Stellenwechsel gut vorbereiten 22.12.2014, 12:01 Uhr

Die Perspektive der Job-Angebote

Damit sich ein freiwilliger Stellenwechsel lohnt, sollte er mit einem klaren Karrierefortschritt verbunden sein. Aufgrund der jahrelangen guten Verfassung des Ingenieurarbeitsmarktes hat das Anspruchsverhalten der Berufsgruppe der Ingenieure eine hohe Dynamik aufgenommen. Viele gut dotierte Fach- und Führungskräfte möchten sich weiterhin materiell und hierarchisch verbessern. Im Grunde gibt es aber nicht genügend Job-Angebote, die den hohen Ansprüchen gerecht werden – wohl aber vakante Stellen, die zu besetzen sind

Job-Angebote garantieren keinen beruflichen Aufstieg.

Job-Angebote garantieren keinen beruflichen Aufstieg.

Foto: panthermedia.net/olly18

Für überdurchschnittlich gut dotierte Spezialisten- und Managementpositionen gibt es nicht viele Job-Angebote und ihr Zuwachs bleibt hinter dem Ingenieurinteresse klar zurück. Mit anderen Worten, es werden im Grunde viele Stellen im Markt gehandelt, bei denen sich Kandidaten nur marginal verbessern können. Stellenangebote und Vorstellungsgespräche drehen sich dann viel über die sich bietende „Perspektive“ um z.B. einem Wechsel auf gleichem Level einen Sinn zu geben.

Im betrachteten Fall ist ein Ingenieur der Verfahrenstechnik mit seiner beruflichen Situation nicht ganz zufrieden. Eine wirkliche Begründung dafür gibt es nicht. Die Unzufriedenheit resultiert nicht etwa aus dem zu niedrigen Gehalt, der uninteressanten Tätigkeit oder dem angespannten Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kollegen. Der im besten Karrierealter stehende Lead Engineer ist der festen Überzeugung, dass auf dem heutigen Arbeitsmarkt für ihn „noch mehr“ drin sein müsse. Er durchforstet die Job-Angebote.

Job-Angebote: Gut sortieren

Bei der Suche trifft der ambitionierte Ingenieur auf einen ausgefuchsten Personalberater. Letzterer hat verschiedene Job-Angebote, die ideal zu dem Ingenieur passen. Nur leider kann oder will das Unternehmen nicht ganz das Gehalt bezahlen, dass der Lead Engineer bereits heute nach Hause trägt. Mit einem ordentlichen Gehaltsaufschlag zwischen 10% und 20% kann der Ingenieur also nicht rechnen. Den Personalberater schreckt das nicht ab. Schließlich geht es ja nicht um sein Gehalt und er möchte den Fisch keinesfalls vom Haken lassen.

Nach dem Motto: „Was nicht ist kann noch werden“ raucht die „Opiumpfeife“ mit dem Kandidaten. Hatte der Klient des Beraters, ein mittelständisches Unternehmen, nicht mehr oder weniger verlautbaren lassen, dass die Job-Angebote Aufstiegspotenzial bis ganz oben bieten? Also warum nicht einfach mal im blauen Dunst laut nachdenken? In weitschweifigen Ausführungen stellt der Berater dem Ingenieur also die Vorteile der neuen Position dar, zeigt ihm Entwicklungsmöglichkeiten bis in die Geschäftsführung auf.

Job-Angebote: Nicht weichkochen lassen

Der Berater kocht den Ingenieur tatsächlich so weich, dass dieser ernsthaft überlegt, seine wesentlich besser bezahlte Position im Projektmanagement eines 5-Sterne-Anlagenbauers gegen eine weniger dotierte Stelle eines No-Name im Bereich der technischen Dienstleistungen aufzugeben. Schließlich ist ja dafür der Weg bis in die Geschäftsführung beim potenziellen Arbeitgeber frei. Und das Beste daran: Es gibt sogar eine Laufbahnplanung, ein „Rotations- und Einarbeitungsprogramm“ auf verschiedenen Stellen bis „quasi automatisch“ nach 5 Jahren die Beförderung in die Geschäftsführung ansteht. Solche Job-Angebote hören sich sehr gut an und da kann man doch schon einmal am Wochenende im Freundeskreis die Korken der Champagnerflaschen knallen lassen. Ein neuer Geschäftsführer ist geboren!

Nach der Sektlaune folgt das Grübeln. Bei dem Ingenieur kommen Zweifel auf. Zum Glück setzt das rationale Denken noch vor Unterzeichnung des Arbeitsvertrages ein, der sehr eilig vom Unternehmen und dem Personalberater „herbeigezaubert“ wurde. In dem Vertrag geht es natürlich nur um die Einstiegsposition, die Laufbahnplanung ist dabei weder angesprochen noch der Anspruch, geschweige denn die Garantie auf eine Geschäftsführungsposition in diesem verbrieft (was ohnehin nicht möglich ist). Dazu muss er sich auf das „Ehrenwort“ des einstellenden Unternehmens verlassen. Was Job-Angebote heute so alles versprechen, passt vielfach nicht mehr in den Arbeitsvertrag. Mit viel Kreativität werden die Köder ausgeworfen. Laufbahnversprechungen hört man als Bewerber zwar gerne, sie sind aber nicht viel wert.

Auch beste Job-Angebote garantieren keine Beförderung

Ob es wirklich zu Beförderungen kommt, hängt doch sicherlich von der Leistung des Neuen im Unternehmen ab. Stimmt die nach subjektiver Meinung der Vorgesetzten nicht, können alle Versprechungen, die bei der Rekrutierung gemacht wurden, in den Wind geschrieben werden. Schließlich muss ja auch das Unternehmen die Beförderungen gegenüber anderen Führungskräften und Mitarbeitern rechtfertigen und das geht eben nur durch eine überdurchschnittliche Leistung. Die Mitbewerber um weiterführende Positionen (also z.B. die Kollegen im Unternehmen) bleiben allerdings für jeden Bewerber vor Eintritt eine Black Box. Fakt ist also, egal was Job-Angebote versprochen haben und was möglicherweise sogar schriftlich fixiert wird: „im Sack“ ist nur die Position, die unmittelbar angetreten wird, kein Stück mehr.

Und was hat das Unternehmen solcher Job-Angebote davon, wenn mittelfristig der Kandidat unzufrieden ist? Unternehmen sind heute im Hire and Fire sehr flexibel, der überschaubare Geldeinsatz lässt das Spiel zu, anders bei dem eingestellten Kandidat. Hat der in einem Unternehmen frisch angefangen, so bewegt er sich nicht mehr ganz so leicht wieder aus dem Unternehmen heraus – wissen auch die Arbeitgeber. Zudem muss er Federn lassen. Die Position ist für immer und ewig im Lebenslauf verankert. Heute stört ein einmaliger Fehlgriff möglicherweise nicht so sehr, im nächsten Konjunkturabschwung oder im Alter 50+ rächt sich aber jedes Haar in der Suppe.

Job-Angebote nennen nicht jedes Detail

Nun können und sollen Job-Angebote „mit Perspektive“ nicht grundsätzlich verteufelt werden. Schließlich kann es sich ja auch um eine ernste Absicht des einstellenden Unternehmens handeln. Und genau das ist der Knackpunkt. Wie kann der Kandidat die Glaubwürdigkeit der Offerte abschätzen? Luftnummer oder nicht, das ist hier die Frage. Es gibt im Grunde nur einen Weg. Die Perspektiven – sprich der Plan dahinter, muss gründlich hinterfragt werden. Wird etwa die Perspektive „Geschäftsführer“ damit begründet, dass das Unternehmen wächst und beispielsweise in absehbarer Zeit ein weiterer GF benötigt wird, wäre es nicht verkehrt, sich die konkreten Expansionspläne einmal präsentieren zu lassen.

Dass solche Job-Angebote möglicherweise das eine oder andere Detail aus taktischen Überlegungen weglassen, ist nachvollziehbar. Dennoch sollte sich ein in jeder Hinsicht durchdachter Plan zeigen und nichts Halbgares. Über den Plan sollten mindestens in zwei Gespräche, möglichst mit verschiedenen Ansprechpartnern gesprochen werden, um zwischen schnellgestrickter Phantasie mit vielen Fragezeichen, Widersprüchen, Allgemeinfloskeln, und ernstem Vorhaben unterscheiden zu können. Auf dieser Grundlage lässt sich für den Kandidaten dann eine Entscheidung treffen. Letztlich ist aber auch klar, kein Stellenwechsel ohne Risiko!

 

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