
Agil, selbstständig und neuerdings remote arbeiten. Aber natürlich. Kaum eine Führungskraft, die sich nicht auf die Fahnen schreibt, „New Work“ nach Leibeskräften zu unterstützen. Nur leider sieht die Wirklichkeit anders aus. Gerade in technischen Berufen. Mikromanager prägen das Bild in manchen Unternehmen, die auch noch die kleinste Regung ihrer Mitarbeiter kontrollieren – auch und vor allem im Homeoffice.
Diese Erfahrung macht Führungskräftetrainer Bernd Geropp. Er berichtet von fatalen Folgen: „Wer seine Mitarbeiter ständig kontrolliert, zeigt damit, dass er ihnen misstraut. Er unterstellt ihnen, unmündig, unfähig und nicht vertrauenswürdig zu sein.“ Effekt: Ein solches Klima hinterlässt demotivierte, frustrierte Mitarbeiter, die Dienst nach Vorschrift leisten.
Was Führungskräfte wiederum auf die Palme bringt, ihr ungutes Tun verstärkt, weil sie gar nicht auf die Idee kommen, dafür verantwortlich zu sein: „Der Chef erkennt gar nicht, dass sein Kontrollwahn dazu geführt hat“, erklärt Geropp. Also: Die Zügel noch straffer ziehen! Dann wird etwa verlangt, dass jede Mail in Kopie an den Vorgesetzten geht oder der diese gar absegnen möchte, bevor sie rausgeschickt wird. Ansonsten ein Trommelfeuer an Nachfragen, wie weit das Projekt gediehen ist und der Ruf nach ständigen Reports – so kann man als Ingenieur auch wertvolle Zeit totschlagen und Kreativität im Keim ersticken.
Homeoffice: Einen dieser fünf Typen von Mikromanagern kennen Sie vielleicht
Geropp beobachtet derlei Treiben schon lange und hat eine Typologie der gängiger Mikromanager entwickelt. Seine Top-Five:
- 1. Der Kontroll-Suchti
- 2. Der Null-Fehler Fordernde
- 3. Der Unterdrücker
- 4. Der Künstler
- 5. Der Experte
Wie man seinen Chef richtig erzieht
Egal, welchen Typ man vor der Nase hat, jeder von ihnen lähmt nicht nur die Eigeninitiative, sondern fördert auch die Angstkultur. Damit es nicht soweit kommt, sollten Mitarbeiter beizeiten gegensteuern. Gutgesagt. Doch wie soll man einem von sich selbst überzeugten Mikromanager beibringen, dass er falsch führt, ohne dass man damit die eigene Karriere gegen die Wand fährt?
Arbeitnehmer wollen vor allem eins von ihrem Chef
Zunächst mal sollte man auf Einzelgänge verzichten und immer mit Mitstreitern auf die Führungskraft einwirken. Etwa, wenn der Kontrolletti mit immer neuen Ideen, Vorschlägen und Feedback-Forderungen in die Teamarbeit grätscht. Dem sollte das Team freundlich aber bestimmt widerstehen, indem man auf vorher vereinbarte Ziele verweist und den Chef bittet, dem Team den Rücken freizuhalten, damit es zügig Ziele erreichen kann.
Homeoffice: Über den Stand der Dinge berichten
Über den Stand der Dinge darf und muss – zu gegebener Zeit und auch im Homeoffice – berichtet werden: „Ein Mikromanager möchte die Gewissheit haben, dass alles funktioniert“, weiß Geropp und rät: Klären Sie genau, was ihr Chef haben möchte? Was braucht er wirklich und zu welcher Zeit? Was sind seine Erwartungen, damit er das gute Gefühl hat, es läuft. Wie bekommen Sie es hin, dass Sie seine Motivation befriedigen? Klar, vor allem dadurch, dass der Chef immer mit genügend Informationen versorgt wird. Nur eben nicht dreimal am Tag. Sollte dies verlangt werden oder es anderweitig knirschen, rät Geropp zu einem höflichen Vier-Augen-Gespräch: „Dabei nicht verallgemeinern, sondern konkrete Vorfälle benennen, um die Sachlage, die vielen nicht bewusst ist, zu verdeutlichen.“
Hilfreich: Lösungen anbieten
Hilfreich ist auch immer, mit Lösungen zu kommen, wenn es Schwierigkeiten gibt, meint Geropp: „Dann berichten Sie sofort an ihren Chef – aber schlagen Sie immer auch eine oder mehrere Lösungen vor. Ihr Chef wird entscheiden wollen. Aber er wird es wohlwollend aufnehmen, wenn Sie mit Lösungsvorschlägen kommen.“ Alles in allem werden Mitarbeiter einen Sinneswandel kaum von Heute auf Morgen erreichen können, bleibt Geropp realistisch: „Die gute Nachricht ist: Nur wenige Menschen werden als Mikromanager geboren. Die meisten können sich zum Positiven ändern. Die schlechte Nachricht ist: Sich zu ändern das braucht Zeit!”
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