Ingenieurbüro

Warum Selbstständigkeit eine Alternative ist

Jeder Selbstständige kennt den Spruch: Man arbeitet selbst und ständig. Dennoch wählen immer mehr Ingenieure und Informatiker diesen Weg. Gerade für Fachkräfte, die sich auf eine Nische spezialisiert haben, kann das eine gute Alternative sein.

Selbstständig oder Angestellt? Ein Straßenschild weist die Richtung zu Selbständig

Foto: panthermedia.net/kunertus

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Im Jahr 2016 waren laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit 43.000 von 799.000 Erwerbstätigen mit ingenieurwissenschaftlichem Abschluss selbstständig. Das entspricht knapp 5,4 %. Im Vergleich zum Jahr 2012, in dem nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 4,1 % aller Ingenieure selbstständig waren, ist das ein Anstieg von 1,3 %. Der VDI kommt auf Grundlage des Mikrozensus von 2015 zu dem Ergebnis, dass es 167.000 Selbstständige mit ingenieurwissenschaftlichem Studium gebe – allerdings nicht alle in klassischen Ingenieurfeldern. Auch die Grundgesamtheit der Ingenieure wird vom VDI höher beziffert, da er auch die 363.000 Informatiker als Ingenieure zählt. Demnach sind von den 2,167 Millionen Ingenieuren in Deutschland rund 7,7% selbstständig.

Selbstständig machen – Alternative für Ingenieure

Für Ingenieure und Informatiker mit speziellem Fachwissen ist die Selbstständigkeit hoch interessant. Sie ist jedoch keine billige berufliche Alternative zur Festanstellung, sondern lohnt sich nur, wenn der Ingenieur wirklich für seinen Beruf brennt. Denn die Selbstständigkeit bringt einen hohen Leistungsdruck mit sich und setzt eine besondere physische und psychische Belastbarkeit voraus.

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kommt oftmals die Aufforderung, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Wer wegen wirtschaftlicher Probleme seinen Arbeitsplatz verloren hat, für den ist die Selbstständigkeit eine verlockende Aussicht. Doch gerade in konjunkturell schwachen Zeiten ist es ungleich schwieriger, sich selbstständig zu machen. Auch wenn das Feld der Selbstständigkeit für Ingenieure und Informatiker groß ist. Ein Agraringenieur und ein Bauingenieur arbeiten in völlig verschiedenen Themenfeldern und haben jeweils eigene Auftraggeber und Zielgruppen.

Spezielle fachliche, persönliche und finanzielle Voraussetzungen sind dennoch unabdingbar. Die Selbstständigkeit ist keine Idee, die man „mal eben so“ ausprobiert. Während in Ländern wie den USA oder Kanada eine gescheiterte Selbstständigkeit als Chance für einen Neubeginn gesehen wird, ist dies hierzulande nicht so. Wessen Selbstständigkeit scheitert, der hat künftig einen Makel im Lebenslauf. Und wer längere Zeit selbstständig war, steht bei der Rückkehr in eine Festanstellung oft vor einer großen Hürde. So wird ehemaligen Selbstständigen oft vorgeworfen, sie könnten sich nicht mehr in einen festen Arbeitsalltag eingliedern, da sie zu viel Freizeit gewohnt seien.

Wer sich jedoch mit seiner Geschäftsidee kritisch auseinandersetzt, diese gegebenenfalls von Experten analysieren lässt und zu einem positiven Ergebnis kommt, für den ist die Selbstständigkeit eine sehr gute Alternative.

Pro und Contra der Selbstständigkeit

Als einer der Hauptgründe für die Selbstständigkeit gilt heutzutage mehr Abwechslung im Berufsalltag. In einer Umfrage unter knapp 400 freiberuflich tätigen Ingenieuren gaben dies 90 % als Vorteil der Selbstständigkeit an. Als weitere Vorteile wurden genannt: Erfahrung in unterschiedlichen Bereichen sammeln zu können (79 %) sowie Einblicke in verschiedene Unternehmen zu bekommen (74 %). Als größten Nachteil nannten die selbstständigen Ingenieure und Informatiker das unternehmerische Risiko (62 %), die Unsicherheit bezüglich der Einsatzdauer bei Projekten (50 %) sowie die geforderte Mobilität (36 %).

Neben branchenspezifischen Vor- und Nachteilen gibt es die klassischen Pros und Contras für und gegen die Selbstständigkeit. Freie Zeiteinteilung und Selbstbestimmung gehören für viele Ingenieure und Informatiker sicher mit zu den Entscheidungshilfen für die Selbstständigkeit. Wer konkretes Nischen-Fachwissen hat, kann als Selbstständiger unter Umständen mehr verdienen, da er sich die Kunden und Auftraggeber aussuchen kann, die am meisten zahlen. Wer sich einmal einen Namen in der Branche gemacht hat, kann sich die Kunden in Zeiten des Fachkräftemangels ohnehin aussuchen. Zum Beispiel ein Schweißfachingenieur, der sich auf Schweißarbeiten mit Sonderbelastungen spezialisiert hat. Solche Ingenieure stehen zum Beispiel bei Schienenfahrzeugherstellern, Tunnel- und Brückenbauern oder auch Spezialfirmen für Achterbahn-Konstruktionen hoch im Kurs.

Doch auch die Nachteile einer Selbstständigkeit, die letztlich alle Branchen betreffen, müssen gut bedacht werden. So arbeiten Selbstständige überdurchschnittlich viel, 40 Wochenstunden sind ohnehin die Regel, 60 keine Seltenheit. Ist die Auftragslage einmal schlecht, fließt kein regelmäßiges Gehalt. Die Unsicherheiten in der Auftragslage und finanzielle Durststrecken können zu psychischen Belastungen bis hin zum Burnout führen. Darüber hinaus gehen Selbstständige je nach Geschäftsform ein höheres finanzielles Risiko ein.

Welcher Rechtsform bedarf das Ingenieurbüro?

Der Ingenieur ist ein so genannter Katalogberuf und zählt zu den freien Berufen. Ein Katalogberuf ist ein Beruf, der im Einkommenssteuergesetz aufgeführt ist. Freiberufler haben im Gegensatz zu Gewerbetreibenden diverse Privilegien, die ihnen im Unterschied zu anderen Rechtsformen einige Formalitäten ersparen:

  1. Keine Zahlung von Gewerbesteuern
  2. Keine Verpflichtung zur Mitgliedschaft in der IHK
  3. Vereinfachte Gewinnermittlung mittels Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR)
  4. Keine Pflicht zur Erstellung handelsrechtlicher Bilanzen

Rechtsformen für Freiberufler

Wollen Ingenieure als Freiberufler ein Ingenieurbüro gründen, so muss das Finanzamt Sie steuerlich als Freiberufler einstufen. Da der Ingenieurberuf zu den Katalogberufen zählt, erfüllt das Büro bereits ein zentrales Kriterium. Zudem werden vom Finanzamt weitere Kriterien berücksichtigt, die der Abgrenzung zur gewerblichen Tätigkeit dienen. Die Einstufung bleibt jedoch immer eine Einzelfallentscheidung. Einen Katalogberuf auszuüben, reicht nicht zwingend aus, um als Freiberufler anerkannt zu werden.

Die Freiberuflichkeit bringt für Ingenieure gewisse Privilegien mit sich. So können Ingenieure für ihr Ingenieurbüro verschiedene Rechtsformen wählen. Das hängt auch von den geplanten Tätigkeiten ab und sollte mit einem Steuerberater und/oder einem Anwalt besprochen werden. Freiberuflern stehen die Rechtsformen Einzelunternehmen, Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), Partnergesellschaft (PartG) oder Partnergesellschaft mit beschränkter Berufshaftung (PartG mbB) offen:

  1. Das Einzelunternehmen bietet dem Ingenieur volle Kontrolle, aber auch volle Haftung. Es ist gut für den Einstieg geeignet, denn es gibt nur einen Betriebsinhaber und es ist kein Mindestkapital nötig. Aber: Der Ingenieur übernimmt die volle Haftung mit Privatvermögen.
  2. Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ist ein einfacher Zusammenschluss von Partnern und für jede Geschäftspartnerschaft geeignet, auch für freie Berufe. Es gibt keine Formalitäten, ein schriftlicher Vertrag ist jedoch sinnvoll. Auch bei der GbR ist kein Mindestkapital notwendig, die Teilhaber haften mit Gesellschaftsvermögen und Privatvermögen.
  3. Die Partnergesellschaft (PartG) bietet Eigenverantwortlichkeit trotz Partner. Sie ist nur für freie Berufe geeignet, wenn das Berufsrecht dies zulässt. Sinnvoll ist sie zudem für Unternehmen, die mit Partnern kooperieren, aber trotzdem eigenverantwortlich bleiben wollen. Die Gesellschaft haftet mit dem Gesellschaftsvermögen, Gesellschafter haften bei fehlerhaftem Handeln mit Privatvermögen.
  4. Die Partnergesellschaft mit beschränkter Berufshaftung (PartG mbB): Der Unterschied zwischen der normalen Partnergesellschaft und der Partnergesellschaft mit beschränkter Berufshaftung besteht, wie der Name schon sagt, in der Haftung. Bei der PartnG muss der Partner für berufliche Fehler mit seinem persönlichen Vermögen haften. Bei der PartG mbB gibt es dagegen keine persönliche Haftung.

 

Die Gründung: Das gilt es zu beachten

Bei der Gründung eines Ingenieurbüros muss zunächst geklärt werden, ob das Finanzamt den Status als Freiberufler anerkennt. Ansonsten kommt es zur Selbstständigkeit als Gewerbetreibender. Ingenieure benötigen für die Freiberuflichkeit eine Steuernummer vom Finanzamt und müssen den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen. Auf Basis dessen entscheidet das Finanzamt über den Status. Wird das Ingenieurbüro als Gewerbe eingestuft, ist eine Meldung beim Gewerbeamt Pflicht. Das wiederum informiert alle weiteren Behörden und Institutionen.

Auch wenn Ingenieure ein hervorragendes Fachwissen haben, sind sie nicht auch automatisch gute Unternehmer. Denn für das Unternehmertum und für eine erfolgreiche Selbstständigkeit sind kaufmännische Kenntnisse unerlässlich. Wer selbstständig arbeitet, sollte die entsprechenden Kenntnisse mitbringen oder erwerben und sich zudem in Buchführung auskennen.

Berufsverband als Netzwerk nutzen

Ingenieure, die als Freiberufler mit eigenem Ingenieurbüro selbstständig sind, sollten sich zudem überlegen, einem Berufsverband oder Berufsverein beizutreten, der ihre Interessen vertritt. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) bietet beispielsweise eine Gründerberatung an und sorgt durch seine hohe Mitgliederzahl von rund 150.000 Ingenieuren für eine gute Vernetzung innerhalb der Branche. Für beratende Ingenieure ist der Verband Beratender Ingenieure (VBI) ausschlaggebend, dem etwa 3.000 Mitgliedsunternehmen angehören.

Darüber hinaus gibt es Berufsverbände die deutlich spezialisierter sind. Dazu gehören unter anderem der Verband Deutscher Vermessungsingenieure (VDV), der Verband Deutscher Eisenbahningenieure (VDEI), der Ingenieurverband Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (IWSV), die Ingenieure für Kommunikation (IfKom) aber auch der Verband des Technischen Dienstes der Bundeswehr (IGBI). Selbstständig tätige Ingenieure müssen für sich den passenden Verband finden, um von dessen Netzwerk profitieren zu können.

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Das Ingenieurbüro – zu Hause oder extern?

Die Gründung ist geschafft, aber wo soll man arbeiten? Nicht wenige Freiberufler haben ihren Schreibtisch im Wohnzimmer stehen. Gerade in der Anfangszeit der Selbstständigkeit neigen sie dazu, an diesem Punkt zu sparen. Es muss nicht gleich das externe Büro in einem schicken Bürogebäude sein, aber ein eigener Raum in der Wohnung oder im Haus, der ausschließlich als Büro genutzt wird, sollte es schon sein. Auch ein Heimbüro spart Kosten, da man keine Miete zahlen muss und der Weg zur Arbeit entfällt. Zudem können Kosten für Strom und Heizung anteilig von der Steuer abgesetzt werden. Der wichtigste Vorteil: Im Gegensatz zum Schreibtisch im Wohnzimmer kann man die Bürotür hinter sich schließen. Trotzdem haben viele Gründer Probleme, sich zu Hause tatsächlich konstant auf die Arbeit zu konzentrieren. Für die ersten ein bis 2 Jahre ist es jedoch eine gute Option.

Wachsen Auftragslage und Kundenverkehr, so sollten Freiberufler über ein externes Büro nachdenken. Bietet das Heimbüro die Möglichkeit, Besucher zu empfangen, ohne diese durch die ganze Wohnung zu führen, bleibt das Ingenieurbüro in den eigenen 4 Wänden eine gute Option. Im anderen Fall bieten sich sogenannte Technologiezentren als Standardalternative an. Sie bieten Gründern die Möglichkeit, Flächen für Büro oder Werkstatt zu mieten. Deutschlandweit gibt es derzeit rund 400 Technologie- und Gründerzentren, die Selbstständigen nach der Gründung interessante Möglichkeiten bieten.

 

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