Gesundheit 24.06.2005, 18:39 Uhr

Fett gewogen, fett gelogen  

VDI nachrichten, Hamburg, 24. 6. 05 – Etwa jeder dritte erwachsene Bundesbürger bringt zu viel Gewicht auf die Waage. Viele kämpfen dagegen an. Die Erfolgskontrolle übernehmen Waagen, die nicht nur das Gewicht messen, sondern auch den Anteil des Körperfettes anzeigen. Die Ergebnisse sind allerdings viel zu ungenau, wie ein Test am Deutschen Institut für Ernährungsforschung zeigt.

Volkskrankheit Übergewicht – der Kampf dagegen eine Volksbewegung: Viele joggen und achten auf ihre Ernährung. Doch der Gang auf die Waage zeigt nicht, ob die Fettpolster schrumpfen, denn weniger Gewicht kann auch bedeuten, dass man Muskeln verloren hat. Der Body-Mass-Index (BMI) hilft nicht weiter: Ein 1,74 m großer und 76 kg schwerer Mann hat einen BMI über 25 und gilt als übergewichtig, gleich, ob es sich um einen austrainierten Sportler oder einen Sesselhocker mit Wampe handelt.

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Besser sollen es Körperanalysewaagen machen, denn sie messen nicht nur die Kilos, sondern auch das Körperfett. Die hierbei eingesetzte „Bioelektrische Impedanzanalyse“ (BIA) halten Kritiker jedoch für ungenau, zumal die Ergebnisse aufgrund des schwankenden Wasserhaushalts im Körper an einem Tag um über 3 % variieren können. Doch die Hersteller der Messgeräte betonen, dass sich mit ihnen ein Trend bestimmen lässt, sofern man immer dieselbe Waage benutzt, stets zur gleichen Tageszeit misst sowie zahlreiche Fehlerquellen beachtet, wie etwa Mahlzeiten, Flüssigkeitsaufnahme, sportliche Betätigung, Haltung während des Messvorgangs etc.

Was an diesem Versprechen dran ist, untersuchte Karen Wagner vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam (Dife) an drei Körperfettwaagen (Soehnle Body Balance Chicago, Korona KFW 4002 und Rowenta Bodymaster Vision) sowie zwei Handmessgeräten (Nais Body Fat Watcher und Omron Body Fat Monitor).

Die Geräte mussten gegen eine Referenzmethode antreten, mit der sich der Körperfettgehalt hinreichend genau bestimmen lässt. Am Dife stehen dazu einige Verfahren zur Verfügung, wie etwa die Unterwasserwägung, der Röntgenscan sowie die einfach anwendbare „Air Displacement Plethysmography“ (ADP).

Die ADP basiert darauf, dass der Körperfettanteil berechnet werden kann, wenn neben Größe und Gewicht auch das Körpervolumen bekannt ist. Das ermittelte Wagner im „Bod Pod“. Dieses Gerät zum Preis eines Luxussportwagens ähnelt einer Raumkapsel, dient aber dazu, das Volumen eines menschlichen Körpers zu bestimmen, indem es dessen Luftverdrängung misst.

Mit dem Bod Pod als Referenz führte Karen Wagner Vergleichsmessungen an einer repräsentativen Gruppe von 21 Erwachsenen aus dem Großraum Berlin-Brandenburg durch. Hierbei waren die Variablen Alter, Körperhöhe, Körpermasse und daraus folgend der BMI normal verteilt. Alle Geräte wurden streng nach den Herstellerangaben verwendet. Die Probanden waren nüchtern und trugen während der Messung eng anliegende Unterwäsche oder Badebekleidung.

Schnell zeigte sich: Lag ein Messgerät bei einer Testperson näher am Referenzwert als die anderen, so versagte es meist schon beim nächsten Probanden. Die Abweichung der einzelnen Ergebnisse lag, über 21 Personen gemittelt, bei den fünf Testgeräten zwischen 1,6 % und 3,4 %. Das klingt nicht dramatisch, doch wichen die Werte im Einzelfall drastisch nach oben oder unten ab.

Dabei zeigte sich eine klare Tendenz: Je höher der BMI der Testperson, desto ungenauer waren die Messergebnisse. Im Klartext: Je nötiger man die Geräte hat, desto unzuverlässiger messen sie. Das Beispiel einer übergewichtigen Probandin, die bei einer Größe von 1,73 Meter 113 Kilo wiegt, verdeutlicht dies: Während ihr Körperfettanteil laut Bod Pod 49,1 % beträgt, lag der gemessene Körperfettgehalt mal 9,6 % unter dem Referenzwert, mal 7,9 % darüber.

Der Grund: Der Messstrom ist zu schwach, um dicke Arme und Beine zu durchdringen. „Je nachdem, wie fett jemand ist, geht der Strom aus den Waagen maximal bis zum Hüftknochen. Bei extrem Dicken wahrscheinlich nur bis zum Knie“, erklärt Karen Wagner.

Die Folge: Ein Bierbauch wird nicht erfasst. Dabei sitzen gerade dort die gesundheitlich bedenklichen Polster: „Das Bauchfett schnürt den Organen die Luft ab“, sagt Wagner, „und birgt das Risiko für bestimmte Krankheiten“. Nur kann man es mit den Körperfettmessgeräten nicht erfassen. Von deren Kauf rät Wagner ab. Ihr Tipp: „Man sollte seinem Körpergefühl vertrauen. Wenn die Hose wieder passt, merkt man auch, dass man abgenommen hat.“ GÜVEN PURTUL

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