Beratung

Frühlingserwachen – Die Wirkung des Frühlings auf uns Menschen

Der astronomische Frühlingsanfang ist da und mit ihm die Zeit, wichtige Vorhaben zu beginnen. Wir sagen wie.

Frühjahrsputz: Auch innerlich notwendig!

Frühjahrsputz: Auch innerlich notwendig!

Foto: panthermedia.net/heiko119

Auf geht’s zum Frühjahrsputz

Mit der Natur soll auch das häusliche Umfeld im neuen Licht erstrahlen und so starten viele mit dem bekanntesten Putz des Jahres, dem Frühjahrsputz. Vermutlich geht er auf das jüdische Pessachfest im April zurück. Denn einer der wichtigsten Bräuche dieses Festes ist das Verbot, gesäuerte Nahrungsmittel zu essen oder auch nur zu besitzen. Deshalb wird am Vorabend des Pessachfestes das Haus aufgeräumt und nach gesäuerter Nahrung durchsucht. Die Funde werden anschließend feierlich verbrannt. Auch wir durchsuchen unsere Häuser und Wohnungen nach Dingen, die uns sauer aufstoßen: die Garage, in die das Auto schon lange nicht mehr hineinpasst, weil es allerlei Gerümpel Platz machen musste, den Keller, den Kleiderschrank, die Einbauküche. Viele Menschen haben sogar ein richtiges System entwickelt: Eine Kiste für die Müllverbrennung, eine für alles, was repariert werden muss, eine für alles, was verschenkt oder auf dem Trödelmarkt verkauft werden soll.

Äußere Ordnung schafft innere Klarheit

Und wenn erst einmal wieder Platz ist, stehen wir im Baumarkt in langen Schlangen an der Kasse, um hämmern und werkeln und etwas Neues schaffen zu können. Etwas, das dafür sorgt, dass im nächsten Jahr nicht wieder so viel Chaos entsteht! Natürlich sind all das großartige Aktionen, die entrümpeln und oft wie ein Befreiungsschlag wirken. Aber sie binden natürlich auch Zeit und Energie und manchmal fehlt beides dann genau an der Stelle, wo ein Frühjahrsputz auch sehr nützlich wäre, nämlich bei der Großbaustelle „Ich“. Sie haben natürlich Recht: Über die äußere Ordnung stellt sich auch eine gewisse innere Klarheit ein, die aber gar nicht so selten verpufft, wenn die Frühlingsgefühle nach dem euphorischen Neustart gleich in die Frühjahrsmüdigkeit übergehen.

Die Großbaustelle „Ich“

Warum also die Hormonausschüttung nicht nutzen, um bei sich selbst einmal aufzuräumen und mithilfe einiger Fragen den Status Quo zu ermitteln und gegebenenfalls Korrekturen vorzunehmen. Wenn Neues entstehen soll, brauchen wir Platz. Das betrifft nicht nur den Kleiderschrank. Solange wir uns mit altem Ballast belasten, hat nicht viel Neues Platz! Die ersten drei Monate des Jahres sind immerhin schon fast um und der eine oder andere Vorsatz zum Jahreswechsel ist vielleicht längst in Vergessenheit geraten. Wenn wir also nicht jetzt mit den Arbeiten an der Großbaustelle „Ich“ beginnen, wann dann?!

Denken auf Papier ist Denken mit Struktur

Für die Aufräumaktionen im und ums Haus nehmen Sie sich Zeit, Sie planen einen ganzen Samstag und sind abends zufrieden mit Ihrem Ergebnis. Das liegt natürlich auch daran, dass Sie etwas Sichtbares geschaffen haben. Da die Aufräumaktionen bei uns selbst nicht mit einem sofort sichtbaren Erfolg verbunden sind, da wir keine Familie und keine Freunde haben, die uns dabei aktiv helfen können, schieben wir das, was uns wirklich weiterbringen würde, gerne vor uns her. Es wird nicht anders gehen: Sie werden einen Termin mit sich selbst machen müssen. Schon eine Stunde ist gut, zwei noch besser. Nehmen Sie ein paar Blätter Papier – vielleicht auch eine ästhetische, schöne Kladde – und einen Stift zur Hand und denken Sie schriftlich. Das hat den ganz großen Vorteil, dass Ihr Denken dann eine Richtung bekommt – anstatt sich im Kreis zu drehen – und dass Sie im Anschluss an den inneren Frühjahrsputz etwas Vorzeigbares geschaffen haben.

Ideen für den persönlichen Frühjahrsputz

Um Ihnen ein paar Ideen für Ihre Aufräumaktion zu liefern, vielleicht auch nur als Einstieg, finden Sie hier ein paar Fragen, die die Leere-Blatt-Blockade gar nicht erst aufkommen lassen:

  • Was macht mich aktuell ausgesprochen zufrieden?
  • Was macht mich glücklich?
  • Was habe ich in den ersten drei Monaten des Jahres schon alles geschafft?
  • Wofür bin ich aktuell dankbar?
  • Worauf freue ich mich (in dieser Woche, in diesem Monat, in diesem Jahr)?
  • Welche Entscheidungen schiebe ich vor mir her?
  • Was kann ich tun, um entschlossener eine Entscheidung zu treffen?
  • Welche Handlungen schiebe ich vor mir her?
  • Wobei brauche ich Unterstützung und ggf. durch wen?
  • Was macht mich aktuell ausgesprochen unzufrieden?
  • Was macht mich unglücklich?
  • Von welchen Gewohnheiten möchte ich mich gerne verabschieden?
  • Von welchen hemmenden oder blockierenden Gedanken möchte ich mich trennen?
  • Durch was möchte ich sie ersetzen?
  • Wem bleibe ich etwas schuldig?
  • Wem habe ich etwas Wichtiges zu sagen?
  • Mit wem oder was möchte ich Frieden schließen?
  • Mit wem oder was möchte ich mehr Zeit verbringen?
  • Mit wem oder was möchte ich weniger Zeit verbringen?
  • Was wollte ich immer schon mal tun (und habe mich bisher nicht getraut)?
  • Was möchte ich in diesem Jahr unbedingt erleben?
  • Was möchte ich nie wieder erleben?
  • Was ist mir besonders wichtig?

Starten Sie die wichtigsten Vorhaben in den ersten 72 Stunden

Natürlich brauchen Sie nicht alle Fragen zu beantworten und natürlich können Sie sich auch ganz andere stellen. Wichtig ist nur, dass Sie sich Fragen stellen, denn ohne eine Bestandsaufnahme ist jede Veränderung nur eine Absichtserklärung. Sie wird selten in die Tat umgesetzt. Ziel ist es, über die Fragen zu Ideen zu kommen. Wenn Sie es dann noch schaffen, diese in einen zeitlichen Rahmen zu packen, am besten mit den wichtigsten (oder auch den am leichtesten umzusetzenden) Vorhaben in den ersten 72 Stunden nach Ihrer Bestandsaufnahme zu beginnen, dann war Ihr Frühjahrsputz ein Erfolg. Vielleicht krönen Sie ihn – in Anlehnung an das Pessachfest – sogar noch mit einer kleinen Verbrennungsaktion. Schreiben Sie auf kleine Zettel all das, was Sie nicht mehr haben wollen in diesem Jahr und legen es buchstäblich in Schutt und Asche. Phönix erstrahlte in neuem Glanz – und Sie?

Von Renate Eickenberg, Autorin und Coach

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