Heiko Mell 01.01.2016, 14:34 Uhr

(FH) immer angeben?

Ich habe an der FH … erfolgreich Maschinenbau studiert.

1. Muss ich das Kürzel „(FH)“ hinter dem Dipl.-Ing. immer angeben?

Antwort:

Zu 1: Wir sind in Deutschland, da gibt es sicher für alles eine Vorschrift. Aber pfeifen Sie darauf und handeln Sie zweckmäßig:

Jeder Bewerbungsempfänger will wissen, was genau Sie nun sind. Also sagen Sie es ihm offen und deutlich. Konkret: Schreiben Sie in Bewerbungsfällen stets bereits im Briefkopf (FH) hinter Ihren akademischen Grad und auch im Text des Anschreibens, wenn Sie sich vorstellen, sollten Sie es tun.

Als wichtiges Argument: Aus dem Lebenslauf sieht der Leser ja ohnehin, wo Sie studiert haben – und eine normale Fachhochschule wird sich auf dem Examenszeugnis auch Fachhochschule nennen. Ich weiß aber, dass es mindestens eine Institution in Deutschland gibt, die sich „Hochschule“ nennt, aber Fachhochschule ist. Sei es drum: Sind Sie dort Absolvent, geben Sie „(FH)“ freiwillig an, dann sucht der Leser weniger verzweifelt nach Aufklärung und ärgert sich weniger.

Auch Absolventen von Gesamthochschulen sollten nicht auf die Bekanntheit von „Abschluss I“ oder „II“ vertrauen und z. B. lieber „(FH)“ hinter ihren Grad setzen oder eben „(univ.)“.

Zu 2: Ja, in manchen Fällen passt ein FH-Absolvent genau zum Anforderungsprofil, während ein TU-Ingenieur dort als zu „wissenschaftlich“ gelten könnte. Bei vielen Positionen nimmt der potenzielle Arbeitgeber beide gleichermaßen gern, wie die Angabe „TH/FH“ in Anzeigen zeigt. Insbesondere der Mittelstand bevorzugt für viele Aufgaben den FH-Ingenieur, vor allem wegen des erwarteten größeren Praxisbezugs (der kein Vorteil an und für sich ist, sondern mit einem geringeren wissenschaftlichen Tiefgang andererseits einhergeht: keiner ist „besser“, beide sind jeweils nur „anders“).

Sehen Sie, ich habe sogar drei verschiedene Grade dieser Art, die mir mehr oder weniger feierlich verliehen wurden, führe aber ausschließlich den „Wirtschaftsingenieur“ – der damals schlicht so hieß. Es hat mir beruflich nie geschadet. Sagen Sie also schlicht, wie es bei Ihnen ist („FH“) und alle werden zufrieden sein.

Frage-Nr.: 1792
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-09-25

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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