Heiko Mell

Unglücklich nach Arbeitgeberwechsel

Ich bin mehrere Jahre bei einem Arbeitgeber (A) in einer sehr speziellen Branche tätig gewesen. Dort hatte ich anspruchsvolle Projekte im Anlagenbau betreut. Zuletzt war ich zudem Teamleiter geworden und fühlte mich eigentlich wohl. Dann galt, ausgelöst durch ein besonderes Ereignis irgendwo auf der Welt, unsere Branche als nicht mehr zukunftsorientiert, ich beurteilte die Situation unserer technologischen Richtung als desolat. Zudem nervte mich die überbordende Bürokratie in diesem Metier. Ich habe mir vor knapp zwei Jahren einen neuen Job gesucht und ihn auch gefunden.

Ich bin jetzt bei einem Hersteller von breit einsetzbaren Komponenten (B). Im Vorstellungsgespräch klang alles ganz vielversprechend. Ich sollte Produkte berechnen mit Aussicht auf eine Spezialisierung in Richtung Vertrieb oder Technik. Sogar eine Standortleitung in einigen Jahren stand in Aussicht. Nach meinen Wünschen gefragt, habe ich betont, dass ich mich gebraucht fühlen möchte.

Dann wurde mir am ersten Tag mitgeteilt, ich solle eine bestehende Software betreuen. Ich ließ mich darauf ein, obwohl ich nicht unbedingt ein erfahrener und talentierter Programmierer bin. Um meine Position zu festigen, habe ich mich sogar darauf eingelassen, ein neues Programm zu schreiben. Ein Unterfangen, das ich gnadenlos unterschätzt habe. Ich habe mich verheddert und keinen Überblick mehr.Ich bereue inzwischen meinen Wechsel. Das sagt mir, dass irgendetwas nicht stimmt. Aufgrund der Programmiertätigkeit bin ich bei laufenden Projekten fast völlig außen vor, also quasi auf ein falsches Gleis geraten.

Ich vermisse meine alte Projektabwicklung, die Abwechslung dabei und auch die Reisetätigkeit. Auch kann ich meine Sprachkenntnisse nicht anwenden.

Durch Kontakte zu alten Kollegen erfahre ich, dass es beim früheren Arbeitgeber doch weitergeht. Ich habe viel über mich selbst erfahren – nämlich dass der alte Job eigentlich ein Traumjob war. Ich könnte mich „selbst in den Hintern beißen“.

Wie ist in einem solchen Fall ein Wechsel zurück zu werten?

Antwort:

Zunächst eine Warnung: Die Vergangenheit erscheint uns sehr oft verklärt, geradezu „vergoldet“. Das Wetter war besser, die Menschen in der alten Umgebung waren netter, alles war viel schöner. Es wird mit jedem verfließenden Monat noch reizvoller. Der alte Job ist Ihnen damals nicht als Traumposition erschienen, er ist es auch jetzt nicht. Nach relativ kurzer Zeit beim alten Arbeitgeber A würden Sie an all den Details erneut Anstoß nehmen, die Ihnen damals den Wechsel ratsam erscheinen ließen.

Und – ganz wichtig: Sie sind dort schon einmal weggegangen; Ihr Gedächtnis hat Ihre erste Kündigung von A gespeichert. Es bedarf nur einiger kleinerer Vorkommnisse, um dann die Rückkehr als Fehler einzustufen. Den könnten Sie dann aber viele Jahre lang nicht korrigieren, wie sähe das dann im Lebenslauf aus.Ihre heutige Position und Aufgabe taugen nichts für Sie, dort sind Sie schon oder werden Sie unglücklich. Irgendwann merkt man chefseitig, dass Sie Ihr Programm nicht in den Griff bekommen, dann ist Ihre Anstellung dort gefährdet. Sie müssen also dort weg – und zwar bald. Theoretisch könnten Sie mit Ihren heutigen Chefs reden und um andere Aufgaben bitten. Da Sie dort aber noch keine Erfolge vorweisen können, werden Ihre Chefs dadurch vor allem auf Ihre fachlichen Schwierigkeiten gestoßen. Man ist an jener Programmierung interessiert, nicht an Ihrem Wohlergehen.

Auch die Ursachen sind klar: Sie hätten als ehemaliger Teamleiter und Projektbetreuer niemals einen Job als Berechner und Programmierer annehmen dürfen. Sie haben sich damals in Panik leiten lassen von „Bloß weg hier“ statt von „Genau da will ich hin“.Auf dem Arbeitsmarkt sieht es nicht so gut aus für Sie: Der Job bei B ist hierarchisch ein Abstieg und hat sachlich nichts mit dem bei A zu tun, der „rote Faden“ ist gerissen. Das, was man nach allgemeiner Auffassung am besten kann ist das, was man heute macht – und genau das wollen Sie nicht mehr. Hinzu kommt die aus heutiger Sicht etwas „exotische“ Branche bei A.

Sie stecken ziemlich tief in der Misere; ohne einen Preis zu zahlen, kommen Sie da nicht heraus (ein schlechtes Zeugnis der vielleicht enttäuschten oder wütenden Chefs von B kommt noch dazu).

Es wird Sie vielleicht verblüffen, aber ich rate hier und ausnahmsweise als „kleinstes aller erkennbaren Übel“ zum Rückgang zu A. Stufen Sie das als „Alternative zu einer Pleite“, nicht jedoch als Traumjob ein. Planen Sie dort drei bis fünf Jahre mit glänzender Beurteilung ein und orientieren Sie sich dann noch einmal neu.

Und vergessen Sie nach der Rückkehr einfach die Frage: „Ob das nicht doch ein Fehler war?“ Die Frage gibt es für Sie gar nicht (die Antwort müsste heißen: „Ja; aber von allen Fehlern, die ich in der Situation machen konnte, war es vermutlich der kleinste“).

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2679
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 13
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2014-03-27

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