Verhalten im Job 27.01.2003, 01:00 Uhr

Berufliche Unzufriedenheit – was tun?

Nicht jede Fach- und Führungskraft ist mit dem Arbeitsplatz und dem Arbeitgeber zufrieden. In guten konjunkturellen Zeiten kann berufliche Unzufriedenheit schnell durch einen Unternehmenswechsel gelöst werden. Sind die Zeiten schlecht, bietet sich diese Alternative nicht so ohne weiteres an. Das gilt insbesondere für Arbeitnehmer, die aufgrund ihres Alters, ihrer Berufs- oder Branchenzugehörigkeit, familiären Situation usw. gebunden sind oder kaum eine Chance am Arbeitsmarkt haben

Berufliche Unzufriedenheit: Das eigene Leid Freunden und Familie zu berichten, kann einen Schneeball an Sorgen schnell auflösen.

Berufliche Unzufriedenheit: Das eigene Leid Freunden und Familie zu berichten, kann einen Schneeball an Sorgen schnell auflösen.

Foto: panthermedia.net/Flair

Berufliche Unzufriedenheit kann viele Gründe haben. Häufig hat sie mehr mit Personen zu tun als mit der Sache. Da gibt es den Vorgesetzten, der einem das Leben schwer macht, Kollegen, die man lieber gehen als kommen sieht, den Personalleiter, der sich ständig neue Repressalien ausdenkt usw. Zudem lässt die Wirtschaftslage vielen Unternehmen kaum Spielraum, strategisch angelegte Personalentwicklungsmaßnahmen zu fahren, große interne Beförderungen zu versprechen usw. Anderenorts wurde gerade umstrukturiert, der eigene Standort in der neuen Struktur ist noch nicht gefunden. Weitere Gründe können im privaten Umfeld liegen oder in der unrealistischen Einschätzung. Und schließlich kommt für jeden einmal der Zeitpunkt, wo beruflich nichts mehr geht, weil der Karrierezenit überschritten ist und z.B. jüngere Kollegen naturgemäß gefördert und bevorzugt werden. Um an die konkreten Wurzeln für die berufliche Unzufriedenheit zu kommen, muss klarer Kopf bei der Analyse behalten und Schritt für Schritt vorgegangen werden. Die persönliche Situation sollte systematisch hinterfragt werden, z.B.: „Warum macht mir der Vorgesetzte das Leben schwer?“ Weil er mich als Konkurrent sieht? Weil er mich persönlich nicht leiden kann? Weil er selbst unter erheblichem Druck steht und den auf mich überträgt? Wie äußert sich seine Ablehnung? Fördert er mich, meine Aufgaben und Projekte nicht mehr? Warum? Hat er vielleicht selbst keine ausreichenden finanziellen Mittel? Gibt es andere Aufgaben und Projekte, die im Augenblick wirklich wichtiger sind? Empfinde ich die Abneigung subjektiv oder besteht sie tatsächlich? Hat meine berufliche Unzufriedenheit ihre Ursachen eher in anderen Lebensbereichen? Haben sich meine Ansprüche an den Job und an meine Vorgesetzten verändert? Häufig gibt es nicht nur einen, sondern eine ganze Reihe von Gründen für die berufliche Unzufriedenheit. Sind die Ursachen für die Unzufriedenheit bekannt, kann konkret an deren Beseitigung gearbeitet werden!

Stillhalten und Aussitzen ist keine Lösung für berufliche Unzufriedenheit

Einfach nichts zu unternehmen und auf bessere Zeiten zu warten ist dann eine Maßnahme, wenn die Ursache für die berufliche Unzufriedenheit vorübergehend ist. Weiß jemand z.B., dass der Vorgesetzte in einem Jahr ausscheidet, kann man ihn noch das eine Jahr ertragen. Andererseits gibt es Menschen, die für eine langfristige Illusion viele Jahre ihres Lebens Opfer, Mühen und Entbehrungen auf sich nehmen. Wer zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wird, überlebt diese möglicherweise nur dann, wenn er an den Moment der Freilassung denkt. Er hat allerdings auch keine andere Wahl. Wer Handlungsspielräume hat, sollte sich dem Schicksal nicht einfach nur ergeben. Auf Dauer sind eher sehr negative Auswirkungen auf die Persönlichkeit zu befürchten und der Spaß vergeht einem nicht nur bei der Arbeit. Nicht immer sind die Probleme so groß, wie der Betroffene die berufliche Unzufriedenheit empfindet. Die persönliche Befangenheit sowie die Überbewertung der eigenen Person, eigenen Leistung und der eigenen Karriere lassen oftmals die „kleine Mücke“ zum „Elefanten“ werden. Um einen entspannteren und realistischeren Blick zur Sache zu bekommen, reicht häufig die persönliche Aussprache mit Ehepartner, Freunden oder Bekannten. Die „Seelenmassage“ hat aber nur dann Sinn, wenn die Gesprächspartner zur Objektivierung beitragen und nicht noch das Horrorszenario verstärken oder gar mit Unverständnis reagieren. Aus diesem Grunde ist die Aussprache mit einem Coach zu überlegen. Die emotionsfreie Beleuchtung aus der Adlerperspektive führt meist zu einer neuen Sichtweise und Relativierung der Probleme.

Berufliche Unzufriedenheit: Negative Vertiefung vermeiden

Die Aussprache verfehlt allerdings dann ihren Sinn, wenn sie immer wieder stattfindet, letztlich aber außer ein gebetsmühlenartigen Wiederholung des Problems nichts passiert. Ab einem bestimmten Zeitpunkt langweilt dies jeden Gesprächspartner und der Problemkrämer wird gemieden. Aber auch der ständige Gedanke an die berufliche Unzufriedenheit, möglicherweise noch kombiniert mit größeren Karriere- und Existenzängsten, geht an die eigene Substanz. Wichtig ist es daher, einen Maßnahmekatalog als Überlebensstrategie zu erarbeiten und sich darauf zu konzentrieren. Kommen die grüblerischen Gedanken auf, sollten sie bewusst gestoppt werden und die Energie gedanklich auf den Maßnahmenkatalog oder auf schönere Dinge des Lebens übergehen. Dies muss geübt werden und gelingt meist erst nach einigen Versuchen. Wenn das Problem einigermaßen realistisch eingeschätzt werden kann, geht es darum, die damit verbundenen persönlichen Risiken zu erheben. Welche negativen Auswirkungen sind durch die berufliche Unzufriedenheit wirklich am Arbeitsplatz, für die Familie, die Gesundheit, die Psyche zu befürchten? Droht z.B. der Arbeitsplatzverlust, eine Gehaltskürzung/-einfrierung, Imageverlust, erhebliche Minderung des Selbstwertgefühls, generelle Lebensunsicherheit, Abhängigkeit von Drogen, gesundheitliche Schäden, mentale Probleme, generelle persönliche Unausgeglichenheit, die zur sozialen Unverträglichkeit, z.B. in der Familie führt usw. Vielleicht droht aber auch nichts dergleichen und es stört lediglich ein gewisses Unwohlsein kombiniert mit dem Gefühl, scheinbar und augenblicklich nichts unternehmen zu können, subjektiv die Karriere gefährdet zu sehen usw.

Berufliche Unzufriedenheit: Mit der Situation arrangieren

Die Handlungsspielräume, die der einzelne gegen die berufliche Unzufriedenheit hat, sind naturgemäß sehr unterschiedlich. Sie hängen zwar zum Großteil von objektiven Gegebenheiten ab, liegen aber auch in der Person begründet nach dem Motto: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Letztlich bestimmt der Handlungsdruck den Umfang des Spielraumes, aber auch finanzielle Möglichkeiten, Mobilität. Wenn jemand unter großem Druck steht, ist er eher bereit, Kompromisse einzugehen, sein Verhalten zu ändern, besondere Mühen auf sich zu nehmen. finanzielle Mittel umzuleiten usw. Bevor an Maßnahmen gedacht wird, sollte schon ziemlich genau darüber nachgedacht werden, was man denn bereit ist, für etwas mehr berufliche Zufriedenheit zu opfern. Parallel dazu sollten immer wieder die Alternativen am Arbeitsmarkt abgefragt und ausgelotet werden.

Wenn nicht direkt der Arbeitsplatz in Gefahr steht, andererseits aber die berufliche Unzufriedenheit nicht geändert werden kann, geht es darum, die Situation als gegeben anzunehmen und sich möglichst positiv mit ihr zu arrangieren. Ein positives Verhältnis kann meist durch die Veränderung des Blickwinkels für den Job herbeigeführt werden. Häufig reicht es aus, sich zu vergegenwärtigen, dass der Job nicht dem Selbstzweck, sondern dem Broterwerb dient. Häufig ist auch die aktuelle Arbeitsstation notwendig, um eine weiterführende Position einzunehmen, die Zeit bis zum nächsten Konjunkturaufschwung oder bis zur Rente zu überbrücken usw. Aus einem neuen Blickwinkel heraus lässt sich die Situation möglicherweise besser ertragen, weil viele Dinge einfach nicht mehr so furchtbar ernst genommen werden.

Berufliche Unzufriedenheit kann zur „inneren Kündigung“ führen

Der neue Blickwinkel auf die berufliche Unzufriedenheit darf allerdings nicht zu einer wesentlichen Leistungsminderung führen. Die Kernaufgaben müssen nach wie vor sehr gut erfüllt werden. Es darf im Grunde nichts anbrennen. Dieser Punkt ist besonders schwer von Personen zu erfüllen, die sich in hohem Maße (meist sogar mehr als ihre Vorgesetzten) mit ihrem Job identifizieren. Die Frage ist allerdings, ob man bestimmte Zusatzleistungen, die bisher erbracht wird, nicht „lautlos“ abbauen kann. Letztendlich darf kein Mensch den Einstellungswandel mitbekommen. Es sollte allerdings darauf verzichtet werden, Unmut oder Einstellungswandel zu stark, möglicherweise noch mit einem großen Schuss Ironie, ins Unternehmen hineinzutragen. Nicht jeder Kollege, der ein offenes Ohr für Ihre Probleme zeigt, ist daran interessiert weiterzuhelfen. Nach dem Motto „Die Gedanken sind frei“ kann man sich zwar vieles danken, aber nicht alles sagen! Egal, ob im Privatleben oder im Beruf, nicht jeder kann seinen Unmut dort vortragen, wo er entsteht, weil der Mut fehlt, er nicht so veranlagt ist oder dies möglicherweise Kopf und Kragen kostet. Berufliche Unzufriedenheit führt meist dazu, dass Ehepartner, Kinder, Freunde usw. die unmittelbar Leidtragenden sind. Wer nicht aufpasst, baut hier eine weitere Front gegen sich auf. Andererseits kann auch den Vorgesetzten, Kollegen usw. nicht jeden Tag offen gesagt werden, was man eigentlich von der Arbeit, dem sozialen Umfeld usw. hält. Um den Unmut einzuschränken, sollte aber zumindest dann, wenn bestimmte Grenzen überschritten werden, nicht mehr stillgehalten und der Grenzübertritt klar mitgeteilt werden. Wer alles in sich hineinfrisst oder den ganzen Schutt vor der Tür seines Privatlebens ausschüttet, wird damit sicherlich nicht glücklich.

Konkrete Maßnahmen gegen berufliche Unzufriedenheit

Was im Einzelfall gegen berufliche Unzufriedenheit zu tun ist, hängt sehr stark von der jeweiligen Ausgangssituation ab. Daher können die folgenden Maßnahmen im Grunde nur Anstöße liefern. Die Prioritäten sollten verändert werden. Der Job ist nicht alles und sicherlich gibt es auch noch in anderen Lebensbereichen größere Aufgaben und Herausforderungen, die bisher aus Zeit- oder Energiemangel nicht angegangen werden konnten. Die aktuelle Position kann in diesem Sinne auch als „Parkposition“ aufgefasst werden.

Es geht also darum, die Zeit sinnvoll zu überbrücken, z.B. um bestimmte fachliche oder persönliche Schwächen auszugleichen oder sich im Bereich von Schlüsselqualifikationen fortzubilden. Wer bisher stets im Mittelpunkt stand, sich durchsetzen konnte, in die Führungsrolle ging, kann jetzt einmal eine andere Strategie fahren. Mit den Wölfen zu heulen kostet manchmal wesentlich weniger Energie als sich stets in der Position des Frontkämpfers zu sehen. Überhaupt sollten Auseinandersetzung mit dem unbeliebten Vorgesetzten oder den Kollegen gemieden werden. Es lohnt sich, mehr mit diesen konform zu gehen und gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Dies ist manchmal erfolgreicher und weniger Nerven aufreibend und hilft auch gegen berufliche Unzufriedenheit.

 

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