Heiko Mell

Groß- oder Kleinunternehmen?

Frage: Ich habe gerade mein Studium an der TU … abgeschlossen, mir liegen nun zwei Jobangebote vor:

a) ein Großunternehmen (Aufträge für bis zu sieben Jahren liegen vor; ich kann in den ersten Monaten in mehrere Themengebiete hineinschnuppern und dann sagen, was mir gefällt),
b) ein Kleinunternehmen mit ca. 30 Beschäftigten (hofft gerade auf den alles entscheidenden Großauftrag; aber es scheint dort nach dem Einstieg gleich richtig loszugehen mit fest definiertem Aufgabengebiet, man hat mich schon gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mittelfristig Managementaufgaben zu übernehmen).

Können Sie mir Tipps für den besten Weg geben?

Antwort:

Es ist undenkbar, dass von zwei existierenden Wegen in einer offenen Gesellschaft einer völlig falsch ist – es hätte sich herumgesprochen, der Weg wäre „tot“. Also kann es nur heißen „für mich und meine Ziele“. Dabei gilt:

1. Es ist später bedeutend(!) leichter, vom größeren ins kleinere Unternehmen zu wechseln als umgekehrt. Wenn beim Wechsel auch noch jeweils ein Karrieresprung erzielt werden soll, ist später der Wechsel von „klein“ nach „groß“ kaum noch möglich.

2. Wer also plant, eines Tages eine Top-Position im Großbetrieb zu erringen, beginne „groß“ und bleibe auch beim Wechsel in dieser Dimension. Wer eine Zielposition z. B. als Geschäftsführer im Kleinunternehmen hat, kann auch „klein“ anfangen und bei den – unvermeidlichen – Wechseln immer „klein“ bleiben.

3. Im Großunternehmen sind: die Arbeitsteilung groß, dem Einzelnen zugewiesene Spektren klein, die fachliche Spezialisierung eng, das Niveau hoch; bezogen auf das Gesamtunternehmen bewegt der Mitarbeiter (fast) gar nichts. Im Kleinunternehmen kommt jeder (fast) mit allem in Berührung, lernt sehr viel (auf breiter Basis), kann oft schnell Verantwortung übernehmen.

4. Der Großbetrieb hat noch 357 andere TU-Ingenieure, unter insgesamt 30 Mitarbeitern im Kleinunternehmen ist er vielleicht der einzige! Mit allen Aspekten, die dazugehören.

5. Der Name des Arbeitgebers, von dem der Bewerber kommt, wird auf Dauer Teil seiner Qualifikation (in fünf oder zehn Jahren).

6. Wer im Kleinbetrieb scheitert, hat immer noch eine Ausrede. Ein schlechtes Zeugnis eines „Großen“ wirkt dagegen wie in Marmor gemeißelt.

7. Man muss herausfinden, wofür man sich eignet. Ideal dafür: Praktika während des Studiums. Letztlich ist es eine Frage des Persönlichkeitstyps.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2217
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 19
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-05-07

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