Diese Fähigkeiten brauchen Ingenieure, wenn ihr bisheriger Job verschwindet
Ingenieure bleiben gefragt, wenn sie KI-Kompetenz mit Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und Lernbereitschaft verbinden. Diese Skills suchen Arbeitgeber.
Soft Skills und KI-Kompetenzen im Fokus: Teamfähigkeit, Flexibilität und Zuverlässigkeit bestimmen 2025/2026 die Jobchancen.
Foto: Smarterpix/yacobchuk1
Künstliche Intelligenz, Automatisierung und der Umbau der Industrie verändern die Arbeitswelt. Dabei verschwinden nicht zwangsläufig ganze Berufe – aber Aufgaben verändern sich, werden automatisiert oder fallen weg. Für Ingenieurinnen und Ingenieure bedeutet das: Wer langfristig gefragt bleiben will, muss nicht zwingend einen völlig neuen Beruf erlernen. Entscheidend ist, die eigenen Fähigkeiten rechtzeitig weiterzuentwickeln.
Inhaltsverzeichnis
- Nicht der Ingenieurberuf verschwindet – sondern einzelne Aufgaben
- KI-Kompetenz wird für Ingenieure wichtiger
- Fachwissen bleibt wichtig – verändert aber seinen Wert
- Soft Skills werden wichtiger
- Technisches Wissen mit anderen Kompetenzen verbinden
- KI-Jobs sind da – aber Profile haben sich verändert
- KI-Fachkräfte für konkrete Anwendungen gefragt
- Verschiebung der gefragten Kompetenzen
- Methodik der Analyse
- Lernfähigkeit wird zur Schlüsselkompetenz
- Diese Fähigkeiten brauchen Ingenieure künftig
- Die wichtigste Frage lautet nicht: „Wird mein Job verschwinden?“

Nicht der Ingenieurberuf verschwindet – sondern einzelne Aufgaben
Viele Tätigkeiten, die heute zum Alltag von Ingenieurinnen und Ingenieuren gehören, lassen sich zunehmend automatisieren. Dazu zählen etwa die Auswertung großer Datenmengen, Standardberechnungen, Dokumentation oder bestimmte Aufgaben in Konstruktion und Qualitätssicherung.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Ingenieure überflüssig werden. Je mehr Routineaufgaben Maschinen und KI übernehmen, desto wichtiger werden Fähigkeiten, die sich schwer automatisieren lassen.
Dazu gehört vor allem die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen. Ingenieure müssen nicht nur eine technische Lösung berechnen können. Sie müssen verstehen, welches Problem überhaupt gelöst werden soll, verschiedene Interessen berücksichtigen und Entscheidungen unter Unsicherheit treffen.
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KI-Kompetenz wird für Ingenieure wichtiger
Eine der wichtigsten Kompetenzen wird der souveräne Umgang mit KI sein. Ingenieure müssen nicht zwangsläufig selbst KI-Systeme entwickeln. Sie sollten aber verstehen, wo KI sinnvoll eingesetzt werden kann, welche Ergebnisse zuverlässig sind und wo menschliche Kontrolle notwendig bleibt.
Dazu gehört auch, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Wer eine KI-generierte Berechnung oder Konstruktion ungeprüft übernimmt, macht sich von der Technologie abhängig. Wer dagegen ihre Stärken und Schwächen kennt, kann sie als Werkzeug nutzen.
KI-Kompetenz bedeutet deshalb weniger, möglichst viele Tools zu kennen. Entscheidend ist, die richtigen Fragen zu stellen und Ergebnisse fachlich bewerten zu können.
Fachwissen bleibt wichtig – verändert aber seinen Wert
Technisches Spezialwissen verliert durch KI nicht automatisch an Bedeutung. Es verändert vielmehr seine Funktion. Wenn Software innerhalb von Sekunden Varianten berechnen oder technische Informationen zusammentragen kann, wird es wichtiger, diese Ergebnisse fachlich einzuordnen.
Ingenieurinnen und Ingenieure brauchen deshalb weiterhin ein solides Fundament in ihrem Fachgebiet. Gleichzeitig sollten sie über den eigenen Spezialbereich hinausblicken können.
Ein Maschinenbauingenieur muss beispielsweise nicht zum Softwareentwickler werden. Grundkenntnisse in Datenanalyse, Automatisierung oder KI können jedoch hilfreich sein, wenn sich das eigene Tätigkeitsfeld verändert.
Soft Skills werden wichtiger
„Der Kollege ist zuverlässig“ – der Satz klingt einfach, sagt aber viel aus. Teamfähigkeit, Flexibilität und Zuverlässigkeit werden für Arbeitgeber immer wichtiger. Eine Langzeit-Analyse aller Jobs auf Stepstone.de seit 2019 zeigt: Soft Skills gewinnen in Stellenanzeigen zunehmend an Bedeutung.
2025 werden Soft Skills in 45 % aller Jobs genannt, 2019 nur in knapp 25 %. Besonders stark gefragt sind:
- Zuverlässigkeit: +354 %
- Selbstständigkeit: +168 %
- Flexibilität: +150 %
- Teamfähigkeit: +138 %
Arbeitsumgebungen werden komplexer und verändern sich schneller. Wirtschaftliche Unsicherheit, hybride Arbeitsmodelle und häufig wechselnde Projekte erfordern Mitarbeitende, die sich auf neue Bedingungen einstellen und zuverlässig im Team arbeiten können.
Fachliche Qualifikationen bleiben wichtig. Gleichzeitig werden Soft Skills in Stellenanzeigen immer häufiger zu einem ausschlaggebenden Faktor.
Besonders bei Tätigkeiten mit wechselnden Einsatzorten, engem Teamwork oder dynamischen Anforderungen spielen Teamfähigkeit, Flexibilität und Zuverlässigkeit eine wichtige Rolle.
Technisches Wissen mit anderen Kompetenzen verbinden
Auch in technischen Berufen und im Ingenieurwesen gewinnen Soft Skills an Gewicht. Darüber haben wir auch mit VDI Young-Engineers ausführlich gesprochen. „Unsere Recherche hat gezeigt, dass die Berufswelt immer interdisziplinärer wird. Ingenieure arbeiten immer häufiger mit Fachfremden zusammen, sei es in gemischten Teams oder bei der Bearbeitung von Themen außerhalb des eigenen Fachgebiets. Da ist es entscheidend, dass Ingenieure in der Lage sind, ihre eigenen Ideen klar zu kommunizieren, effektiv in Teams zu arbeiten und mit verschiedenen Berufsgruppen zu kooperieren – alles Aspekte von Soft Skills“, sagte Lucas Cayé vom Vorstand der Young Engineers gegenüber ingenieur.de 2025.
Wer als Ingenieur, Softwareentwickler oder Projektmanager erfolgreich sein will, muss nicht nur fachlich fit sein, sondern auch teamfähig, kommunikativ und anpassungsfähig agieren. Gerade für Tech-Jobs bedeutet das: Kompetenzen wie MLOps, KI-Strategie oder generative KI werden immer wichtiger, doch die menschliche Fähigkeit, diese Technologien effektiv ins Team und den Geschäftsprozess zu integrieren, ist entscheidend.
Auch sehr gute Fachkräfte mit fundiertem Fachwissen müssen in der Lage sein, ihre Expertise zu vermitteln und effektiv im Team einzubringen. Technisches Know-how allein reicht heute nicht mehr aus: Wer Projekte erfolgreich vorantreiben möchte, muss zusätzlich über soziale Kompetenzen verfügen. Genau hier kommen Soft Skills ins Spiel – sie ermöglichen es Mitarbeitenden, komplexe Inhalte verständlich zu kommunizieren, auf Kollegen einzugehen, flexibel auf Veränderungen zu reagieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Ohne diese Fähigkeiten bleibt selbst die beste Fachkompetenz oft ungenutzt. Das ist auch der Grund, warum auch Ingenieure ihre Sichtbarkeit neu denken müssen.
KI-Jobs sind da – aber Profile haben sich verändert
Während KI-Positionen inzwischen fest auf dem Arbeitsmarkt etabliert sind, zeigt die Analyse: Arbeitgeber legen heute stärker Wert auf Soft Skills und andere Kompetenzen als noch vor einigen Jahren.
„In wirtschaftlich unsicheren Zeiten setzen Arbeitgeber verstärkt auf verlässliche und anpassungsfähige Mitarbeitende“, kommentiert Anna Wittich, Arbeitsmarktforscherin bei Stepstone. „Die gestiegene Nachfrage zeigt sich über alle Berufsfelder hinweg – von der Pflege über die Logistik bis ins Projektmanagement. Ob Schichtdienst, wechselnde Einsatzorte oder hybride Arbeit: Verlässlich im Team zu arbeiten und sich auf neue Rahmenbedingungen einzustellen, ist heute überall entscheidend. Fachliche Qualifikationen bleiben wichtig, doch Soft Skills werden immer häufiger zum ausschlaggebenden Faktor.“
Teamfähigkeit sei insgesamt die am häufigsten nachgefragte soziale Kompetenz, hieß es. In 40 % aller Stellenanzeigen, die Soft Skills erwähnten, werde sie ausdrücklich gefordert. Danach folgten Flexibilität mit 26 %, Kommunikationsfähigkeit mit 22 % und Zuverlässigkeit mit 20 %. Anna Wittich erklärte, dass mit zunehmender Automatisierung menschliche Fähigkeiten spürbar an Gewicht gewännen. Gleichzeitig nehme der Einsatz von KI-Tools auch im Recruiting zu, was zu optimierteren Texten mit mehr Standardisierungen führe.
KI-Fachkräfte für konkrete Anwendungen gefragt
Die Analyse zeigt, dass sich KI-Berufe inzwischen fest auf dem Arbeitsmarkt etabliert haben. Gesucht werden zunehmend Fachkräfte, die KI entwickeln und operativ in Unternehmen einsetzen. Nach den Boom-Jahren 2021 bis 2023 hat sich die absolute Zahl der „KI-Jobs“ im Jahr 2025 leicht über dem Niveau von 2019 stabilisiert (+12 %). Als KI-Jobs wurden alle Stellen gewertet, auf die einer oder mehrere von über 40 relevanten Suchbegriffen zutreffen.
Verschiebung der gefragten Kompetenzen
Klassische daten- und plattformorientierte Skills verlieren an Bedeutung. So sank die Nachfrage nach „Internet of Things“ um 70 %, „Big Data“ um 59 % und „Business Intelligence“ um 27 %.
Gleichzeitig steigen Kompetenzen rund um den konkreten Einsatz von KI stark an. Dazu gehören MLOps, der professionelle Aufbau und Betrieb von KI-Systemen, sowie KI-Strategie, also die gezielte Einbindung von KI in Geschäftsprozesse. Auch Jobs im Umfeld Generativer KI haben sich fest etabliert. Besonders gefragt sind Anwendungsfelder wie Sprachverarbeitung (NLP) mit +337 % oder der Umgang mit modernen KI-Frameworks wie PyTorch (+239 %).
Die Ergebnisse verdeutlichen: Arbeitgeber suchen heute weniger nach allgemeinen Datenkenntnissen, sondern bevorzugen Fachkräfte, die KI konkret im Unternehmen umsetzen können.
Neben der IT sind KI-Kompetenzen heute besonders gefragt in den Bereichen Wissenschaft, Beratung, Ingenieurwesen und Marketing, die zusammen rund 80 % aller KI-Jobs ausmachen.
„Es geht nicht mehr nur darum, Modelle zu entwickeln, sondern sie zuverlässig zu betreiben, in bestehende Systeme zu integrieren und wertschöpfend einzusetzen. Rollen wie KI-Engineer oder MLOps-Spezialist waren vor wenigen Jahren noch kaum definiert – heute sind sie als spezialisierte Profile mit messbarem Bedarf am Arbeitsmarkt angekommen“, wird Wittich weiter in einer Pressemitteilung zitiert. „Gleichzeitig zeigt der Rückgang spezialisierter Aufgabenprofile, dass sich in einem rasant verändernden Feld breites Wissen und Veränderungsbereitschaft gefragt ist.“
Dass die Kompetenzen im Wandel sind, zeigt auch eine LinkedIn-Analyse im Zusammenhang mit Software Engineering. Dabei wurden fünf Skills identifiziert.
Methodik der Analyse
Für die Studie wurden alle Stellenausschreibungen auf Stepstone in Deutschland von Januar 2019 bis Dezember 2025 ausgewertet. Untersucht wurde, wie häufig Arbeitgeber KI-Kompetenzen oder Begriffe mit KI-Bezug (wie Machine Learning, Data Science, Big Data oder Robotik) sowie Soft Skills (wie analytisches Denken, Kreativität oder Flexibilität) in den Anforderungen für Bewerbende nannten.
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Mehr als nur ein Soft Skill: Interkulturelle Kompetenz im Beruf
Lernfähigkeit wird zur Schlüsselkompetenz
Die vielleicht wichtigste Fähigkeit ist deshalb nicht eine bestimmte technische Qualifikation, sondern Lernfähigkeit.
Ingenieure können sich nicht mehr darauf verlassen, dass ein einmal abgeschlossenes Studium für das gesamte Berufsleben ausreicht. Neue Software, Produktionsverfahren, Materialien und KI-Anwendungen verändern die Anforderungen kontinuierlich.
Dabei muss Weiterbildung nicht immer ein mehrjähriges Studium oder ein großer Zertifikatslehrgang sein. Entscheidend ist, regelmäßig zu prüfen: Welche Technologien verändern gerade mein Arbeitsgebiet? Welche Aufgaben werden dadurch wichtiger? Und welche Kompetenzen fehlen mir dafür?
Diese Fähigkeiten brauchen Ingenieure künftig
Für Ingenieurinnen und Ingenieure ergibt sich daraus ein Kompetenzprofil, das technisches Wissen mit übergreifenden Fähigkeiten verbindet:
- KI- und Datenkompetenz: KI-Anwendungen verstehen, sinnvoll einsetzen und Ergebnisse kritisch bewerten
- Problemlösung: komplexe technische Probleme strukturieren und neue Lösungen entwickeln
- Systemdenken: Zusammenhänge zwischen Technik, Wirtschaft, Menschen und Umwelt erkennen
- Kommunikation: technische Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen verständlich vermitteln
- Projektkompetenz: interdisziplinäre Projekte organisieren und Entscheidungen treffen
- Veränderungsbereitschaft: neue Technologien als Teil des sich wandelnden Berufs verstehen
- Lernfähigkeit: fehlende Kompetenzen eigenständig und kontinuierlich aufbauen
Die wichtigste Frage lautet nicht: „Wird mein Job verschwinden?“
Für Ingenieurinnen und Ingenieure dürfte deshalb eine andere Frage entscheidender sein: Welche Aufgaben meines Jobs werden sich verändern – und welche Fähigkeiten brauche ich, um die neuen Aufgaben übernehmen zu können?
Berufliche Veränderung beginnt nicht erst dann, wenn der eigene Arbeitsplatz wegfällt. Sie beginnt deutlich früher – nämlich in dem Moment, in dem sich die Aufgaben verändern.
Gerade für Ingenieurinnen und Ingenieure kann das eine Chance sein: Wer technisches Fachwissen mit KI-Kompetenz, Problemlösung, Kommunikation und Lernfähigkeit verbindet, kann den Wandel aktiv mitgestalten.
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