende und die KI

Künstliche Intelligenz verändert die Anforderungen an Fachkräfte – Daten- und Technologiekompetenz können dabei neue Karriere- und Gehaltsperspektiven eröffnen.

Foto: Smarterpix/P47900 ai generated

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt und könnte nach Einschätzung vieler Unternehmen auch die Gehälter beeinflussen. Eine im August 2026 veröffentlichte Umfrage des ifo-Instituts zeigt, dass viele Unternehmen in Deutschland durch den KI-Einsatz eher sinkende Löhne erwarten. Der Gehaltsreport 2027 von Michael Page zeichnet dagegen ein differenzierteres Bild: Für Fachkräfte mit Daten-, Automatisierungs- und Technologiekompetenz entstehen neue Karriere- und Verdienstmöglichkeiten.

Denn KI verändert nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern auch die Anforderungen an Fachkräfte. Gefragt sind vor allem Beschäftigte, die Prozesse automatisieren, Daten auswerten und digitale Lösungen in operative oder strategische Entscheidungen übersetzen können. Wie sich das Gehalt entwickelt, hängt dabei von Branche, Position und Spezialisierung ab.

KI- und Datenkompetenz kann Karrierechancen verbessern

Der Gehaltsreport 2027 von Michael Page zeigt einen klaren Trend: Unternehmen suchen zunehmend Fachkräfte mit spezialisierten Schnittstellenkompetenzen. Generalisten geraten in einigen Bereichen dagegen stärker unter Wettbewerbsdruck. Besonders gefragt sind Beschäftigte, die ihr Fachwissen mit Daten-, Technologie- oder Automatisierungskompetenz verbinden.

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Deutlich zeigt sich diese Entwicklung in Finance und Accounting. Unternehmen setzen dort zunehmend auf Spezialisten statt auf breit aufgestellte Generalisten. Karriere- und Gehaltsperspektiven bieten sich vor allem Fachkräften, die Finance- und Business-Know-how mit Daten- und Technologiekompetenz kombinieren. Dazu zählen etwa FP&A und Controlling mit Datenfokus, Finance-Transformation und die Modernisierung von Unternehmenssoftware.

Besonders hoch sind laut Gehaltsreport die Vergütungen für Spezialisten in KI, Data & Analytics sowie ERP-Transformation. In einzelnen Fällen erreichen ihre Gehälter demnach das Niveau von Führungskräften. Für viele andere Fachkräfte rechnet Michael Page angesichts des Kostendrucks dagegen mit moderaten Gehaltssteigerungen.

„KI ist kein einheitlicher Lohndruck-Faktor. Entscheidend ist, ob Fachkräfte die Technologie sinnvoll mit ihrem beruflichen Know-how verbinden können. Wer etwa Finanzprozesse modernisiert, Lieferketten datenbasiert steuert oder digitale Systeme in der Organisation verankert, übernimmt eine Funktion, die für Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnt“, kommentiert Michael Baier, Geschäftsführer von Michael Page in Deutschland.

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Auch im HR-Bereich steigt die Nachfrage nach Technologiekompetenz

Der Wandel betrifft nicht nur Finance und technologiegetriebene Branchen. Auch im Personalwesen verändern sich die Anforderungen. Datenkompetenz, Technologieverständnis und die Fähigkeit, Veränderungen zu begleiten, gewinnen an Bedeutung.

Gesucht werden unter anderem HR Business Partner mit strategischem Beratungsprofil sowie Spezialisten für HR-Transformation und Change Management. Auch People Analytics, HR-Informationssysteme und KI-gestützte Personalentwicklung gewinnen an Bedeutung.

Insgesamt erwartet Michael Page für HR-Fachkräfte eher moderate Gehaltssteigerungen von 3 bis 5 %. Deutlichere Gehaltszuwächse sind demnach vor allem für Spezialisten in HR-Tech und Talent Acquisition möglich.

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Gehalt bleibt ein wichtiger Faktor bei der Jobwahl

Wie wichtig das Gehalt für Beschäftigte ist, zeigt die repräsentative Arbeitsmarktstudie „Talent Trends 2026“ von Michael Page. 58 % der deutschen Beschäftigten achten bei Stellenanzeigen besonders auf Angaben zur Vergütung. Bei einem Jobwechsel erwarten 35 % ein Gehaltsplus von 10 bis 19 %. Weitere 17 % rechnen sogar mit 20 bis 29 % mehr Gehalt.

Für Karriereentscheidungen zählt allerdings nicht allein das Gehalt. 65 % der Befragten würden eine Beförderung mit Gehaltserhöhung ablehnen, wenn darunter ihr persönliches Wohlbefinden leiden würde. Damit setzt sich ein Trend der vergangenen Jahre fort. 2025 lag der Anteil mit 68 % nur geringfügig höher.

Auch die Transparenz bei der Vergütung bleibt ein Thema. Mit Blick auf die noch ausstehende nationale Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie stehen Unternehmen vor der Herausforderung, Gehaltsstrukturen nachvollziehbarer zu kommunizieren. 56 % der Beschäftigten in Deutschland empfinden die Gehaltsstrukturen ihres Unternehmens als intransparent. Für 30 % sind sie sogar überhaupt nicht transparent.

„Beschäftigte wollen nachvollziehen können, welchen Wert ihre Erfahrung, Verantwortung und Spezialisierung am Markt haben. Für Unternehmen wird es deshalb wichtiger, Gehaltsunterschiede nicht nur zu verwalten, sondern sachlich erklären zu können – etwa durch klar definierte Rollen, Anforderungsprofile und einheitliche Gehaltsbänder“, resümiert Michael Baier.

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Auch Führungskräfte bleiben offen für neue Karrierechancen

Auch auf der Führungsebene verändert sich der Arbeitsmarkt. Für den „Gehaltsreport 2027“ hat Michael Page nach eigenen Angaben die Angaben von mehr als 14.000 C-Level-Führungskräften und Senior Leaders ausgewertet. 88 % der Führungskräfte sind demnach offen für neue Karrieremöglichkeiten, 40 % erkunden den Arbeitsmarkt bereits aktiv und prüfen neue Perspektiven. Gleichzeitig sind 81 % mit ihrer Vergütung zufrieden. 77 % nutzen KI bereits in ihrer täglichen Arbeit.

Wie hoch die Vergütung ausfällt, hängt dabei unter anderem von Position, Branche und Unternehmensgröße ab. Im Bereich Industry & Manufacturing liegt das durchschnittliche Jahresgehalt eines CEO laut Report bei 205.000 € in kleinen bis mittleren Unternehmen und bei 320.000 € in großen Unternehmen. Für einen CTO nennt Michael Page durchschnittlich 150.000 € beziehungsweise 260.000 €. Als kleine bis mittlere Unternehmen definiert der Report Firmen mit einem Jahresumsatz von 10 Mio. € bis 50 Mio. €; große Unternehmen erzielen demnach mehr als 50 Mio. € Umsatz.

Neben dem Grundgehalt spielen variable Vergütung und Zusatzleistungen eine wichtige Rolle. Zu den in Deutschland am häufigsten geschätzten Zusatzleistungen zählen Dienstwagen beziehungsweise Mobilitätszuschüsse, flexible und hybride Arbeitsmodelle, betriebliche Altersversorgung, Gewinnbeteiligungen, Remote-Arbeit sowie Angebote für Coaching und Weiterbildung. Bei den kurzfristigen Anreizen sind jährliche Leistungsboni und Spot-Boni besonders verbreitet. Langfristige Vergütungsmodelle umfassen unter anderem Long-Term Incentive Plans (LTIP), Aktienoptionen, Retention-Boni und Restricted Stock Units (RSUs).

Was Ingenieurinnen und Ingenieure verdienen können

Auch bei Ingenieurberufen zeigt der Gehaltsreport 2027 deutliche Unterschiede je nach Spezialisierung und Verantwortung. Einige Beispiele aus dem Bereich Engineering:

  • Entwicklungsingenieur: 67.500 € bis 93.500 €, durchschnittlich 80.500 €
  • Ingenieur Elektrotechnik: 62.000 € bis 73.000 €, durchschnittlich 67.500 €
  • Ingenieur Maschinenbau: 62.000 € bis 73.000 €, durchschnittlich 67.500 €
  • Projektingenieur für Verfahrenstechnik, Maschinen- und Anlagenbau oder Automatisierung: 65.500 € bis 95.500 €, durchschnittlich 80.500 €
  • Projektleiter Maschinenbau: 64.500 € bis 112.500 €, durchschnittlich 88.500 €
  • Instandhaltungsingenieur: 70.500 € bis 95.500 €, durchschnittlich 83.000 €
  • Operations Manager: 84.500 € bis 135.000 €, durchschnittlich 109.750 €
  • Produktionsleiter: 93.500 € bis 123.500 €, durchschnittlich 108.500 €

Besonders interessant sind die Gehälter für technische Spezialisten an der Schnittstelle von Engineering und Digitalisierung:

  • Automatisierungsingenieur: 70.500 € bis 93.500 €, durchschnittlich 82.000 €
  • Entwicklungsingenieur Embedded Software: 73.000 € bis 88.500 €, durchschnittlich 80.750 €
  • Hardware- und Softwarearchitekt: 72.500 € bis 114.500 €, durchschnittlich 93.500 €
  • Systemingenieur / Systemarchitekt: 83.500 € bis 114.500 €, durchschnittlich 99.000 €
  • Projektmanager/-leiter Elektronik / Embedded: 72.500 € bis 114.500 €, durchschnittlich 93.500 €
  • Softwareentwickler Machine Vision / HMI / GUI: 70.500 € bis 93.500 €, durchschnittlich 82.000 €

Auch in angrenzenden technischen Bereichen reicht das Gehaltsspektrum weit auseinander:

  • Qualitätsingenieur: 67.500 € bis 88.500 €, durchschnittlich 78.000 €
  • Leiter Qualitätsmanagement: 93.500 € bis 135.500 €, durchschnittlich 114.500 €
  • HSE Manager: 83.500 € bis 137.500 €, durchschnittlich 110.500 €
  • Technischer Leiter: 85.000 € bis 118.500 €, durchschnittlich 101.750 €

2027 wird Engineering noch stärker von unterschiedlichen Entwicklungen geprägt sein: Während einige Industriezweige Stellen abbauen, bleibt der Bedarf in den Bereichen Bau, Energie und Elektrotechnik hoch. Unternehmen suchen dort vor allem Fachkräfte, die technisches Know-how mit Automatisierungs- und Führungskompetenz verbinden“, erklärt Michael Baier, Geschäftsführer von Michael Page in Deutschland gegenüber ingenieur.de.

Die Zahlen verdeutlichen, dass nicht nur der Ingenieurabschluss entscheidend für das Gehalt ist. Auch Spezialisierung, Berufserfahrung, Führungsverantwortung und zusätzliche Kompetenzen etwa in Automatisierung, Software und Digitalisierung spielen eine Rolle.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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