Interview: Prof. von Kiparski

Professionelle Unterstützung auf dem Weg zum Gesundheitsmanager

Der Verband Deutscher Sicherheitsingenieure, kurz VDSI, hat im Jahr 2008 ein neues Mentorenprogramm aufgelegt, um den Einstieg in die berufliche Tätigkeit im Bereich Arbeitssicherheit zu erleichtern. Rainer von Kiparski, Professor für Arbeitswissenschaft und Betriebsorganisation und Vorstandsvorsitzender des VDSI, erläutert im Gespräch mit den VDI nachrichten die Ziele des Programms.

INGENIEUR.de: Im Jahr 2008 haben Sie ein neues Mentorenprogramm ins Leben gerufen, um ihren Mitgliedern den Berufseinstieg im Bereich Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz zu erleichtern. Was war der Anstoß dafür?

Rainer von Kiparski: Das Berufsbild einer Fachkraft für Arbeitssicherheit hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Neben ausgezeichneten fachlichen Kenntnissen muss eine Fachkraft für Arbeitssicherheit heute weitere Fähigkeiten – z. B. im kommunikativen, didaktischen und methodischen Bereich – mitbringen.

Eine Fachkraft für Arbeitssicherheit kann sich bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben nicht nur auf die in den Unfallverhütungsvorschriften festgeschriebenen Einsatzzeiten berufen. Sie muss der obersten Führungsebene darstellen können, warum ein Unternehmen von Investitionen in der Arbeitssicherheit, im Gesundheits- und Umweltschutz profitiert. Vor diesem Hintergrund hat der VDSI den Begriff des Managers für Sicherheit und Gesundheit geprägt.

In einer Mitgliederzufriedenheitsanalyse haben unsere Mitglieder den Wunsch geäußert, dass der VDSI diese Entwicklung verstärkt mit Beratungsangeboten begleitet. Das Mentorenprogramm ist ein Baustein in einem ganzen Bündel von Maßnahmen.

Welches Ziel verfolgt der VDSI mit dem Programm?

Rainer von Kiparski: Wir möchten unsere Mitglieder bei ihrer persönlichen Entwicklung hin zum Manager für Sicherheit und Gesundheit nachhaltig unterstützen. Wir wenden uns damit an Fachkräfte für Arbeitssicherheit, die neu in diesen Beruf einsteigen oder eine Selbstständigkeit anstreben.

Außerdem wollten wir ein ganz exklusives Angebot für VDSI-Mitglieder schaffen. Mentorenprogramme sind bei Institutionen und Verbänden in der Arbeitssicherheit und im Gesundheitsschutz – auch international – noch die Ausnahme.

Welche Voraussetzungen muss der Mentor erfüllen, um an dem Programm teilzunehmen?

Rainer von Kiparski: Der Mentor sollte mindestens fünf Jahre Berufserfahrung haben und mindestens drei Jahre lang VDSI-Mitglied sein. Diese Zeiträume haben wir bewusst so festgelegt: Wir wollen sicher stellen, dass der Mentor in ein tragfähiges berufliches Netzwerk eingebettet ist und gezielt VDSI-Kontakte zur optimalen Betreuung seines Mentees nutzen kann. Zudem sollte der Mentor bereit sein, an einer Mentorenschulung und an einem regelmäßigen Erfahrungsaustausch für Mentoren teilzunehmen.

Und welche Voraussetzungen muss der Mentee mitbringen?

Rainer von Kiparski: Der Mentee sollte eine Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit abgeschlossen haben und höchstens seit zwei Jahren in diesem Beruf tätig sein. Eine VDSI-Mitgliedschaft ist verpflichtend.

Wie sieht die Umsetzung im beruflichen Alltag konkret aus?

Rainer von Kiparski: Mentor und Mentee vereinbaren regelmäßige Treffen und besprechen alle Fragen, die im beruflichen Kontext auftauchen. Wir empfehlen unseren Mentoren, einen roten Faden zu knüpfen und kontinuierlich an bestimmten Fragestellungen zu arbeiten. Dazu gehören Aspekte der persönlichen Weiterbildung, Karriere- und Lebensplanung.

Gerade beim Berufseinstieg ist es wichtig, sich selbst zu fragen, wo man in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren stehen möchte und die Weichen entsprechend auszurichten. Unter Umständen kann nach einer Phase der Festanstellung auch der Schritt in die Selbstständigkeit in Frage kommen. Der Mentor hilft bei der Entscheidungsfindung und kann Kontakte weitervermitteln. Der Mentor führt außerdem seinen Mentee in das VDSI-Netzwerk ein und zeigt ihm auf, wo er nach Beendigung des Mentorenprogramms weitere Informationen und Unterstützung findet.

Wie lange arbeiten Mentor und Mentee im Rahmen des Programms zusammen?

Rainer von Kiparski: Um beiden Seiten Planungssicherheit zu geben, ist vorgesehen, dass Mentor und Mentee eine Vereinbarung für die Dauer von zwei Jahren schließen. Die Vereinbarung umfasst auch eine Erklärung zum Datenschutz und eine Verschwiegenheitsklausel.

Was sind die Lerneffekte für beide Seiten durch das Programm?

Rainer von Kiparski: Der Mentee profitiert von den beruflichen Erfahrungen und dem Netzwerk seines Mentors. Der Mentor erfährt über seinen Mentee, mit welchen Herausforderungen und Fragestellungen sich Berufseinsteiger auseinandersetzen müssen. Dieses Wissen können beide Seiten gewinnbringend für die eigene berufliche Karriere nutzen.

Wie viele Mentoren und Mentees durchlaufen derzeit das Programm? Gibt es erste Erfolge?

Rainer von Kiparski: Bislang hat rund ein Dutzend Personen an dem Mentorenprogramm teilgenommen. Besonders freut uns, dass es uns in den vergangenen Jahren gelungen ist, einen großen Mentorenpool aufzubauen. Im Moment stehen fast zwanzig unabhängige VDSI-Experten zur Verfügung, die ihr Wissen als Mentoren zur Verfügung stellen wollen.

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