Interview 26.02.2024, 10:30 Uhr

Abwerben – aber fair: So motivieren Betriebe Ingenieure für einen Wechsel

Auf der Suche nach neuen Ingenieuren geraten Unternehmen in zahlreichen Branchen unter Druck. Ob im Bau, der Telekommunikation, Gebäudetechnik oder im Maschinen- und Fahrzeugbau – es mangelt an Personal. Das Abwerben von Fachkräften ist in diesem Kontext ein heikles, aber unumgängliches Thema. Denn arbeitslose Ingenieure gibt es fast keine – damit muss jede Fachkraft, die neu anfängt, vorher bei einem anderen Betrieb kündigen.

Abwerben

Ingenieurmangel: Unternehmen in verschiedenen Branchen stehen vor Rekrutierungsdruck, während das Abwerben von Fachkräften zu einem heiklen Thema wird.

Foto: PantherMedia / HASLOO

Viele Ingenieure und Ingenieurinnen haben massive Gewissensbisse, wenn sie das Wort Abwerben hören – dabei gibt es klare Regeln, mit denen es fair und ordentlich zugeht. „Beim Abwerben geht es dabei auch nicht um aggressive Taktiken, sondern vielmehr um das Aufbauen einer Vertrauensbasis und das Aufzeigen von Perspektiven“, erklärt Unternehmensberater Marvin Ronn. Wie man Fachkräfte für einen Wechsel motiviert, erklärt er in diesem Interview.

Herr Ronn, wie hat sich Ihrer Meinung nach die Wahrnehmung des Abwerbens von Ingenieuren in den letzten Jahren geändert, und wie können Unternehmen sicherstellen, dass dieser Prozess fair und ethisch verläuft?

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Die Wahrnehmung des Abwerbens hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Früher wurde es oft als aggressive Taktik betrachtet, doch heute erkennen viele, dass es Teil eines gesunden Wettbewerbs und notwendig für das Wachstum und die Innovation in der Baubranche ist. Um sicherzustellen, dass der Prozess fair und ethisch verläuft, ist Transparenz entscheidend. Unternehmen sollten offene und ehrliche Gespräche mit potenziellen Ingenieuren führen und dabei die Datenschutzbestimmungen sowie berufliche Ethikstandards beachten.

Sie betonen die Bedeutung des Aufbaus einer Vertrauensbasis beim Abwerben. Wie integriert man diese Philosophie in die Abwerbestrategien eines Unternehmens, um eine positive Beziehung zu den Fachkräften aufzubauen?

Eine Vertrauensbasis lässt sich in die Abwerbestrategien eines Unternehmens integrieren, indem man Wert auf langfristige Beziehungen legt, statt nur auf den unmittelbaren Erfolg. Dies bedeutet, dass man sich die Zeit nimmt, die Bedürfnisse und Karriereziele der Ingenieure wirklich zu verstehen und ihnen Positionen anzubieten, die nicht nur zum aktuellen Bedarf des Unternehmens passen, sondern auch zur beruflichen Entwicklung des Kandidaten beitragen.

Welche klaren Regeln und Richtlinien kann man implementieren, um sicherzustellen, dass das Abwerben von Ingenieuren fair und ordentlich abläuft, und wie werden diese von den Mitarbeitern wahrgenommen?

Um sicherzustellen, dass das Abwerben fair und ordentlich abläuft, sollten Unternehmen klare interne Richtlinien etablieren. Dazu gehören Regeln für die Kontaktaufnahme, Datenschutzbestimmungen und Verhaltenskodizes, die sicherstellen, dass alle Beteiligten mit Respekt behandelt werden. Diese Richtlinien sollten transparent gemacht und regelmäßig geschult werden, um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter sie verstehen und befolgen.

Eine Vertrauensbasis aufbauen und Perspektiven aufzeigen

Wie spielen ethische Überlegungen eine Rolle in Ihren Abwerbestrategien, insbesondere hinsichtlich bestehender Arbeitsverträge und der Loyalität der Mitarbeiter?

Ethik spielt eine zentrale Rolle in unseren Abwerbestrategien. Dies umfasst den respektvollen Umgang mit bestehenden Arbeitsverträgen und die Anerkennung der Loyalität der Mitarbeiter zu ihren aktuellen Arbeitgebern. Wir achten darauf, keine Ingenieure abzuwerben, die vertraglich gebunden sind oder deren Wechsel unethische Konflikte verursachen würde.

Inwiefern haben Sie festgestellt, dass der Fokus auf den Aufbau einer Vertrauensbasis und das Zeigen von Perspektiven sich positiv auf die Mitarbeiterbindung und die langfristige Zufriedenheit der Ingenieure auswirkt?

Der Aufbau einer Vertrauensbasis und das Aufzeigen von Perspektiven haben einen signifikant positiven Effekt auf die Mitarbeiterbindung und die langfristige Zufriedenheit der Ingenieure. Wenn Mitarbeiter sehen, dass ihr neuer Arbeitgeber Wert auf ihre Entwicklung und Karriere legt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie langfristig engagiert und loyal bleiben.

Man sollte aggressive Taktiken beim Abwerben vermeiden. Was versteht man in diesem Kontext unter „aggressiv“?

Aggressive Abwerbemethoden beinhalten Taktiken wie unaufgeforderte Massenansprachen, übermäßiges Drängen nach einem Wechsel ohne Rücksicht auf die aktuelle berufliche Situation des Ingenieurs oder das Unterbreiten irreführender Versprechungen. Solche Ansätze können das Ansehen eines Unternehmens schädigen und sind oft kontraproduktiv.

Können Sie konkrete Beispiele für Strategien geben, um Ingenieure zu gewinnen, ohne dabei aggressiv vorzugehen?

Eine effektive Strategie ist es, potenzielle Kandidaten durch Fachveranstaltungen, Seminare und über berufliche Netzwerkplattformen zu engagieren. Dabei sollte der Schwerpunkt auf dem Aufbau einer Beziehung und dem Verständnis der Karriereziele des Ingenieurs liegen, bevor ein konkretes Jobangebot unterbreitet wird. Dies zeigt echtes Interesse und Respekt vor der beruflichen Laufbahn des Kandidaten.

Marvin Ronn ist Personalberatungsexperte für die Baubranche und unterstützt mit der TOPEOPLE GROUP namhafte Bauunternehmen bei der Suche nach qualifizierten Fach- und Führungskräften. Foto: TOPEOPLE GROUP GmbH

Marvin Ronn ist Personalberatungsexperte für die Baubranche und unterstützt mit der TOPEOPLE GROUP namhafte Bauunternehmen bei der Suche nach qualifizierten Fach- und Führungskräften.

Foto: TOPEOPLE GROUP GmbH

Netzwerkplattformen geschickt nutzen

Wie nutzen Sie gezielt berufliche Netzwerkplattformen wie XING und LinkedIn, um potenzielle Ingenieure anzusprechen und für ein Unternehmen zu gewinnen?

Plattformen wie XING und LinkedIn sind hervorragende Werkzeuge, um potenzielle Ingenieure anzusprechen. Wir nutzen diese Plattformen, um gezielt Fachkräfte mit den Fähigkeiten und der Erfahrung zu identifizieren, die unseren Bedürfnissen entsprechen, und um wertvolle Inhalte zu teilen, die ihr Interesse wecken könnten.

Inwiefern legen Sie Wert auf personalisierte und zielgerichtete Ansprachen auf Plattformen wie XING und LinkedIn, um das Interesse von Ingenieuren zu wecken, ohne dabei als aufdringlich wahrgenommen zu werden?

Personalisierung ist der Schlüssel, um auf Plattformen wie XING und LinkedIn erfolgreich zu sein, ohne aufdringlich zu wirken. Dies bedeutet, sich die Zeit zu nehmen, die Profile potenzieller Kandidaten sorgfältig zu prüfen und individuell zugeschnittene Nachrichten zu senden, die deutlich machen, warum gerade sie für eine bestimmte Position interessant sind.

Welche Rolle spielen Online-Plattformen bei der Schaffung einer transparenten Unternehmenskultur und wie nutzen Sie XING und LinkedIn, um die Unternehmenswerte und -perspektiven authentisch darzustellen, während Sie Ingenieure ansprechen?

XING und LinkedIn bieten uns die Möglichkeit, unsere Unternehmenswerte und -perspektiven authentisch darzustellen. Durch regelmäßige Beiträge über unsere Projekte, Unternehmenskultur und Karrierechancen können wir eine transparente und ansprechende Präsenz aufbauen, die Ingenieure dazu ermutigt, Teil unseres Teams werden zu wollen.

Über Marvin Ronn:

Marvin Ronn ist Personalberatungsexperte für die Baubranche und unterstützt mit der TOPEOPLE GROUP namhafte Bauunternehmen bei der Suche nach qualifizierten Fach- und Führungskräften. Mit der Direktsuche erzielt er die besten Resultate und identifiziert geeignete Kandidaten, um sie direkt anzusprechen und zu überzeugen. Zahlreiche große Unternehmen wie Strabag, Züblin, Drees & Sommer, Goldbeck und Vinci setzen auf das Team um Marvin Ronn.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Redakteurin beim VDI-Verlag. Nach einem Journalistik-Studium an der TU-Dortmund und Volontariat ist sie seit mehreren Jahren als Social Media Managerin, Redakteurin und Buchautorin unterwegs.  Sie schreibt über Karriere und Technik.

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